Der Einbruch ist massiv. Im ersten Halbjahr 2018 kamen rund 20 Prozent weniger Gäste in die Kinos der Sterk Cine AG, die zehn Kinosäle in Baden und Wettingen betreibt. Alexandra Sterk führt das Familienunternehmen in vierter Generation und sagt: «Der Rückgang ist erschreckend. Seit längerem gehen die Kinoeintritte generell zurück. Doch ein Jahr wie dieses hatten wir noch nie.»

Die Gründe für den generellen Rückgang sieht Sterk im Ausgangsangebot, das immer grösser wird sowie in den boomenden Online-Streamingangeboten. Für den grossen Einbruch dieses Jahr gibt es mehrere Ursachen. Sterk sagt: «Der Hauptgrund war, dass kaum gute Filme produziert wurden, die man als Kassenschlager bezeichnen könnte. Dazu kamen die Fussball-Weltmeisterschaft und das aussergewöhnlich schöne Wetter.»

Den Einbruch im ersten Halbjahr könne der Familienbetrieb verkraften, «aber wenn es jedes Jahr so ist, muss man sich schon Gedanken machen», sagt Sterk.

2000 Sitzplätze in Spreitenbach

Am Horizont ist aber nicht etwa ein Silberstreif der Hoffnung zu sehen, sondern gewaltige, neue Konkurrenz. Die grösste Kinokette der Schweiz, Pathé Suisse, errichtet in der neuen Überbauung Sandäcker in Spreitenbach ein Multiplex-Kino mit zehn Sälen und 2000 Sitzplätzen; dieses soll im Frühling 2019 in Betrieb gehen.

Im Zürcher Limmattal hat man vor dem neuen Platzhirsch schon kapituliert: Das seit 1930 bestehende Cinema Capitol in Dietikon stellt seinen Betrieb ein. «Die Schliessung mit anzusehen, macht keine Freude», sagt Alexandra Sterk. Droht den Badener Kinos nun das gleiche Schicksal? «Es ist nicht so, dass wir jetzt einfach alle unsere Kinosäle zu machen», sagt Sterk. Aber man werde sicher eine Einbusse spüren. «Wenn es zehn Prozent Einbusse sind, gibt es keinen Grund etwas zu ändern. Wenn es fünfzig Prozent sind, müssten wir uns ernsthaft Gedanken machen.»

Ein Verdrängungskampf

Sterk geht mit der neuen Konkurrentin Pathé Suisse hart ins Gericht: «Sie führen einen Verdrängungskampf gegen alteingesessene Familienunternehmen, die kaputt gemacht werden.» Es sei sehr mutig, in Spreitenbach derart viel Geld zu investieren, wenn man die Kinodichte von Zürich bis Baden bedenke. Sterk hält ausserdem die Ziele der Pathé Suisse für unrealistisch: «Sie streben eine halbe Million Besucher pro Jahr an. Das werden sie sicher nicht erreichen können. Soll der Stadtzürcher, der aus dutzenden Kinos vor seiner Haustüre wählen kann, nach Spreitenbach fahren? Ich weiss schlicht nicht, wie Pathé rechnet.»

Auf Anfrage teilt Pathé Suisse schriftlich mit: «Wir möchten uns vom Vorwurf des Verdrängungskampfs distanzieren.» Es sei keinesfalls das Ziel von Pathé, kleine Kinobetriebe vom Markt zu verdrängen. Eine Koexistenz von Multiplex-Kinos und Familienbetrieben sei möglich. Man erhofft sich «ähnliche Besucherzahlen» wie im Pathé-Kino im zürcherischen Dietlikon, möchte aber auf Nachfrage nicht sagen, wie hoch diese sind. Mit dem neuen Kino in Spreitenbach wolle Pathé Besucher aus dem Aargau, aus Zürich und aus den umliegenden Kantonen anziehen.

Macht der Preis den Unterschied?

Die Familie Sterk hat sich derweil in den letzten Jahren in Baden und in Wettingen mit den Kinos Trafo, Sterk und Elite ein kleines Kino-Imperium aufgebaut. Alexandra Sterk glaubt, dass ihr Unternehmen damit besser gegen den Riesen Pathé Suisse gewappnet ist: «Mit mehreren Standorten haben wir mehr Power, um gegen die grossen Finanzmittel von Pathé zu wirken.» Die Einzelkinos, wie das Dietiker Cinema Capitol, das nun schliesst, hätten es deutlich schwerer. «Wenn dem Kunden der Film nicht gefällt, kommt er einfach nicht in die Vorstellung. Wir können dem Kunden eine Auswahl bieten.»

Gut möglich, dass sich die Investitionen in die verschiedenen Standorte nun im Kampf gegen Pathé Suisse auszahlen. Ein Trumpf liegt wohl sowieso bei den Badener Kinos. Sterk ist sich sicher: «Den Unterschied werden die Preise machen.» Im Kino Sterk beim Badener Bahnhof kostet ein Ticket für einen Erwachsenen 17 Franken. Im Pathé-Suisse-Kino im zürcherischen Dietlikon kostet das selbe Ticket 19,50 Franken.