Neuenhof
Suchtklinik Neuenhof: Freiwillig in der Drogenentzugsklinik

Eine geregelte Tagesstruktur und die passende Betreuung helfen Patienten, aus dem Teufelskreis der Drogen auszubrechen. Die meisten Bewohner sind freiwillig in der Suchtklinik Neuenhof.

Din Badara Ndiaye
Drucken
Teilen
Klinikleiter Maurizio Reppucci (r.) und Bereichsleiter Christian Kalt. CV

Klinikleiter Maurizio Reppucci (r.) und Bereichsleiter Christian Kalt. CV

Er wartet auf seine Gerichtsverhandlung Ende August. Der junge Mann, dessen Namen hier nicht genannt wird, konsumiert seit seinem 14. Lebensjahr Cannabis. Rasch ist er auch mit Heroin und Koka in Berührung gekommen. Seither findet er nicht aus dem Teufelskreis heraus. «Ich war schon zwei, drei Mal im Gefängnis. Dort habe ich keine Drogen genommen.» Nach dem Austritt sei er bald wieder rückfällig geworden. In der Suchtklinik Neuenhof könnte sich das ändern.

Strenges Auswahlverfahren

«Wir lassen nicht einfach jeden Drogensüchtigen in unsere Klinik», sagt Klinikleiter Maurizio Reppucci. In einem Einzelgespräch werden allfällige Eintritte besprochen. «Nur wer wirklich motiviert ist, die Entzugstherapie durchzuziehen, wird angenommen», erklärt Reppucci.

«Die Abbruchquote beträgt rund 13 Prozent», sagt der Bereichsleiter Therapie Christian Kalt. So würden Interessenten mit «Nullbockstimmung» oder akuten Psychosen grundsätzlich abgewiesen. Der Dritte im Bunde ist Arzt und medizinischer Leiter der Klinik Peter Ackle. Die Arbeitspädagogik arbeitet Hand in Hand mit der Medizin. Regelmässig findet ein gemeinsamer Rapport der Betreuungspersonen statt. «Ein klar strukturierter Tagesablauf ist sehr wichtig für unsere Patienten», sagt Christian Kalt. Telefonieren sei nur zu bestimmten Zeiten erlaubt, in der ersten Phase herrsche gar Telefonverbot.

«Drogenkonsum und Verstösse gegen die Hausregeln sind strikt verboten», sagt Kalt. Sollte ein Patient dennoch konsumieren, werde er sofort rausgeschmissen. «Wir führen in der Klinik Urintests durch, filzen die Bewohner und beobachten ihr Verhalten», fügt er an. Besucher dürfen erst ab der dritten Woche zu ihren Angehörigen. Die meisten Bewohner sind freiwillig hier. Ein Entzugsprogramm kostet pro Tag und Person 580 Franken. «Das klingt nach viel Geld. Unterkunft, Essen, Therapie und Medikamente inklusive. Das ist nicht zu unterschätzen.»

Es kann jeden treffen

Wie kommt es überhaupt so weit? Die Gründe sind unterschiedlicher Herkunft. Auch bei Personen aus «gutem Hause» höre man oft von Abstürzenden. Sich aus Einsamkeit in Drogen zu flüchten sei eine häufige Ursache. Beim jungen Mann Einstiegsgeschichte war es jedenfalls so. «Mein Vater ist gestorben und zum Rest der Familie habe ich sporadisch Kontakt», erzählt er. Die Freunde – oder eben nicht Freunde – sind von «der Gass». «Eigentlich ist niemand richtig für einen da.»

Das mache einen hoffnungslos. Hier in der Klinik haben sich seine Gewohnheiten geändert. «Ich fühle mich schon viel besser», stellt er fest. Er habe erneut Freude am Sport und am Essen. «Hier komme ich nicht auf dumme Gedanken», fügt er an. Nach dem Vollzug – oder einer Therapie – wolle er wieder zurück zu seiner Freundin und in seine eigene Wohnung.

Aktuelle Nachrichten