Die Berichterstattung über Suizid ist in den Medien ein Tabuthema. Seit je will man damit verhindern, dass es Nachahmer gibt. Wie heikel dieses Thema ist, war gestern Vormittag bei einem Medienanlass der Stadt Baden und des Kantons deutlich herauszuhören.

Man sei sich durchaus bewusst, dass man mit dem Thema Suiziden sehr sensibel umgehen muss. Dennoch wolle man in diesem Fall eine Ausnahme machen und die Öffentlichkeit informieren, sagte Stadtammann Geri Müller. «Denn in diesem Fall geht es um die Prävention von Suiziden und damit verbunden um eine bauliche Massnahme, die für die Öffentlichkeit sichtbar ist und Fragen aufwerfen kann.»

Konkret will man Selbsttötungsversuche bei der Hochbrücke zwischen Baden und Wettingen verhindern. 2013 stufte das Bundesamt für Strassen (Astra) die Brücke als Hotspot für Suizide ein. 

Zwischen 1999 und 2013 verzeichnete man an der Hochbrücke sieben Suizide und zwei Versuche. Die Stadt Baden und der Kanton haben deshalb in einem Wettbewerb geeignete Präventionsmassnahmen ermittelt. Fünf Strassenbetriebe arbeiteten jeweils eine Lösung aus.

Diese Woche nun bringen Handwerker ein zusätzliches Geländer an der Aussenseite des bestehenden Geländers an. Es soll künftig spontane Suizide verhindern. Das neue Geländer ist allerdings auffällig unauffällig.

Am Mittwoch wurden die Lamellen angeschraubt.

Am Mittwoch wurden die Lamellen angeschraubt.

Auf der gesamten Länge der Hochbrücke besteht es lediglich aus zwei Querstangen. Wer sich nicht achtet, dem fallen sie womöglich gar nicht auf. Im Gegensatz zu Netzen oder Gittern, zielt diese Vorrichtung auf eine rein optische und psychologische Wirkung.

«Der Blick nach unten auf die Limmat verliert seine Sogwirkung», sagt Urs Hepp, Chefarzt bei den Psychiatrischen Diensten Aargau AG. So verhindere man spontane Suizide. Dass solche einfachen Vorkehrungen wirken, zeige sich im Kantonsspital Baden: Auch hier wurden Querstangen vor die Fenster montiert und seither gab es keine Selbstmordversuche mehr.

Die Suizidprävention bei der Hochbrücke sei schweizweit ein Pilotprojekt, sagt Hepp, und man werde in den kommenden Jahren die Wirkung auswerten. 240 000 Franken kostete der Bau. 144 000 Franken übernimmt die Stadt Baden; der Kanton finanziert den Rest.

Krisen-Suizid verhindern

«Wir müssen uns in der Stadt bewusst sein, dass es trotzdem noch Suizide geben wird», sagte Müller. Doch Ziel sei es, mit allen Mitteln, die man beeinflussen könne, die Menschen vor der Erwägung einer Selbsttötung zu bewahren.

Dazu erklärte Hepp: «Suizidversuche sind in Krisensituationen oft impulsiv und nicht von langer Hand geplant.» Die Krisen seien meist zeitlich begrenzt. «Indem man den Zugang zu Suizidmethoden erschwert, kann hier ein wesentlicher Beitrag zur Prävention geleistet werden», sagte Hepp.

Hilfesuchende finden zudem bei Stadt und Kanton verschiedene Anlaufstellen bei den Sozialen Diensten oder der Fachstelle Kinder, Jugend, Familie. 

Hier finden Sie auch Hilfe: 

Das Kriseninterventions- und Triagezentrum (kitz) in Königsfelden steht Patienten und Zuweisern 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche, zur Verfügung.

Auch die Dargebotene Hand Aargau/Solothurn-Ost bietet telefonische Beratung für Menschen in Krisen und schwierigen Lebenslagen.