«Man muss nicht unbedingt nach Bilbao. Es gibt auch hier gute Kunst, und zwar direkt vor der Haustür», sagt Christoph Doswald. Der 55-Jährige, neu gewählte Präsident der Stiftung Kulturweg Baden-Wettingen-Neuenhof und Nachfolger von Mark Füllemann, muss es wissen. Denn sein Beruf als freier Kurator brachte ihn schon weitherum.

Während seines Studiums mit Hauptfach Geschichte wohnte er in den 1980er- Jahren in Madrid und Sevilla. Dort erlebte er die «movida», eine äusserst lebendige kulturelle Bewegung. «Spanien zelebrierte die komplette künstlerische Freiheit.

In der Schweiz traute man der Kultur damals noch wenig zu», sagt der gebürtige Badener und fügt hinzu: «In den letzten 25 Jahren hat in unserem Land punkto Kulturförderung ein Quantensprung stattgefunden: Kunst wird politisch und gesellschaftlich breiter akzeptiert.» Marseille war eine weitere Station seiner Karriere, wo er sechs Jahre als Kurator im Fonds Régional d’Art Contemporain half, die mittlerweile berühmte Sammlung aufzubauen.

Seit 2009 hat er das Präsidium der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich inne. Der viel diskutierte Hafenkran gehört ebenso zu «seinen» Projekten wie die Ausstellung «Art and the City 2012» an der Künstler wie Ai Weiwei ihre Werke im öffentlichen Raum zeigten.

Naheliegende Kunst schätzen

Trotz seiner globalisierten Sicht auf die Kunst, liegen ihm kleine Kunstprojekte ebenso am Herzen wie grosse. Er organisiert Ausstellungen in Schwamendingen mit der gleichen Verve wie in Berlin oder Nizza. Und will sich künftig für die Stiftung Kulturweg Baden-Wettingen-Neuenhof starkmachen. «Topkunst findet nicht nur in den grossen Zentren statt, sondern auch an der Peripherie», meint Doswald.

Und gerade der Kulturweg habe sehr viel Potenzial mit seinen hochkarätigen Werken inmitten der landschaftlichen Schönheit des Limmat-Flusslaufs. «Wir leben in einer Welt, in der die Aufmerksamkeitskultur dominiert. Wer nicht dauernd ein Spektakel produziert, findet schwer Beachtung», so Doswald.

Doch durch den ständigen Lärm entsteht auch ein Bedürfnis für die Ruhe: «Der Kulturweg fordert die Menschen auf, ihren Blick auf Naheliegendes zu richten und darin die speziellen Schönheiten zu entdecken.» Die Region Baden besitzt für den Kurator viele Qualitäten. «Mit der Tagsatzung und BBC wurden hier Weltgeschichte geschrieben. Die Kulturagenda ist extrem vielschichtig, und die Natur befindet sich vor der Haustür.»

Von seinem Vorgänger hat Doswald ein Kunstprojekt übernommen, das sich noch in Planung befindet. Die Lichtinstallation des jungen Schweizer Shootingstars Christoph Brünggel wird voraussichtlich im Sommer 2017 eingeweiht und liegt erstmals etwas weiter weg vom Fluss als die anderen 27 Kulturweg-Kunstwerke. Diese Neu-Positionierung passt zur Zukunftsvision des neuen Präsidenten: «Wir möchten mit den künftigen Projekten eine Verbindung zum Bäderquartier schaffen.»

Doswald möchte den Kulturweg künftig noch stärker an die urbanen Räume der Betreibergemeinden anbinden und damit das ganze Projekt breiter abzustützen. «Dafür stelle ich meine Erfahrung und mein Netzwerk zur Verfügung», sagt er. «Eine One-Man-Show wirds aber nicht werden – es braucht das ganze Team.»