Baden/Ennetbaden
Stichelei in Fusions-Debatte: «Baden sollte etwas gegen Grössenwahn tun»

Ennetbadens Ammann Pius Graf empfiehlt der Nachbarstadt eine Charmeoffensive: «Baden sollte etwas fürs Image tun». Vorurteile gegen die Bäderstadt halten sich hartnäckig. Die Badener würden teils als arrogant und überheblich wahrgenommen, so Graf.

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
Erwartet von Baden etwas mehr Brautwerbung: Ennetbadens Ammann Pius Graf.

Erwartet von Baden etwas mehr Brautwerbung: Ennetbadens Ammann Pius Graf.

AZ

Seit Wochen wird in der Region darüber diskutiert, ob Baden mit den umliegenden Gemeinden fusionieren soll. In der Diskussion um eine Regionalstadt fallen nun ungewohnt scharfe Worte.

In einem Interview mit der «Ennetbadener Post» zum Thema Fusionen stichelt Ennetbadens Gemeindeammann Pius Graf gegen Baden: «Wir erhoffen uns eine aktivere Rolle des Badener Stadtrats. Nach dem Dämpfer mit Neuenhof hat sich Baden zurückgezogen und wartet auf die Agglomerationsgemeinden. Baden sollte etwas fürs Image tun, gegen Arroganz und Grössenwahn.»

Solche Vorstellungen und Ängste seien an der Gemeindeversammlung in Ennetbaden auch geäussert worden, sagt Graf. Ein Stimmbürger hatte dort die Befürchtung geäussert, «die Badener» könnten die Ennetbadener Reben roden, um neues Bauland zu gewinnen.

Auf Anfrage präzisiert Pius Graf seine Aussagen: «Etwas positiver formuliert könnte man sagen: Baden muss eine Charmeoffensive starten, wenn Fusionen wirklich zustande kommen sollen. Denn die oben genannten Klischees und Vorurteile halten sich seit Jahren hartnäckig.» Das könnte dann dazu führen, dass aus dem Bauch heraus Nein zu einem Zusammenschluss gestimmt wird, obschon der Kopf Ja sagen würde. Die Beziehungen zu Badens Exekutive sei aber nach wie vor bestens, versichert Graf.

«Baden hat selbstbewusste Haltung»

Ist Baden arrogant und grössenwahnsinnig? «Diese Vorwürfe höre ich nicht zum ersten Mal. Manchmal wird uns gar noch Hochnäsigkeit vorgeworfen», sagt Stadtammann Geri Müller. Er habe zwar ein gewisses Verständnis für solche Kritik, denn ihm missfalle es manchmal auch, wenn er mitbekomme, wie sich vereinzelte Badener überhöht darstellen. Dennoch verneine ich diese Unterstellungen.

Fakt ist, dass Baden eine selbstbewusste Haltung hat. Fakt ist auch, dass Baden mehr Arbeitsplätze als Einwohnerinnen und Einwohner hat und sich darum sehr gut vorstellen kann, entsprechend zu wachsen.»

Er empfinde die Worte Pius Grafs nun keineswegs als Vorwurf, sondern als Fingerzeig, sagt Müller: «Ich kenne Pius Graf schon lange und gut, und ich schätze seine direkte Art sehr. Seine Aussagen zeigen, worauf wir bei der Diskussion um Gemeindefusionen achten müssen: Baden muss zeigen, dass es keineswegs um eine Einverleibung geht, sondern dass ganz einfach zusammengehört, was bereits zusammengewachsen ist.»

Zum zweiten Vorwurf Grafs, der Badener Stadtrat solle aktiver sein, sagt Müller. «Stellen Sie sich vor, Baden wäre auf die Nachbargemeinden zugegangen und hätte den Fusionswunsch geäussert. Genau dann hätte man uns als grössenwahnsinnig und arrogant dargestellt.» Baden habe bewusst die Abstimmung in Ennetbaden abgewartet und sei nun offen für Fusionsgespräche.

Graf ist derweil trotz Kritik davon überzeugt, dass die Chancen auf Fusionen gut stehen. «Wir werden ein grösseres Baden sicher erleben, den Begriff ‹Grossbaden› sollte man aber streichen. Das Ziel sollte ein Ort Baden-Wettingen sein.» Er rechnet damit, dass die Fusion schon an der Gemeindeversammlung im November wieder ein Thema sein wird, entschieden werde dann wohl über einen Projektierungskredit und einen Vorgehensplan.

Im Juni war in Ennetbaden darüber abgestimmt worden, ob eine Fusion mit Baden und allenfalls weiteren Gemeinden geprüft werden soll. Die Stimmberechtigten sagten knapp Ja, mit 162 zu 149. Geri Müller sagte kurz nach der Ennetbadener Gemeindeversammlung: «Wir haben uns sehr über den Entscheid gefreut. Das Thema Neuenhof steht betreffend Fusionen auch ganz oben auf der Agenda. Es wäre sinnvoll, den Zusammenschluss von Baden, Ennetbaden und Neuenhof nicht nacheinander, sondern gleichzeitig zu planen.»

Seit dieser Aussage sind die Diskussionen über einen Zusammenschluss gleich mehrerer Gemeinden mit Baden zu einer Regionalstadt nicht mehr abgebrochen.

Aktuelle Nachrichten