Baden
Streit im Schrebergarten mit kupiertem Hund zwischen den Fronten

Vor dem Einzelrichter ging es um einen kupierten Dobermann-Welpen und einen äusserst happigen Strafantrag eines Staatsanwaltes.

Rosmarie Mehlin
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Der ehemalige Hundehalter muss sich nicht wegen Tierquälerei verantworten (Symbolbild)

Der ehemalige Hundehalter muss sich nicht wegen Tierquälerei verantworten (Symbolbild)

Keystone

An einem heissen Tag im August letzten Jahres war eine Polizeipatrouille auf einen Hinweis hin zu einer Schrebergartenanlage ausgerückt. In einem Container, der an der prallen Sonne stand, fand sie einen Dobermann-Welpen, dessen Ohren und Rute kupiert waren, was in der Schweiz verboten ist. Ferner – so protokollierten die Beamten – hätten sich in dem heissen Container zwei mit Wasser halb gefüllte Schalen, eine weitere mit «abgestandenem Futter» sowie Zeitungen, die den ganzen Boden bedeckten, befunden, und das Hündchen habe einen «müden und niedergeschlagenen Eindruck» gemacht.

Das kantonale Veterinäramt hatte den Welpen sofort beschlagnahmt, das Hündchen seinem Besitzer Arben (Name geändert) aber fünf Tage später wieder zurückgegeben. Daraufhin hatte der 39-jährige Kosovare den noch nicht vier Monate alten Vierbeiner im Internet für 1300 Franken zum Verkauf angeboten. Eine Frau hatte ihn gegen 200 Franken Anzahlung übernommen und gleich einen Tierarzt aufgesucht, da die Kupierung der Rute unsachgemäss vorgenommen worden war. In der Folge weigerte sich die Frau, die Restsumme zu begleichen, worauf Arben sie telefonisch mit diversen «Massnahmen» bedrohte – etwa, dass er mit Kollegen bei ihr aufkreuzen und die Herausgabe vom Hündchen erzwingen werde.

180 Tagessätze Geldstrafe gefordert

Ein Staatsanwalt hatte deshalb gegen Arben einen Strafbefehl auch wegen Nötigung erlassen, nebst mehrfacher Tierquälerei, Anstiftung zu solcher sowie Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz. Dafür hatte der Ankläger happige Sanktionen gefordert: 180 Tagessätze Geldstrafe bedingt sowie 3000 Franken Busse. Logisch, dass Arben dagegen Einsprache erhob. Ja, er heuerte gar einen der bekanntesten Anwälte im Kanton für seine Sache an.

Mit dem sass der vierfache Vater jüngst in Baden vor Einzelrichter Heinz Meier. Drei Zeugen hatte Arben zu seiner Entlastung ebenfalls dorthin aufgeboten. Ein 55-jähriger Schrebergarten-Nachbar – selbst zweifacher Hundebesitzer – versicherte nachdrücklich, dass er sich jeweils tagsüber um den Welpen gekümmert habe, regelmässig mit ihm spazieren gegangen sei und ihm Trockenfutter verabreicht habe, das ja, auch wenns liegen bleibt, nicht verderbe. Zwei Kumpel, mit denen Arben in Begleitung des Welpen in einer Gartenbeiz öfter ein Bierchen trank, sagten aus, dieser sei sehr liebevoll mit dem Hündchen umgegangen.

Zwei Schuldsprüche

Arben seinerseits, erklärte, er habe den kupierten Dobermann von einer ihm flüchtig bekannten Polin geschenkt bekommen. Er habe ihn gerne gehabt, seine Frau weniger, weshalb er ihn – wenn er jeweils zur Arbeit ging – in den Schrebergarten gebracht und seinem Nachbarn übergeben habe. Und die neue Besitzerin habe er mitnichten unter Druck gesetzt.

Arbens Anwalt forderte einen vollumfänglichen Freispruch. Damit hatte er zwar nicht ganz, aber weitgehend Erfolg. Richter Heinz Meier erkannte, dass Arben nicht verantwortlich dafür sei, dass der Hund kupiert aus dem Ausland eingeführt worden war: Freispruch vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz sowie von dem der mehrfachen Tierquälerei aufgrund der glaubhaften Zeugenaussagen bezüglich der Vorkommnisse rund um den Container.

Weil aber selbst der Verkauf von kupierten Hunden hierzulande verboten ist, wurde Arben zu einer Busse von 200 Franken verknurrt. Auch habe er sich mit seinen Drohungen der neuen Hundebesitzerin gegenüber klar der mehrfachen versuchten Nötigung schuldig gemacht. Dafür wurde der eigenen Angaben zufolge «zurzeit arbeitslose, aber immer arbeitende» Arben zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 40 Franken verurteilt.