Finnland feiert 2017 das hundertjährige Jubiläum seiner Unabhängigkeit. 1917 löste sich das skandinavische Land in den Wirren der russischen Revolution vom Zarenreich und ist seither eine Republik. Pünktlich zum Jubiläum kommt während den nächsten zwei Wochen ein Stück finnische Kultur und Lebensart nach Baden. Ein zusätzliches Stück, muss man sagen: Im Laden «finnis.ch» an der Kronengasse 12 gibt es ohnehin schon gutes Design und schöne Dinge aus Finnland zu kaufen. Jetzt stellen hier bis Ende Oktober zehn finnische Ausstellerinnen – die teilweise in Finnland, teilweise in der Schweiz leben – ihre Produkte und ihre Kunst aus.

Von Lapua nach Baden

Den Laden «finnis.ch» eröffnete Päivi Tissari vor fünf Jahren an der Kronengasse. Sie zog 1999 mit ihrer Familie vom finnischen Lapua nach Untersiggenthal, weil ihr Mann für ABB arbeitet und die Möglichkeit hatte, ein paar Jahre ins Ausland zu gehen. Es gefiel ihnen so gut, dass sie blieben. Sie, die in Finnland Wirtschaft studiert hat und erfolgreich in der Werbung tätig war, wollte in der Schweiz etwas Eigenes aufbauen.

Päivi Tissari begann 2006 mit einem Stand am Untersiggenthaler Weihnachtsmarkt, für den sie Textilien aus ihrer Heimat importierte. Später eröffnete sie einen kleinen Laden an der Unteren Halde. 2012 ging sie per Zufall an der Kronengasse 12 vorbei und sah auf einem Zettel im Schaufenster, dass das Ladenlokal zu vermieten sei. Nach kurzem Zweifeln, ob ein grösserer Laden in der unteren Altstadt rentieren kann, griff sie zu und bekam einen Mietvertrag. «Eines führte zum anderen», sagt Tissari. «Es hat perfekt gepasst.»

Sie verkauft finnisches Geschirr, Besteck, Haushaltsartikel, Kleider, Stoffe, Kerzen und, nicht zuletzt, finnische Schokolade und Lakritze. «Es sind Dinge, die den Alltag schöner machen, die aber praktisch und einfach sind», sagt Tissari. Mit Sanna Heikintalo hat sie jetzt die Designausstellung «Suomi Pop-up» nach Baden geholt. Heikintalo ist eigentlich Pressefotografin. Als sie vor neun Jahren mit ihrem Mann in die Schweiz kam, hat auch sie sich selbstständig gemacht. Sie hilft zum sechsten Mal bei der Organisation der Designausstellung mit. Viermal fand «Suomi Pop-up» seit 2012 in Zürich statt, einmal in Zug. Bisher dauerte die Ausstellung jeweils nur drei Tage, dieses Jahr erstmals zwei Wochen. Die zehn Frauen helfen bei den Vorbereitungen ehrenamtlich mit und wollen gutes finnisches Kunsthandwerk präsentieren. Sanna Heikintalo sagt: «Was wir hier zeigen, ist alles finnisch, und es ist alles handgemacht.» Ihren Kolleginnen und ihr sei es wichtig, dass alle ausgestellten Produkte nachhaltig und umweltbewusst hergestellt werden.

Rentierleder und Naturkosmetik

Paula Diener-Kivelä zum Beispiel entwirft Taschen aus Rentierleder. Das Leder ist eigentlich ein Abfallprodukt der Rentierfleischproduktion in Finnland. Maarit Rantala bietet finnische Kosmetikprodukte an, die ausschliesslich aus natürlichen Zutaten bestehen, Leena Pinomaa ihre von Hand gewebten Textilien.

Zudem verkauft Päivi Tissari weiterhin ihre Produkte, allerdings nur noch auf der halben Ladenfläche. Von der Café-Ecke im hinteren Teil des Ladens hat man einen herrlichen Blick auf die Limmat und den Melonenschnitz des Historischen Museums. Für die passende Verpflegung sorgt zudem, in nordisch-freundschaftlicher Verbundenheit, die Schwedin Ewa Jönsson, die gleich um die Ecke an der Unteren Halde das schwedische Café «Scandinavian Deli» betreibt.

Zum Hundertjahrjubiläum der Republik Finnland hat Sanna Heikintalo, die in Pori an der finnischen Westküste aufgewachsen ist, eine Postkartenserie entworfen – «mit 100 Motiven aus meinem persönlichen Finnland», wie sie sagt. Denn: «Trotz aller Schönheit der Natur steckt mehr hinter Finnland als verschneite Birkenwälder und Nordlichter.»

Suomi Pop-up: 14. bis 28. 10. an der Kronengasse 12 in Baden. Di–Fr 13.30–18.30 Uhr, Sa 10–16 Uhr. Mehr Infos unter www.suomipopup.com.