Wohlenschwil

Streunende Hunde: Schaf zu Tode erschreckt, Huhn gerissen

Auf dieser Weide starb das trächtige Schaf. Jagdaufseher und Besitzer gehen von einem Schock des Tieres aus, weil ein Hund ein Reh über die Weide hetzte.

Auf dieser Weide starb das trächtige Schaf. Jagdaufseher und Besitzer gehen von einem Schock des Tieres aus, weil ein Hund ein Reh über die Weide hetzte.

Ein Schaf ist an einem Schock gestorben, ein Huhn wurde gerissen, Hundekot liegengeblieben: Solche Meldungen von Bauern und Bewohnern häufen sich in Wohlenschwil.

Der Fall wird wohl nie restlos geklärt: Eines nachts im vergangenen Dezember im Landwirtschafts-Gebiet Münzel in Wohlenschwil entdeckt ein unbeaufsichtigter freilaufender Hund ein Reh. Er jagt ihm nach, das Reh rennt auf eine Schafweide zu, der Hund schnappt es ein erstes Mal am Maschenzaun.

Das Reh befreit sich, rennt quer über die Weide. Am anderen Ende: wieder der Zaun, wieder schnappt der Hund zu, wieder entkommt das Reh.

Was dann geschieht, lässt sich nur erahnen. Denn mitten auf der Weide liegt am nächsten Tag ein trächtiges Schaf, es ist tot. Der Wohlenschwiler Jagdaufseher, Dino Grob entdeckt es zufälligerweise am frühen Morgen. «Ich fand zuerst Haarbüschel vom Reh bei den zwei Stellen, wo es über den beweglichen Zaun gesprungen ist», erzählt er. «Dann das Schaf. Da es keine Bisswunden oder sonstigen Spuren einer Attacke hatte, gehen wir davon aus, dass es wegen der Hundehetze einen Schock erlitten hat».

Beweisen lässt sich das nicht. «Für den Bauern lohnt sich eine Untersuchung beim Tierarzt kaum, weil sie sehr teuer ist und der Hundebesitzer dann doch nicht gefunden wird».

Die Aargauer Kantonstierärztin Erika Wunderlin sagt: «Es ist durchaus denkbar, dass das Schaf wegen eines Schocks einen Kreislaufkollaps erlitten hat.» Schafe seien sehr schreckhafte Tiere.

«Wenn das Schaf noch trächtig oder geschwächt war, kann es bei einem solchen Vorfall ums Leben kommen», sagt sie. Grob, der selber einen Hund hat, sagt: «Wenn ein Hund einmal so ein Jagderlebnis hatte, wird er immer wieder Jagen. Das bekommt man nicht mehr weg.»

Kot verunreinigt das Futter

Das tote Schaf ist nur eine von mehreren Meldungen. In Wohlenschwil sind derzeit 112 Hunde registriert. Doch weil Wohlenschwil ein schönes Naherholungsgebiet hat, kämen auch viele Hündeler aus den Nachbargemeinden, sagt Jost. Jetzt häufen sich Anrufe bei der Gemeinde wegen unbeaufsichtigten freilaufenden Hunden. Die Tiere verrichten ihr Geschäft auf den Weiden oder in Nachbars Garten. Einige Halter lassen das Häufchen einfach liegen. Das Problem: «Pflanzenfresser wie Kühe, Schafe oder Ziegen reagieren extrem sensibel auf den Kot von Fleischfressern», erklärt Wunderlin. «Die Tiere fressen das Gras oder Heu nicht mehr gerne, wenn es von Hundekot verunreinigt ist.» Wer die Häufchen liegen lässt, könnte eigentlich mit 100 Franken gebüsst werden. Das kommt aber praktisch nie vor, weil die Polizei die Schuldigen auf frischer Tat ertappen müsste. «Deshalb ist die Sensibilisierung der Hundebesitzer das beste Mittel», sagt Wunderlin.

Der Kot ist nicht das Einzige, das die Leute nervt. Anfang Januar schnappte sich ein Hund ein Huhn. Es hat die Attacke nicht überlebt. «In diesem Fall hat die Hundebesitzerin das Huhn bezahlt und es tat ihr auch leid», sagt der Wohlenschwiler Gemeindeschreiber Markus Jost. Er betont, dass «die allermeisten Hundebesitzer sich korrekt verhalten, die Tiere an der Leine halten und die Häufchen wegmachen».

Das bestätigt auch Jagdaufseher Grob. «Es handelt sich um Einzelfälle von Hundebesitzern, die vor allem nachts die Tiere frei laufen lassen, weil sie denken, dann störe es niemanden». Grob ist viel in der Nacht unterwegs. «Dass die Hunde nachtaktive Tiere jagen, geht schnell vergessen.»

Dabei seien inzwischen nebst Füchsen oder Hasen sogar die Rehe nachtaktiv, weil sie tagsüber zu sehr von den Menschen gestört werden. Er hofft, dass sich wenigstens vom 1. April bis 31. Juli alle an die Regeln halten. In diesen Monaten gilt die Leinenpflicht im Wald und an den Waldrändern, weil die Wildtiere ihre Jungen aufziehen.

Die Leute sind genervt. «Ein Mann drohte sogar, selber seine Waffe zur Hand zu nehmen». Das sei natürlich eine Aussage aus dem Wutbauch heraus und nicht ernst gemeint, entschärft Jost die Worte.

Trotzdem kann er die Leute verstehen. «Ich denke, gerade auch an Mütter mit Kinderwagen. Es ist nur verständlich, dass sie Angst haben, wenn ein unbeaufsichtigter freilaufender Hund in die Nähe des Kindes kommt.» Jost hofft, dass Hundebesitzer und Leute ohne Hunde wieder besser auf einander Rücksicht nehmen.

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