Seit Ende Juni ist das Grossprojekt Umfahrung Mellingen, das die Altstadt vom Verkehr entlasten soll, rechtskräftig. Geht alles nach Plan, beginnen die Bauarbeiten im Frühjahr 2021. Die Zeit bis zum Baustart will der Gemeinderat für die Planung der Gebiete Birrfeldstrasse, Lenzburgerstrasse und Altstadt nutzen. Denn: Ist die Umfahrung einmal in Betrieb, wird der Verkehr auf den besagten Achsen abnehmen. An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 27. September beantragt der Gemeinderat deshalb zwei Kredite: für die Erarbeitung des Entwicklungsrichtplans Zentrum in Höhe von 220 000 Franken und für die Altstadtaufwertung in Höhe von 90 000 Franken.

«Mit der Umfahrung wird sich das Bild von Mellingen markant verändern. Deshalb müssen wir uns Gedanken machen, wie wir der neuen Situation gerecht werden können», sagt Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP) und fügt an: «Jetzt wollen wir die Voraussetzungen schaffen, damit die Birrfeldstrasse, die Lenzburgstrasse und die Altstadt nach der Realisierung der Umfahrung attraktiver werden – und sich die Aufenthalts- und Wohnqualität im Zentrumsbereich unserer Gemeinde erhöht.»

Begegnungszone mit Tempo 20

Heutzutage verkehren täglich über 15 000 Fahrzeuge durch die Hauptgasse. Nach der Inbetriebnahme soll der Durchgangsverkehr mit baulichen Massnahmen auf 1500 Fahrzeuge pro Tag beschränkt werden. «Die Altstadt erhält dadurch einen völlig neuen Stellenwert», ist Gretener überzeugt.

Zur Erhöhung der Standortattraktivität soll auch die Umwandlung der Hauptgasse in eine Begegnungszone mit Tempo 20 beitragen, wobei Fussgänger Vortritt haben. Wie der Gemeinderat in seinen Erläuterungen zur Altstadtaufwertung schreibt, soll die Fahrbahnbreite um rund drei bis vier Meter verkleinert, der Gehweg im Gegenzug vergrössert werden. «Restaurationsbetriebe sollen dadurch die Möglichkeit erhalten, den Aussenbereich zu bespielen und beispielsweise ein Strassencafé zu betreiben», sagt Gretener. Weiter ist vorgesehen, dass das alte Lenzburgertor, durch das heutzutage der Verkehr stadtauswärts rollt, für die Fussgänger freigegeben wird. «Das Kreuzen zweier Fahrzeuge wird dadurch in der Altstadt erschwert. Die Hauptgasse soll aber weiterhin in beide Richtungen befahrbar bleiben.»

Doch wie entgegnet der Gemeindeammann den Befürchtungen des Gewerbes, dass die Altstadt nach der Aufwertung zwar aufgewertet sein soll, für die Kundschaft jedoch weniger zugänglich? «Die Zufahrt zu den Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben wird uneingeschränkt möglich sein», betont Gretener. Mit anderen Worten: Besucher, die einen Kaffee trinken wollen, einkaufen oder jemanden besuchen gehen, könnten jederzeit mit dem Auto in die Altstadt fahren. «Die Verkehrsbeschränkung gilt ausschliesslich für den Durchgangsverkehr. Diesbezüglich wird es sicherlich entsprechende Kontrollen brauchen.» Wie diese konkret durchgeführt werden, sei zur Zeit allerdings noch offen.

Parkplatzsituation optimieren

Was den «Entwicklungsrichtplan Zentrum» betrifft, will der Gemeinderat unter anderem verschiedene Fragen klären – zum Beispiel, wie in Zukunft die öV-Linien verbessert werden und wo die Haltestellen stehen sollen. Auch will er prüfen, wie die Ein- und Ausfahrt in die Altstadt geregelt werden soll, wie die Parkplatzsituation optimiert oder wie die Verbindungen für Velo- und Fussverkehr zwischen dem Zentrumsbereich und der Altstadt attraktiver gestaltet werden kann.

«Wir möchten in den nächsten Monaten konkrete Massnahmen erarbeiten, die wir nach der Realisierung der Umfahrung in Angriff nehmen und umsetzen können», sagt Gretener. Ob es dabei mehrere Teilprojekte oder ein grosses Projekt sein werden, sei noch offen.

Der «Entwicklungsrichtplan Zentrum» soll gemeinsam mit verschiedenen Interessensgruppen erarbeitet werden. «In Kürze wird es einen ersten Workshop geben, bei dem die Anliegen aller Beteiligten angehört werden können.» Das Zürcher Büro Michael Emmenegger, Analyse und Management von sozialen Prozessen, wird dabei den neutralen Kontakt zu den Grundeigentümern und Interessenvertreten sichern sowie die Projektbearbeitung begleiten.