Baden
Stress in der Lehre gibts nicht nur im Theater

Die Theatergruppe Maralam hilft Lehrlingen, Lösungen zu finden, wenn es in der Ausbildung Schwierigkeiten gibt

Samuel Weissman
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Vorurteile, Rassismus, Ausländer und Integration. Darum geht es diese Woche im Theater «Rookie», was so viel wie Anfänger heisst. «Es ist wichtig, dass sich die Schüler mit solchen Themen auseinandersetzen», sagt Markus Büchi, Projektleiter und Lehrer an der Berufsschule im Martinsberg Baden.

In der Lehre gibt es viele Schülerinnen und Schüler mit Wurzeln in anderen Kulturen, allein im Saal wurden neun verschiedene Muttersprachen gezählt. Das Theater Maralam ist eine transkulturelle Theatergruppe und organisierte dieses Theater unter dem Thema «Verschiedene Nationalitäten im Lehrlingsalltag».

Das Publikum steuert den Verlauf

«Ich bin nur der Moderator. Das Publikum entscheidet, wie das Theater verläuft», sagt Regisseur Peter Braschler. Forumtheater sei eine interaktive Theaterform oder eine Art theatralische Diskussion. Das Publikum könne aktiv in das Bühnengeschehen eingreifen, sagt Braschler. Er startete eine Einführung mit den Schülern. Sie machten Koordinations- und Aufwärmübungen, bevor das Theater losging.

Zuerst wurde das Theater einmal durchgespielt. In einem zweiten Schritt waren die Berufsschüler an der Reihe. Sie wählten Szenen aus, die sie bearbeiten wollten, und konnten dann den Schauspielern sagen, was sie anders machen müssten, oder selber mitspielen. Das Theater war in drei Szenen eingeteilt: Schwierigkeiten während der Lehre, im Lehrbetrieb, in der Berufsschule und in der Freizeit.

Vor allem die Liebe zählt

Ein Lehrling namens Durim, gespielt von Dashmir Ristemi, verkörperte einen Ausländer, der mit Vorurteilen konfrontiert wird. Der Lehrer in der Schule beschuldigt ihn des Stehlens. Der Lehrmeister ist streng und unfair und mit seiner Freundin Alexandra hat er einfach Stress. Die Schüler im Publikum wollten die Beziehung von Durim und Alexandra, gespielt von Ivana Martinovic, retten. Dafür kamen sogar einige auf die Bühne und spielten ihre Version selbst. «Es braucht Mut, vor seine Mitschüler zu treten», sagt Regisseur Braschler.

Der Schluss ändert sich jedes Mal

«Es hat mir sehr gefallen», sagt Julio Arciniega, Coiffeurlehrling, der selbst in einer Szene mitspielte. Vor allem die Schauspieler fand er überzeugend. Larissa Feri, Köchin in Ausbildung, sagt: «Am Anfang war es interessant, aber danach, mit den vielen Besprechungen, fand ich es langweilig. Die Geschichte war zwar realistisch, aber zum Teil übertrieben.» Laut Braschler wollte man die Geschichte möglichst authentisch machen. «Wir haben alles an echten Beispielen recherchiert.» Je besser die Vorschläge aus dem Publikum, desto interessanter wird das Stück.

Für Markus Büchi war es spannend, zu sehen, wie sich das Theater am Schluss entwickelte. «Es ist jedes Mal etwas anders. Man weiss nie, was für Ideen die Schüler hervorbringen.»