Fislisbach

Subaru-Garage Peterhans macht nach 70 Jahren dicht: «Wir sind weder todkrank noch konkurs»

Die bekannte Garage in Fislisbach schliesst ihre Tore. Die Brüder Peterhans hören auf, das Inventar wird liquidiert.

Noch vor wenigen Wochen standen in der Halle der Peterhans-Garage an der Badenerstrasse in Fislisbach ausschliesslich Fahrzeuge der Marke Subaru. Nun stehen in der ziemlich leer wirkenden Halle eine schwarze Corvette und ein silberner Mercedes , aber auch ein geschmückter Christbaum und ein Blech-Löwe, gefertigt aus lauter Autoteilen: «Wenn ihn jemand für 3400 Franken kaufen will, dann kann er ihn gerne haben, ansonsten behalte ich ihn selbst», sagt der 64-jährige Rolf Peterhans lachend.

Aber so richtig fröhlich ist dem Fislisbacher nicht zumute, ist doch Ende November ein langes Kapitel im Leben der Familie Peterhans zu Ende gegangen: Rolf und sein 61-jähriger Bruder Arthur Peterhans haben ihre Garage aufgegeben, rund 70 Jahre nachdem einst Vater Hans das Lebenswerk gestartet hatte. Die Liegenschaft wurde verkauft.

Am Freitag findet die Liquidation statt, bei der Werkzeuge, Maschinen, Lifte und anderes verkauft oder versteigert werden. Der 6. Dezember setzt damit einen endgültigen Schlusspunkt: «Diese Woche wird unsere Entscheidung nun auch in der Realität spürbar», sagt Rolf Peterhans. Und das hinterlasse sehr gemischte Gefühle bei ihm.

Ein Video des Liquidators zeigt die Werkstatt:

«Wir sind aber weder todkrank noch haben wir Konkurs gemacht», räumt er Gerüchte aus dem Weg, die im Dorf die Runde machten, seit sie ihren Entschluss kommuniziert hatten. Dieser stand bereits im Jahr 2018 fest und bereits da informierten sie die rund 1000 festen Kunden – «so viele wie noch nie» – zum ersten Mal über diesen Schritt.

Für eine zweite Automarke  reichte es nicht

Einen Schritt, den sich die beiden Brüder aber nicht einfach gemacht haben. Der etwas jüngere Arthur Peterhans hätte gar gerne weitergemacht, aber nicht alleine. Für Rolf hingegen war klar, dass er aufhören will: «Nach 48 Jahren und sechs Arbeitstagen pro Woche wünschte ich mir mehr Freizeit», sagt er.

Deshalb hätten sie sich bereits 2017 Überlegungen gemacht, wie es mit ihrer Garage weitergehen soll. Sie hatten damals einen Teil der Einrichtung von der Grandag Garage in Windisch übernommen, die 2017 in Konkurs gegangen war. «Zudem überlegten wir uns, ob wir noch eine weitere Marke hinzunehmen sollen.»

Dabei wäre Toyota eine Option gewesen, «doch dafür hätten wir wieder viel Geld in die Hand nehmen müssen und nach diversen Abklärungen entschieden wir uns dazu, dass wir das nicht mehr tragen wollen.» Also hätten sie sich nach einer Nachfolge für die Werkstatt, den Verkaufsraum, die Malerei und Carrosserie umgeschaut.

Es habe viele Interessenten gehabt: «Doch diese hätten zwischen einer halben und einer Million Franken Sicherheiten mitbringen sollen, und ein solches Polster konnte niemand vorweisen», so Peterhans.

Sie hätten auch gespürt, dass keinem wirklich bewusst gewesen sei, was es bedeute, eine Autogarage zu führen: «Die Autos müssen angekauft werden, Ersatzteile, Löhne, Mehrwertsteuer und vieles mehr bezahlt werden. Das geht kaum ohne genügend Rücklagen.» Zudem komme jetzt die grüne Welle, die ebenfalls Investitionen nach sich ziehen werde, sind die Brüder überzeugt.

Auch die beiden Söhne von Rolf kamen nicht infrage, sie waren nicht an einer Selbstständigkeit interessiert. So war es auch nicht möglich, dass die Garage weitervererbt wurde, so wie dies noch mit den Brüdern Peterhans, dem ältesten, Heinz, der inzwischen pensioniert ist, und mit Rolf und Arthur der Fall war.

Vater Hans hatte sein Unternehmen einst als Spenglerei und Malerei für alle Automarken gegründet, mit dem Einstieg von Rolf Peterhans folgte dann das Autohaus. Die ersten Jahre verkauften sie auch noch Rover, Jeep und Chrysler, doch später konzentrierten sie sich nur noch auf Subaru. «Wir hatten immer gute Verkaufszahlen, bis zum Schluss», sagt Peterhans nicht ohne Stolz.

Die letzten Weihnachtswünsche an die Kunden

Und so hatten vor allem auch die Kunden keine Freude daran, als sie erfuhren, dass Peterhans aufhört. «Das wird der schwierigste Teil», sagt dieser, «die Kunden, die ich über die Jahre kennen lernen durfte, die auch in der zweiten und dritten Generation noch zu uns kamen, die Freundschaften, die entstanden sind, das werde ich ganz sicher am meisten vermissen.»

Noch einmal haben er und sein Bruder mit einem Weihnachtsbrief die Kunden informiert, mit guten Wünschen, Dankesworten – und Vorschlägen, an welche Autogaragen in der Region sie sich neu wenden können.

Doch nicht nur die Kunden verlieren ihren Garagisten, zwölf Angestellte auch ihren Arbeitsplatz. Die Brüder Peterhans hatten diese aber ebenfalls früh informiert und kamen ihnen entgegen: So gaben sie ihnen mehr Lohn, solange sie bis mindestens Juni 2019 blieben, und die zwei 62-jährigen Damen in der Administration stehen bis Mai 2020 auf der Gehaltsliste.

In der Zwischenzeit haben alle anderen Angestellten eine neue Stelle gefunden. Der Fislisbacher Rolf Peterhans gibt aber nicht nur ein Stück Familiengeschichte auf, sondern zieht gleich ganz weg aus dem Dorf. Er und seine Frau haben ein Haus in Unterlunkhofen gekauft: «Nach so vielen Jahren brauche ich mal Distanz vom Dorf», sagt er mit einem Augenzwinkern. Aber erst einmal will er hier alles abschliessen. Bis im März 2020 soll alles geregelt sein und die Übergabe erfolgen.

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