Spätestens seit der Hit von Luis Fonsi «Despacito» in den Schweizer Radios rauf und runter lief, ist klar — spanische Musik ist auch in der Schweiz beliebt. In Badens Nachtleben finden immer mehr Partys statt, die mit lateinamerikanischen Beats werben. Das Nordportal führt seit Oktober 2017 regelmässig die Party «Movimiento» (zu Deutsch: Bewegung) durch. Und im Löschwasserbecken legt seit diesem Jahr einmal im Monat an der «Loca» (zu Deutsch: verrückt) ein DJ Reggaeton-Beats auf.

Was ist Reggaeton eigentlich? «Reggaeton ist eine Musikrichtung, die sich aufbauend auf Reggae, Hip-Hop, Merengue, lateinamerikanischen Musikrichtungen und elektronischer Tanzmusik entwickelt hat», lautet die Definition gemäss Wikipedia. Die Lieder sind im Vier-Viertel-Takt gehalten, thematisiert werden in den Texten auf Spanisch meist Liebe, Tanzen und — Sex. Dies manchmal unterschwellig doppeldeutig oder sehr direkt.

Grössere Tanzfläche gefordert

Dass die eingängigen Beats gut beim Tanzpublikum ankommen, kann Dano Dreyer, Inhaber des LWBs bestätigten: «Das Publikum, das an die ‹Loca›-Party kommt, ist hier, um zu tanzen. Da steht niemand an der Bar und schwatzt, alle sind auf der Tanzfläche.» Dem zustimmen kann Rebecca Hunziker, Barchefin der Mojo Bar. Sie organisiert die Latin Night, die zweimal im Monat stattfindet. «Wir sind eigentlich eine Bar, aber bei der Latin Night wird immer getanzt, wir mussten schon die Lounge umstellen, damit die Tanzfläche grösser wird.»

Getanzt wird auch im Joy Club. Der hauseigene Club des Grand Casino Badens führt seit 2013 jeden Sonntagabend das Salsa Spektakel durch. Im Gegensatz zum LWB, Nordportal und Mojo werden im Joy Club Paartänze wie Salsa, Bachata oder Cha Cha getanzt. Salsa existiert schon weitaus länger als Reggaeton: Die Ursprünge des Paartanzes reichen bis ins 17. Jahrhunderts zurück. Auch dieses Konzept funktioniert in Baden: Wie das Marketing des Grand Casinos Baden mitteilt, ist die Veranstaltung seit Beginn sehr beliebt und die Besucherzahlen sind konstant.

Auch Maik Strassl, Mitorganisator der Partyreihe «Movimiento» im Nordportal ist zufrieden: «Wir haben ein Publikum, dass sonst nicht unbedingt im Nordportal ist. Der Altersdurschnitt liegt mit 25 Jahren höher, als bei anderen Partys. Auch mit rund 700 Besuchern pro Anlass liegen wir im oberen Bereich.» Ähnlich tönt es beim LWB und beim Mojo: Andere Gäste als sonst, tanzfreudiges Publikum, sehr gut besucht. Das Publikum ist nicht nur ein anderes als sonst, auch die Zusammensetzung unterscheidet sich: «Wir haben an der ‹Loca› einen höhren Frauenanteil als bei anderen Partys», sagt Dano Dreyer vom LWB.

Nicht alle freut der Erfolg gleich

Rebecca Hunziker von der Mojo Bar sorgt sich wegen der zunehmenden Konkurrenz: «Wir veranstalten die Latin Night schon mehrere Jahre und waren sehr lange die Einzigen in Baden mit diesem Format. Klar machen wir uns Gedanken, dass wenn das Angebot an Latino-Partys steigt, weniger Leute zu uns kommen.» Aber sie bleibe optimistisch, am vergangenen Samstag feierte die Mojo Bar das 8-Jahr-Jubiläum der Latin Night.

Die Frage, ob Latino-Partys ein Trend sind, bejaht Maik Strassl nur zögerlich: «Wir waren einer der ersten Clubs in Baden, die Reggaeton-Partys veranstalteten. Aber andere zogen nach. Ja, mittlerweile kann man es schon als Trend bezeichnen.» Für Dano Dreyer ist klar: «Momentan laufen Reggaeton-Partys sehr gut. So funktioniert das im Nachtleben, Formate laufen ein, zwei Jahre super, dann kann die Nachfrage abnehmen. Momentan sind Reggaeton-Partys im Trend, aber die Partyszene ist sehr schnelllebig.»