Sara Herzog steht vor der vierten Klasse der Primarschule und erklärt mit ruhiger Stimme eine Mathematikaufgabe aus dem Zahlenbuch. Sie lässt den Kindern Zeit und wartet, bis mehrere Schüler ihre Finger in die Höhe strecken. Hat die Klasse die Aufgabe gelöst, setzen sich die Schüler zu zweit hin, um gemeinsam die nächsten Übungen zu lösen. Diese Zeit nutzt Sara Herzog, um einige Worte mit Patrick Übersax zu wechseln, der in einer Ecke sitzt und der jungen Lehrerin während der Stunden zuschaut. Herzog ist Studentin an der Pädagogischen Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) und Praktikantin an der Primarschule, Patrick Übersax ist ihr Praxislehrer, unterrichtet normalerweise die vierte Klasse und unterstützt die Studentin.

Sara Herzog über die Partnerschaft mit der Fachhochschule Nordwestschweiz

Sara Herzog über die Partnerschaft mit der Fachhochschule Nordwestschweiz

Pro Stufe eine Partnerschule

Sara Herzog ist eine der Studierenden, die an einem Pilotprojekt der Pädagogischen Hochschule teilnehmen. Die PH FHNW hat sich pro Schulstufe mit einer Partnerschule zusammengeschlossen. Insgesamt zehn Studentinnen sind deshalb im Laufe ihres Studiums immer wieder an der Primarschule Untersiggenthal. «Anders als in den klassischen Praktika während der Lehrerausbildung lernen diese Studierenden eine Schule und deren Kinder gut kennen. Sie werden je länger, je mehr zu einem festen Teil des Lehrerteams und können Mitverantwortung übernehmen», sagt Stefan Scherer, Leiter Berufspraktische Studien Primarstufe an der PH FHNW.

Alle Studierenden, die nicht am Pilotprojekt teilnehmen, sammeln die Arbeitserfahrungen an verschiedenen Schulen. «In der Ausbildung zur Lehrperson war das Theorie-Praxis-Verhältnis schon immer ein Thema, auch in diesem Projekt ist es eines», sagt Scherer. «Die Studierenden schauen oft darauf, dass sie als Lehrende methodisch nichts falsch machen, dabei sollten sie mehr auf das Lernen der Kinder schauen und sie unterstützen.» Die Projektleitung erhofft sich eine intensive Auseinandersetzung der Studenten mit dem Beruf und den Sozialisationsbedingungen einer Volksschule.

Christoph Siebenhaar ist Praxislehrer und Leiter des Projekts aufseiten der Primarschule. «Weil die Praktikantinnen immer an derselben Schule sind, können wir sie in die Semester- und Jahresplanung einbeziehen», sagt er. «Sie können auch an Elterngesprächen teilnehmen.» Das Projekt läuft in Untersiggenthal seit Frühling 2012. Herzog studiert im dritten Semester. Zurzeit läuft ihr zweites Praktikum in der Klasse von Patrick Übersax. «Es sind immer zwei Studentinnen pro Klasse anwesend», sagt Übersax. «So können sie verschiedene Formen des Unterrichts ausprobieren – zu zweit unterrichten, oder eine unterrichtet und die andere beobachtet und gibt ihrer Kollegin dann Rückmeldung.» Übersax achtet darauf, zwischendurch die jungen Frauen auch einzelne Stunden mit den Schülern alleine zu lassen.

Lektionen alleine planen

Sara Herzog ist sich sicher, dass sie vom Pilotprojekt profitiert. «Ich kann einige Stunden alleine planen und sie vor der Lektion mit der Praxislehrperson besprechen.» Sie müsse etwas flexibler sein und ab und zu auch einen Ferientag für die Semesterplanung einsetzen, aber: «Wenn ich stets an die Schule zurückkehren kann, muss ich mich nicht immer wieder neu einleben und kann eine Beziehung zu den Schülern aufbauen.»