Baden

«Strebe kein Wachstum um jeden Preis an»: Gemeinderats-Kandidat Jürg Amrein im Interview

Jürg P. Amrein bringt Erfahrung in öffentlichen Ämtern mit.

Jürg P. Amrein bringt Erfahrung in öffentlichen Ämtern mit.

Sieben Kandidaten für zwei freie Gemeinderatssitze in Neuenhof: Wer sind sie? 6. Folge: Jürg P. Amrein (parteilos).

Nach dem Rücktritt von Susanne Voser als Gemeindeammann und Andreas Muff als Gemeinderat sind am 9. Februar in Neuenhof zwei Gemeinderatssitze zu besetzen. Sieben Kandidaten stellen sich zur Wahl. Wir stellen Ihnen die Kandidaten mit einem identischen (von allen bereits beantworteten) Fragekatalog vor. 6. Teil: Jürg P. Amrein (parteilos). Lesen Sie morgen in der 7. und letzten Folge das Porträt von Martin Uebelhart (CVP), der sich als einziger für das Amt des Gemeindeammanns bewirbt.

Wieso wollen Sie Gemeinderat von Neuenhof werden?

Jürg P. Amrein: Meine Verbundenheit mit der Gemeinde sowie Anfragen von Personen aus meinem Umfeld, die mich in diesem Amt sehen, motivieren mich dazu, als Gemeinderat zu kandidieren. Die vielschichtigen und fordernden Themen auf Gemeindeebene interessieren mich und ich bin stolz auf unsere Schule, die ich in meinen nun 13 Jahren als Schulpflegepräsident mitprägen durfte. Gerne würde ich mein Wissen und meine Erfahrungen ein- bringen.

Wieso sind Sie geeignet für dieses Amt?

In den 13 Jahren als Schulpflegepräsident ist es mir gelungen, auch bei anspruchsvollen Themen mit den verschiedensten Anspruchsgruppen, Lösungen zu finden. Unter Berücksichtigung von gegenseitiger Wertschätzung, Empathie und Klarheit, unterstützt durch eine gesunde Portion Selbstkritik gelingt es auch bei schwierigen Geschäften, einen Konsens zu finden.

Ihr Kommentar zum überraschenden Rücktritt von Ammann Susanne Voser. Haben Sie den kommen sehen?

Obwohl ich mit Ammann Susann Voser in regelmässigem Kontakt stand, hatte ich diesen Rücktritt nicht kommen sehen. Den Doppelrücktritt im Gemeinderat trotz externer Begleitung und Moderation bedaure ich sehr, ohne die Hintergründe dafür zu kennen. Dafür, dass die Schwierigkeiten im Gemeinderat aber höchstens niederschwellig nach aussen getragen wurden, möchte ich meine Würdigung aussprechen.

Ihre grösste Stärke, Ihre grösste Schwäche?

Neben meinen positiven Qualitäten in Form von Wissen und Erfahrungen scheint mir wohl meine engagierte und zielführende Art, verbunden mit dem Herzblut, das ich einbringe, und der Tatsache, dass ich mich immer korrekt zu verhalten versuche, meine grösste Stärke. In gewissen Belangen neige ich zu Ungeduld, etwas, das vereinzelt als fordernd empfunden, aber mehrheitlich geschätzt wird.

Begrüssen Sie die geplante Weiterführung der Limmattalbahn durch Neuenhof?

Ich erachte die zukunftsgerichtete Erweiterung der Limmattalbahn als Chance, um die künftigen Mobilitätsbedürfnisse unserer nachfolgenden Generationen befriedigen zu können. Langfristig wirklich Nachteiliges sehe ich mit der Erweiterung der Limmattalbahn nicht. Brauchen wir sie wirklich? Heute vermutlich noch nicht, aber sicher übermorgen.

Heute leben rund 8500 Menschen in Neuenhof. Bis 2030 sollen es über 10'000 sein. Begrüssen Sie diese Entwicklung?

Diese Entwicklung wird wohl kaum zu stoppen sein. Ob das erwähnte Wachstum die Finanzkraft von Neuenhof massiv stärken wird, wage ich jedoch zu bezweifeln, da mehr Menschen grundsätzlich auch mehr Kosten (Infrastruktur, Sozialdienste etc.) erzeugen. In meinem Innersten strebe ich also kein Wachstum um jeden Preis an.

Soll sich Neuenhof in naher Zukunft mit umliegenden Gemeinden zusammenschliessen. Wenn ja, mit welchen?

Ich denke der Mehrwert, der durch den Synergieeffekt entsteht, wenn sich Gemeinden zusammenschliessen, bringt mehr Vor- als Nachteile. Einen Kulturverlust würde aus meiner Sicht auch nicht nachteilig entstehen. Die Kultur wird im Wesentlichen von den Menschen geprägt, die sie pflegen. Mit welchen Gemeinden? Mit denen, die Sinn machen und die wollen.

Wo sehen Sie als künftiger Gemeinderat die grössten Herausforderungen in Neuenhof?

Die allergrösste Herausforderung sehe ich darin, all den verschiedenen Bedürfnissen innerhalb der finanziellen Möglichkeiten gerecht werden zu können, was uns schliesslich zum Fokussieren zwingt. Fokus heisst nichts anderes als Verzicht auf nicht Notwendiges.

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