Baden

Suizid von Kantischülern: Jetzt nimmt eine betroffene Familie Stellung

Selbstmord: Um sie zu verhindern, braucht es für Jugendliche niederschwellige Angebote und Beratung

Selbstmord: Um sie zu verhindern, braucht es für Jugendliche niederschwellige Angebote und Beratung

Vor einer Woche erschien in der az der Artikel «Suizide passieren in der Regel nicht aus heiterem Himmel», nachdem sich innert kurzer Zeit zwei Jugendliche das Leben genommen hatten. Nun nimmt eine der betroffenen Familien Stellung.

In Baden haben sich zwei Jugendliche im Kantischulalter vor Wochen das Leben genommen. Psychologen stellen fest, dass 10 Prozent der Jugendlichen unter psychischen Problemen leiden und ihnen Auffangnetze in Familien, Beruf oder Schule fehlen. Jetzt nimmt eine der betroffenen Familien Stellung. Die Stellungsnahme im Wortlaut:

«Es ist schon schlimm genug, seine Tochter oder seine Schwester durch Suizid oder allgemein durch einen Todesfall zu verlieren. Doch, es muss nicht immer an familiären Problemen liegen, weshalb sich heutzutage immer mehr junge Personen das Leben nehmen. In der Schule wurde das Problem zwar gesehen, doch auch wenn eine Schülerin eine psychologische Beratung aufsucht, heisst dies nicht, dass diese Person von den Problemen befreit wird. Psychologen können sicher vielen Menschen helfen aus einer Krise zu kommen, doch leider auch nicht allen. Bei diesen Fällen sind es dann immer schlimme Schicksale. Schicksale, welche bei den Hinterbliebenen oft das ganze Leben verändern. Klar fragt man sich, was man falsch oder anders hätte machen können. Doch Vorwürfe darf man sich keine machen.

Entgegen der Aussage der beiden Psychologen («Suizide passieren in der Regel nicht aus heiterem Himmel») sieht man als Nahestehender oft die Zeichen nicht.

Dies vor allem, weil man auf solche Situationen nicht geschult ist. Hier wäre eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen den Psychologen und den Eltern sinnvoll, auch wenn die hilfesuchende Person dies nicht wünscht, da sie zum Beispiel bereits volljährig ist. Manchmal muss man einfach einen anderen Weg einschlagen, um grössere Schäden zu vermeiden.

Suizidgefährdete lassen ihre Gefühle bei nahestehenden Personen oft nicht zu oder ziehen sich zurück, ohne dass man sich Gedanken darüber macht.

Das ganze Thema ist leider immer noch sehr im Hintergrund, weshalb auch heute noch viele Menschen nicht wissen, wie sie mit Personen, welche einen Suizidfall in der Familie erlebt haben, umgehen sollen.

Es wäre nun an der Zeit, die ganze Sache zu thematisieren und zu diskutieren.

Personen, welche sich überlegen, den Freitod zu wählen, lassen dies den Angehörigen oft nicht wissen und lassen sich gegen Aussen nichts anmerken.

Man kann deshalb nicht sagen, dass man als Familie die Zeichen hätte sehen sollen. Dafür braucht es fachkundige Personen, welche sich der Sache annehmen und eventuell gemeinsam versuchen, einen guten Weg zu finden.

Abschliessend kann man hier noch betonen, dass die Schweiz, trotz des grossen Wohlstandes, eines der Länder mit den höchsten Suizidraten ist.

Man fragt sich auch hier, was macht die Gesellschaft, dass es immer noch so viele tragische Schicksale gibt?

Müssen wir einfach damit leben, oder werden wir uns verändern, damit solche Einzelfälle sich reduzieren?

Oder braucht es einfach mehr fachkundige Beratung? Aber warum gibt es dann auch Suizidfälle von Personen, die sich in Behandlung befinden?» (zvg)

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