Wettingen

Stiftung Arwo reagiert mit Investitionen auf Millionen-Verlust

Noch werden Dörrfrüchte wie Apfelringli im «Metropol» produziert. Doch bald bezieht die Arwo ihre neue Stätte in Fislisbach.

Noch werden Dörrfrüchte wie Apfelringli im «Metropol» produziert. Doch bald bezieht die Arwo ihre neue Stätte in Fislisbach.

Die Stiftung für Behinderte will unabhängiger von Industrieaufträgen sein – und baut die Lebensmittelproduktion aus.

Die Arwo hat ein turbulentes Jahr hinter sich: Die Erfolgsrechnung der Stiftung für Menschen mit Beeinträchtigung Wettingen schliesst 2016 mit einem Verlust von 1,55 Millionen Franken ab – im Vorjahr war es noch ein Minus von rund 280 000 Franken. Zum Defizit geführt haben mehrheitlich sinkende Einnahmen, die wenig beeinflussbar sind. Die beiden Hauptgründe sind kantonale Sparmassnahmen, und die Tatsache, dass es für die Arwo im Industriebereich immer schwieriger wird, Arbeit für ihre Mitarbeitenden zu finden: Produktionsschritte werden im grösseren Umfang automatisiert oder in Tieflohnländer verschoben.

«Das Ergebnis 2016 zeigt, dass auch bei Sozialunternehmen wie der Arwo-Stiftung Veränderungen der wirtschaftlichen Situation rascher und häufiger Realität sind», sagt Arwo-Geschäftsleiter Roland Meier. Da sich der Verlust im Verlaufe des Jahres abgezeichnet hat, nahm die Arwo bereits im Herbst sowohl strukturelle als auch organisatorische Anpassungen vor. Dabei wurden beispielsweise verschiedene Führungsteams der Wohn- und Arbeitsgruppen zusammengelegt. «Das erlaubt uns, die Mitarbeitenden flexibler einzusetzen, deren Einsätze besser zu planen und dadurch Kosten zu sparen.» Zudem wurden unter Betreuungs- und Führungspersonen drei Kündigungen ausgesprochen.

Auf die Arwo-Bewohnenden haben die Massnahmen hingegen keine Auswirkungen: Die Gruppen wurden nur im Bereich der Führungsebene zusammengelegt. «Für Menschen mit Beeinträchtigungen ist es ideal, wenn sie in kleinen Wohn- und Arbeitsgruppen eingeteilt sind», sagt Meier. So könnten sie optimal betreut werden.

Vom Nebengeschäft zum Standbein

«Klar, strukturelle und organisatorische Veränderungen finden nicht nur Anklang», gibt Meier zu. Man habe die Mitarbeitenden jedoch früh im Verlaufe des letzten Jahres über die finanzielle Situation informiert – und sie gebeten, Vorschläge einzubringen, wie die Arwo effizienter und sparsamer arbeiten könnte.

Um künftig unabhängiger vom Geldfluss des Kantons und von Aufträgen im Industriebereich zu sein, baut die Arwo ihre Lebensmittelproduktion aus. Im August wird sie im Zentrum von Fislisbach ihre neue Stätte in Betrieb nehmen (die az berichtete). Dort werden die Bewohnenden nicht nur Produkte wie Teigwaren, Dörrfrüchte oder Gewürzmischungen herstellen, sondern auch Mahlzeiten kochen: Die Arwo ist auch als Caterer für verschiedene Mittagstische und Institutionen tätig. «Bisher war die Produktion von eigenen Lebensmitteln ein Nebengeschäft», sagt Meier und fügt an: «Jetzt möchten wir aus diesem Bereich – neben der Lohnarbeit in der Industrie – ein zweites Standbein machen.» Auf diese Weise will die Stiftung ihre Einnahmen aus den eigenen Werkstätten und der Lebensmittelproduktion mittelfristig erhöhen. «Hier haben wir Luft nach oben», sagt Meier. So machen diese derzeit rund 20 Prozent der Erträge aus, während 75 Prozent der Gelder vom Kanton und zirka 5 Prozent aus Spenden stammen.

Die Arwo investiert in den Umbau des ehemaligen Coop-Gebäudes in Fislisbach rund 600 000 Franken. Damit wird die bestehende Produktionsstätte im ehemaligen Restaurant Metropol in Wettingen abgelöst. Mit der Verlegung hofft die Arwo, ihren Kundenstamm ennet dem Baregg auszubauen und mit einem kleinen Verkaufsbereich Kontakt mit der Bevölkerung zu knüpfen. Die Umbauarbeiten der neuen Stätte werden in wenigen Tagen starten. «All diese Massnahmen lassen uns optimistisch in die Zukunft blicken», sagt Arwo-Geschäftsleiter Roland Meier.

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