Drei Politiker kämpfen in Obersiggenthal um das Amt des Gemeindeammanns: Das gilt nach wie vor, auch nach dem Wahlsonntag – keiner der drei Kandidaten hat das absolute Mehr erreicht.

Am meisten Stimmen hat Dieter Martin erhalten. «Ich bin sehr zufrieden», sagt er. Er sei bisher nicht im Gemeinderat vertreten gewesen; nun gleich am meisten Stimmen zu erhalten, sei sehr erfreulich. «Das zweitbeste Szenario ist eingetreten, besser wäre nur die Wahl im 1. Wahlgang gewesen.»

Möglicherweise habe er von einem «Mann-Bonus» profitiert, wie er es nennt. «Obersiggenthal ist eine eher konservative Gemeinde.»

Diskussionen um Männer-Vorteil

Zur Frage, ob Männer in Obersiggenthal bei Wahlen einen Bonus geniessen, äusserte sich auch die zweitplatzierte Marie-Louise Nussbaumer (SP). Dass sie mehr Stimmen erhalten habe als die Kandidatin der wählerstärkeren CVP, sei zwar erfreulich.

Sie zeigte sich insgesamt aber überrascht vom Ergebnis. «Frauen in ländlichen Gemeinden wie Obersiggenthal haben es in Kampfwahlen für Führungspositionen schwer.

Als amtierende Gemeinderätin und erfahrene Grossrätin, die sich seit vielen Jahren fürs Dorf einsetzt, müsste ich eigentlich besser abschneiden.»

Bei der Analyse des Wahlergebnisses komme sie zu einem weiteren Schluss: Die Taktik der FDP sei dank der Unterstützung der SVP aufgegangen. Die SVP hatte vor den Wahlen erklärt, bei den Gemeindeammann-Wahlen Dieter Martin zu unterstützen.

Ob sie im zweiten Wahlgang wieder antrete, sei noch ungewiss, sagt Nussbaumer. «Der Entscheid hängt davon ab, ob die Partei meine Wahlchancen als intakt erachtet und auch davon, wie die CVP sich zu verhalten gedenkt.»

Zur Frage, ob sie im zweiten Wahlgang wieder antrete, wollte sich auch Therese Schneider (CVP) noch nicht äussern. «Es werden entsprechende Gespräche mit unserer Partei stattfinden», sagte sie.

Sie sei nicht zufrieden mit dem Ergebnis bei der Gemeindeammannwahl, erklärte sie. «Einen Grund dafür sehe ich darin, dass sämtliche Mitte-Rechts-Stimmen an Dieter Martin gingen.» Erfreulich sei hingegen ihr gutes Resultat bei der Gemeinderatswahl. «Ich habe über die Parteigrenzen hinweg Stimmen erhalten und mein Engagement wird seitens des Stimmvolkes geschätzt.»

Gemeinderat: Toller Tag für Egger

Im Gemeinderat wurden Nachfolger für die abtretenden Max Läng (CVP) und Hansruedi Hess (BDP) gesucht. Den Einzug um mehr als 500 Stimmen verpasst hat Ursula Haag (SVP). «Dass ich die Wahl nicht schaffen würde, war zu erwarten. Zwei Männer mussten ersetzt werden, zwei Männer sind an ihrer Stelle gewählt worden.» Es sei leider eindeutig so, dass man als Frau in dieser Gemeinde einen schwereren Stand habe.

Weil zwei Männer und vier Frauen zur Gemeinderatswahl antraten, hätten Männer vielleicht einen ganz kleinen Vorteil gehabt, sagte Linus Egger, der neben Dieter Martin (FDP) neu den Sprung in den Gemeinderat schaffte. «Ausschlaggebend für meine Wahl war aber mein Leistungsausweis», stellt er klar.

Er sei gut verwurzelt in der Gemeinde, als Einwohnerrat sehr bekannt. Sowohl 2009 als auch am Sonntag habe er das beste Resultat aller Einwohnerräte erzielt.

Dass Egger von einem «wundervollen Tag» spricht, hat aber nicht nur mit den Wahlen zu tun: Am Sonntag wurde er zum dritten Mal Grossvater, die kleine Laura sei gesund und wohlauf, sagt er. «Das ist für mich die mit Abstand wichtigste Nachricht des Tages.»