«Burglind»
Sturm hinterliess im Bezirk Baden weniger Schäden als im restlichen Kanton – das ist kein Zufall

Vor gut zwei Wochen zog Sturmtief Burglind über die Schweiz, und die tiefe Anzahl Einsätze der Feuerwehren liessen darauf schliessen, dass der Bezirk verhältnismässig glimpflich davon kam.

Pirmin Kramer
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Sturm Burglind: Der Bezirk Baden kam glimpflich davon. Auf dem Foto ein umgeknickter Baum in Leibstadt im Bezirk Zurzach. Sandra Ardizzone

Sturm Burglind: Der Bezirk Baden kam glimpflich davon. Auf dem Foto ein umgeknickter Baum in Leibstadt im Bezirk Zurzach. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

In Baden beispielsweise musste die Stützpunktfeuerwehr nur einmal ausrücken. Inzwischen haben auch die Forstbetriebe ihre Wälder begutachtet, und ihre Erkenntnisse bestätigen, dass der Sturm in der Region weniger Schäden verursachte als in anderen Gegenden des Kantons Aargau.

Sturm Burglind im Aargau
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Am Kirschgartenweg in Aarau ist ein Baum umgestürzt.
Beim Eisfeld Brugg hat dieses Gebäude unter dem Sturm gelitten.
Im Aargau hat der Sturm Burglind Spuren hinterlassen.
So schlimme Schäden, wie Lothar verursacht hatte, gibt es aber nicht. (Archivbild)

Sturm Burglind im Aargau

Peter Rippstein

Markus Byland vom Forstbetrieb Wettingen, der auch für die Wälder in Neuenhof und Würenlos zuständig ist, sagt: «Wir hatten Glück, die Schäden hielten sich in Grenzen.» Das Schadensvolumen beträgt rund 400 Kubikmeter, was fünf Prozent der jährlichen Nutzung entspricht. Zum Vergleich: Kantonsweit fällte der Sturm gemäss einer Schätzung des Kantons zwischen 25 und 40 Prozent des Holzes, das im ganzen Jahr geschlagen werden sollte.

Tiefer Anteil an Nadelbäumen

Dass der Sturm hier weniger kräftig wehte, sei zweifellos der Hauptgrund für die tiefen Schäden. Dies allein reiche als Erklärung aber nicht aus, ist Byland sicher. «Im Vergleich beispielsweise zur Region Zofingen, die viele Sturmschäden zu beklagen hatte, ist in unseren Wäldern der Laubholzanteil deutlich höher und der Nadelholzanteil tiefer.» Nadelbäume wie Fichten gehörten zu den Flachwurzlern, seien also weniger robust als beispielsweise Laubbäume wie Eichen. Hinzu komme, dass Laubbäume dem Wind weniger Angriffsfläche bieten, weil sie im Winter keine Blätter tragen. «In unserer Region warf Sturm Lothar 1999 viel Nadelholz, seither haben wir den Anteil dieser Bäume verringert. Auch aus diesem Grund hinterliess ‹Burglind› in Wettingen, Würenlos und Neuenhof weniger Schäden als im Westaargau.»

So wütete «Burglind» im Aargau: Bei Oftringen Foto: Natacha Lauber-Meyer
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In Mülligen Foto: Gabriella Tschupp
In Strengelbach Foto: Sabrina Hanhart
In Full-Reuenthal hat "Burglind" die Linde beim Schulhaus gefällt. Sie galt hier als ein Wahrzeichen. Foto: René Kälin
In Full-Reuenthal hat "Burglind" die Linde beim Schulhaus gefällt. Sie galt hier als ein Wahrzeichen. Foto: René Kälin
Bei Oftringen Foto: Natacha Lauber-Meyer
Burglind im Aargau – Leserfotos
Bei Rothrist Foto: Sabrina Hanhart
Im Garten der Leserin in Rheinfelden Foto: Jacky von Allmen
Beim Schachen in Aarau Foto: Rena Fischer
In Bremgarten Foto: Lukas Scherrer
Bei Brugg im Wildischachen Foto: Sibylle Weber
Bei Birsfelden Foto: Rita Beier
Bei Aarau Foto: Michelle Boss-Martin
Bei Mülligen Foto: Monika Brunner
Bei Aarau Foto: Michelle Boss-Martin
Bei Rothrist Foto: Sabrina Hanhart
Aarau, Goldernwald Foto: Alexandra Brunner
Bei Buchs Foto: Christine Haefliger-Meyer
Bei Aarau Foto: Michelle Boss-Martin
Bei Aarau Foto: Michelle Boss-Martin
Schlatt, Seengen Foto: Jeannine Galliker
Aufräumarbeiten Foto: Michaela Genkinger
Bei Seengen Foto: Jeanninge Galliker
Bei Buchs Foto: Christine Haefliger-Meyer
Im Garten der Leserin in Rheinfelden Foto: Jacky von Allmen
Schöftland, neben dem Bahnhof Foto: Jasmin Nathalie Bachmann
Schlattwald in Seengen Foto: Jeannine Galliker
Schlosspark Hallwyl Foto: Caroline Gnehm
Aarau, Goldernwald Foto: Alexandra Brunner
Bei Buchs Foto: Christine Haefliger-Meyer
Aarau, Goldernwald Foto: Alexandra Brunner
Aarau, Goldernwald Foto: Alexandra Brunner
Wald bei Kölliken Foto: Anneliese Thut
Bei Kölliken Foto: Anneliese Thut
In Schöftland Foto: Alexandra Estudo Koller

So wütete «Burglind» im Aargau: Bei Oftringen Foto: Natacha Lauber-Meyer

Zur Verfügung gestellt

Badens Stadtoberförsterin Sarah Niedermann berichtet von rund 300 Kubikmetern Bäumen, die umgeworfen wurden. Auch sie bezeichnet den Schaden als verhältnismässig gering, es handelt sich mehrheitlich um Streuschäden. Anders als beispielsweise «Lothar» verwüstete «Burglind» also keine grossen, zusammenhängenden Flächen, sondern fällte über die Waldgebiete verteilt einzelne Bäume. Auch Niedermann erwähnt Sturm Lothar: «Er beschädigte grosse Flächen. Die Bestände an diesen Stellen sind noch jung, gleichzeitig haben wir auf diesen Flächen einen Laubmischwald, der Stürmen besser trotzt als reines Nadelholz.»

Eine Schadholzmenge, die im kantonalen Durchschnitt und somit höher als in Baden oder Wettingen liegt, verzeichnet das Forstrevier Siggenberg. Rund 20 bis 25 Prozent der jährlichen Schlagmenge fielen «Burglind» in Obersiggenthal, Untersiggenthal und Freienwil zum Opfer. Doch auch Revierförster Daniel Hitz sagt: «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.»

Meteorologen kündigten für die Nacht auf heute Dienstag Wintersturm «Evi» an, für das Flachland wurden Böen mit bis zu 90 km/h erwartet. «Burglind» war deutlich stärker, dennoch könnten wieder Äste oder schwache Bäume brechen, erklärten Meteorologen.