Turgi-Gebenstorf

Streit eskaliert: Kirchgemeinde-Präsident verlässt Versammlung nach Vorwürfen

Kirchgemeindepräsident Daniel Ric verliess die Versammlung als sich ein Kirchgemeindemitglied mit Vorwürfen an die Kirchenpflege wandte.

Kirchgemeindepräsident Daniel Ric verliess die Versammlung als sich ein Kirchgemeindemitglied mit Vorwürfen an die Kirchenpflege wandte.

An der Versammlung der Kirchgemeinde Turgi-Gebenstorf forderte eine Initiativgruppe die Rücktritte von Pater und Präsident.

In der Kirchgemeinde Turgi-Gebenstorf brodelt es schon länger. Die Fronten sind verhärtet. An der Kirchgemeindeversammlung letzte Woche, an der 58 von 2347 stimmberechtigten Katholiken anwesend waren, fand der Konflikt einen unschönen Höhepunkt:

Kirchgemeindepräsident Daniel Ric verliess die Versammlung als sich kurz vor Ende unter «Verschiedenes» ein Kirchgemeindemitglied mit Vorwürfen an die Kirchenpflege wandte. Das müsse er sich nicht anhören, sagte Ric, und ging. Mit ihm gingen auch Pater Adam und weitere Anwesende.

Warum kam es so weit? «Vielleicht war es eine Kurzschlussreaktion», sagt Ric im Nachhinein. «Es ist aber nicht so, dass ich die Versammlung ungeordnet geschlossen und fluchtartig verlassen hätte.» Doch habe er rund eine ­Woche zuvor Mails mit strafrechtlich relevantem Inhalt von besagtem Kirchgemeindemitglied erhalten und deshalb bereits im Vorfeld den anderen Personen der Kirchenpflege kommuniziert, dass er bei weiteren Beleidigungen die Versammlung verlassen werde. Daran habe er sich gehalten.

Vor Pater Adam herrschte grosse Vielfalt

Das ist nur ein weiteres Kapitel in einem schon länger schwelenden Konflikt in der Kirchgemeinde Turgi-Gebenstorf: Einerseits ist da die Kirchenpflege um Präsident Daniel Ric sowie Pater Adam Serafin, andererseits eine – nach eigenen Angaben – 52-köpfige Initiativgruppe, deren Koordinatorin Hilde Seibert aus Gebenstorf ist, eine von insgesamt fünf Delegierten.

Die Gruppe sagt, dass bevor Pater Adam das Zepter übernommen habe, in ­Turgi und in Gebenstorf grosse Vielfalt geherrscht habe. Viele Pfarreiangehörige würden sich diese Zeiten wieder zurückwünschen. Sie wehren sich dagegen, von einem konservativen, hierarchisch handelnden Pater und einer ebensolchen Kirchenpflege in vorkonziliare Zeiten zurückgeworfen zu werden (die AZ berichtete).

Der Initiativgruppe ist es wichtig zu erwähnen, dass die Person, deren Vorwürfe Ric zum Verlassen der Versammlung bewegt hatten, zwar ebenfalls Mitglied der Gruppe sei, aber dessen Vorwürfe nichts mit den eigentlichen Anliegen zu tun gehabt hätten. Es sei sehr schade, dass sie ihre Kritikpunkte nicht direkt an Ric hätten herantragen können.

Schwere Anschuldigungen

Nachdem dieser, Pater Adam und weitere Personen die Versammlung verlassen hatten, trug die Initiativgruppe trotzdem ihre Kritik vor. Die Anschuldigen hätten es in sich gehabt, schreibt das katholische Pfarrblatt «Horizonte Aargau» im Onlineartikel zur Kirchgemeindeversammlung: Von Mobbing, Machtmissbrauch und Vertuschung sei die Rede gewesen.

Am Ende sei gefordert worden, dass Pater Adam entweder entlassen wird oder selbst zurücktritt. Auch von Daniel Ric wurde der Rücktritt verlangt. Dabei habe eine Mehrheit der Anwesenden die Hand gehoben und dem Antrag zugestimmt, schreibt «Horizonte Aargau» weiter.

Frustriert und enttäuscht über Berichterstattung 

Dieser sei aber nicht verbindlich gewesen, da ein solcher nicht in der Kompetenz der Kirchgemeindeversammlung liege, sagte Marcel Notter, Generalsekretär der römisch-katholischen Landeskirche, als Experte für Verwaltungsfragen zu «Horizonte».

Über die Berichterstattung des katholischen Pfarreiblatts sind Präsident Ric wie auch Pater Adam frustriert und enttäuscht, wie sie sagen, weil beide erst später zu den Vorwürfen Stellung nehmen konnten als bereits eine erste Version online erschienen war:

«Ich bin als Priester darauf angewiesen, dass die Menschen Vertrauen haben. Ein solcher Artikel ist extrem rufschädigend, auch wenn die allermeisten Menschen, die mich und meine Arbeit kennen, dem Gesagten und Geschriebenen keinen Glauben schenken», sagt Pater Adam.

Als Seelsorger erlebe er eine ganz andere Pfarrei, eine junge und dynamische Kirche mit unterschiedlichen Menschen und Kulturen, die ihm gegenüber sehr offen seien.

Gute Erfahrungen mit den meisten Pfarreiangehörigen

Auch Ric empfindet das Kirchgemeindeleben als angenehm: «Meines Erachtens steht eine Mehrheit der Gläubigen hinter der Arbeit der Kirchenpflege und Pater Adam. Ich mache sehr gute Erfahrungen mit den meisten Pfarreiangehörigen.» Es geschehe in beiden Pfarreien viel Gutes, vor allem für Menschen, die offen und unvoreingenommen seien.

Bereits bei einer Pfarreiversammlung 2018 war es hoch zu- und hergegangen, der ganze Vorstand der Kirchenpflege hatte damals seine Ämter zur Verfügung gestellt unter der Bedingung, dass sich jemand anderes zur Wahl stellen würde.

Damals wollte niemand, inzwischen gäbe es aber doch Leute aus der Gruppe, die sich der Wahl stellen würden – aber nicht, solange Ric Präsident sei. Für diesen ist aber klar: «Ich habe nicht vor, wie auch Pater Adam nicht, Menschen Recht zu geben, die eine absolute Minderheit in der Pfarrei darstellen.»

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