Streit mit Stiefvater nimmt nach fünf Jahren ein friedliches Ende

Beschuldigt der Drohung und Tätlichkeit, kam ein 53-Jähriger vor dem Bezirksgericht Baden mit einer Entschuldigung davon.

Rosmarie Mehlin
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(Symbolbild)

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Hanspeter Bärtschi

Juan (alle Namen geändert) musste sich dieser Tage, beschuldigt der Drohung und der Tätlichkeiten, vor dem Bezirksgericht verantworten. Die dem 53-Jährigen zur Last gelegten Taten datieren von August und September 2016, der Strafbefehl vom 4. November 2016. Dass Justitias Mühlen angesichts der chronischen Überlastungen von Staatsanwaltschaften und Gerichten relativ langsam mahlen, ist bekannt. Aber so langsam? Ein Skandal! Oder doch nicht? Gleich zu Beginn der Verhandlung erklärte Einzelrichterin Gabriella Fehr die überlange Dauer des Verfahrens: Auf den Straf-befehl hatte Juan Einsprache gemacht, ehe er in seine Heimat – eine Insel in der Karibik – reiste.

Als er nun, in Spanien lebend, seine hier lebende Schwester besuchte, kam es zur Verhandlung. Für Juan ging es um eine bedingte Geldstrafe von 2400 Franken, eine Busse von 700 Franken sowie 1250 Franken Gebühren und Auslagen.

Als Zeuge sagte der 24-jährige Roberto aus, der Stiefsohn von Juan, der Juan damals angezeigt hatte. Robertos geschiedene Mutter hatte Juan hier kennen gelernt und 2015 in der Karibik geheiratet. «Als ich realisierte, dass Juan meine Mutter schlägt, habe ich ihn gestellt. Während der Aussprache hat er plötzlich mit einer Schere auf die Distanz einer Armlänge vor meinem Gesicht herumgefuchtelt», so Roberto. Er habe sich ganz klar bedroht gefühlt, «die Anzeige habe ich aber nur gemacht, um meine Mutter vor weiteren Schlägen zu schützen.»

Der Denkzettel war dem Stiefsohn genug

Als Tätlichkeiten qualifiziert, sei dieser Punkt im Strafbefehl inzwischen verjährt, klärte Richterin Fehr den Zeugen auf. «Wollen sie unter diesen Vorzeichen auf der Strafanzeige wegen Drohung beharren oder sie allenfalls zurückziehen?» Roberto meinte, dass ihn an einer Bestrafung von Juan eigentlich nichts liege. «Ich wollte nur, dass er einen Denkzettel bekommt.» Ob es ihm, so die Richterin, genüge, wenn Juan sich bei ihm entschuldige? Roberto nickte und musste, wie auch die Berichterstatterin, den Raum vorübergehend verlassen.

Die Aussage von Juan, längst von Robertos Mutter geschieden, mündete in einen gewal- tigen spanischen Wortschwall, den die Übersetzerin zusammenfasste: Er entschuldige sich sehr für alles. Er habe Roberto immer wie einen eigenen Sohn sehr gerne gehabt und wolle in Kontakt zu ihm bleiben, er sei jederzeit für ihn da. «Ich akzeptiere die Entschuldigung, will aber keinen Kontakt mehr», konterte Roberto. Zwar gehen die Kosten zu Lasten des Staates, aber Richterin Gabriella Fehr freute sich sichtlich, einen Fall friedlich abschliessen zu können und keine Strafe verhängen zu müssen.

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