Baden/Wettingen

Stiftung für Behinderte Arwo gibt Badi-Restaurant auf

Roland Meier, Leiter der Stiftung Arwo: «Wir sind froh um die Erfahrungen, die wir im Restaurant sammeln konnten, trotzdem werden wir aus organisatorischen Gründen keine Saisonstellen mehr anbieten.»

Roland Meier, Leiter der Stiftung Arwo: «Wir sind froh um die Erfahrungen, die wir im Restaurant sammeln konnten, trotzdem werden wir aus organisatorischen Gründen keine Saisonstellen mehr anbieten.»

Acht Jahre sorgte die Arwo im Badener Restaurant «Terrassenbad» für das leibliche Wohl der Gäste. Jetzt hat sie den Pachtvertrag mit der Stadt Baden gekündigt. Diese sucht nun einen Nachfolger für die Pacht.

Acht Jahre sorgten die Mitarbeiter der Arwo im Restaurant Terrassenbad dafür, dass die Pommes frittiert, der Salat gerüstet und das Geschirr gewaschen ist. Doch auf Ende Saison hat die Arwo (Stiftung für Behinderte, Wettingen, arbeiten und wohnen) den Pachtvertrag mit der Stadt Baden gekündigt. «Mit dem Betrieb des Restaurants können wir zu wenig Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigung schaffen, als dass sich der Aufwand lohnen würde», begründet Arwo-Leiter Roland Meier die Kündigung. Im Restaurant und dem Kiosk seien nur drei Menschen mit einer Beeinträchtigung und eine Betreuerin angestellt. Damit aber an einem schönen Sommertag, wenn das Bad voll ist, alles rund läuft, braucht es 12 Angestellte.

Das Problem: Die Arwo konnte für die zusätzlichen Stellen keine eigenen Leute einsetzten. «Menschen mit Behinderung brauchen feste und regelmässige Arbeitszeiten», erklärt Meier. «Sie müssen sich auf ihre Aufgaben vorbereiten können.» Eine Arbeit auf Abruf, wie sie der Badi-Betrieb erfordert, sei deshalb schlecht geeignet für sie. Auch habe man feststellen müssen, dass der Druck und die Hektik, die ein solcher Gastro-Betrieb mit sich bringt, ungeeignet sei für die Klienten der Arwo.

Das bedeutet, die Stiftung musste vor Beginn jeder Saison zusätzliche Mitarbeiter organisieren. Nur so war garantiert, dass im «Terrassenbad» auch bei Hochbetrieb genug Personal im Einsatz stand. Aus diesen Gründen rekrutierte die Arwo vor jeder Saison 25 bis 30 Mitarbeiter – hauptsächlich Studenten, die dann im Stundenlohn arbeiteten und auf Abruf einsetzbar waren. «Die administrative Betreuung dieser Leute war sehr zeitintensiv – nicht nur während der Saison», sagt Meier. «Auch nach der Saison gab es zu tun.» Nach Saisonende schrieb die Arwo für alle Stundenlöhner ein Arbeitszeugnis.

Schlechte Badesaison mit Verlust

Wie die meisten Badis, musste auch das Terrassenbad dieses Jahr eine schlechte Sommersaison hinnehmen. «Das hat unsere Entscheidung aber nicht beeinflusst», versichert Meier. «Wir mussten zwar einen geringen Verlust in Kauf nehmen, dafür machten wir vor einem Jahr gute Gewinne.» Gerade die Saison letztes Jahr habe aber gezeigt, dass Mitarbeiter mit einer Behinderung Mühe haben, dem Stress und den Anforderungen der Badegäste standzuhalten, so Meier. Das Restaurant bietet Platz für rund 150 Gäste. Bedient werden aber weit mehr. «Die meisten Leute kaufen etwas am Kiosk oder in der Selbstbedienung und gehen dann wieder an ihren Badeplatz.»

Hätte man vor diesem Hintergrund nicht schon viel eher einen Schlussstrich ziehen müssen? Meier betont, dass er die Stiftung erst seit einem Jahr leitet und die Arbeit der vergangenen Jahre nicht beurteilen will. «Sicher fällt es aber einfacher, einen Betriebsteil aufzugeben, wenn man ihn nicht selber auf die Beine gestellt hat.»

Stadt sucht neuen Pächter

Für die Stadt Baden kommt die Kündigung nicht überraschend. «Wir haben mit der Arwo gut zusammengearbeitet und die Stiftung kam mit ihrem Anliegen frühzeitig auf uns zu», sagt Manfred Schätti, Leiter Liegenschaften der Stadt Baden. «Wir verstehen die Argumente der Stiftung. Trotzdem ist es schade, dass die Arwo aussteigt.» Deshalb hofft man bei der Abteilung, dass für spezielle Anlässe die Zusammenarbeit erhalten bleibt.

Wie genau es mit dem Selbstbedienungsrestaurant und dem Kiosk weiter geht, ist noch ungewiss. «Wir suchen nach einem neuen Pächter», sagt Schätti. Optimal sei es, wenn die Nachfolge bis Anfang 2015 geregelt wäre. Der neue Pächter wird eine Vorlaufzeit brauchen, um genug Personal zu rekrutieren und die Betriebsplanung zu machen.

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