Autobahn

«Super-Sache» oder «Irrglaube»? Autotunnel durch Heitersberg löst unterschiedliche Reaktionen aus

Politiker sind sich uneinig über eine unterirdische Autobahn von Spreitenbach zum Birrfeld. Die einen sehen in der Lösung eine nötige Entlastung der Autobahn, die anderen eine umweltschädliche Förderung des Individualverkehrs.

Der Bund prüft noch, ob eine unterirdische Autobahn von Spreitenbach durch den Heitersberg bis zur Verzweigung Birrfeld sinnvoll wäre, um den Baregg-Tunnel zu entlasten (diese Zeitung berichtete). Doch die politische Front zwischen Links und Rechts und den Verkehrsklubs ist schon eröffnet.

Strikt gegen einen solchen Autotunnel ist Jürg Caflisch, SP-Politiker aus Baden und Präsident der Aargauer Sektion des Verkehrs-Club (VCS). «Diese Idee entspricht einer technokratischen Lösung, die vom Irrglauben geprägt ist, dass mit solchen Bauten Verkehrsprobleme gelöst werden könnten», sagt Caflisch. «Der Bund und der Kanton tun so, als ob es keine Klimaerwärmung gibt.» Es brauche endlich einen Paradigmenwechsel. Konkret heisst das für Caflisch: «Man muss die Transportkosten verteuern, um unsinnige Transporte zu vermindern, die ungedeckten Kosten des Individualverkehrs — etwa eine Milliarde Franken pro Jahr — auf den Benzinpreis aufschlagen und Verkehrsmanagement-Systeme einführen.»

Auch dort, wo der Tunnel künftig etwa wieder an die Oberfläche tritt, ist die Stimmung bei der Linken ähnlich. «Ich bin sehr skeptisch», sagt Grossrat Dieter Egli (SP) aus Windisch. «Es ist nicht nachhaltig, immer mehr Kapazitäten für Autos zu schaffen. Es ist erwiesen, das dies nur noch mehr Verkehr schafft.» Auch im Bezug auf die Kosten für eine unterirdische Autobahn, deren Höhe der Bund noch nicht beziffern kann, hat Egli Bedenken. «Die riesigen Finanzmittel, die man dafür braucht, müssen woanders im Staatshaushalt eingespart werden.»

«Wäre noch die bessere Lösung»

Eine «Super-Sache» findet den Tunnel hingegen Bernhard Guhl. Der BDP-Nationalrat, der in Niederrohrdorf wohnt und in der Verkehrskommission sitzt, sagt: «Der Tunnel würde die A1 bei Baden West, Wettingen und Neuenhof entscheidend entlasten.» Der Verkehrspolitiker hatte dem Bund 2015 selbst eine neue Routenführung vorgeschlagen (wir berichteten). Eine Schnellstrasse sollte von Wettingen nach Ober- und Untersiggenthal und von dort über Brugg der Aare nach bis zum Autobahnanschluss Aarau Ost führen. «Das wäre noch die bessere Lösung, weil damit auch das Zurzibiet an die A1 angebunden, sowie das Siggenthal, Baden und Brugg entlastet würde», sagt Guhl.

Trotzdem unterstützt er einen Tunnel zwischen Spreitenbach und dem Birrfeld. «Denn sobald die Zürcher Nordumfahrung fertig ausgebaut ist, wird der Verkehrsdruck auf den Baregg-Tunnel weiter zunehmen», so Guhl. Das Argument, dass neue Strassen auch immer neuen Verkehr produzieren würden, sei zwar korrekt. «Doch das lasse ich in dem Fall nicht gelten, weil es nicht um eine neue Verbindung geht, sondern um einen Bypass, der gezielt die Staustunden auf einer stark belasteten Strecke reduzieren wird», sagt Guhl.

Grösstes Hindernis: die Kosten

Das grösste Hindernis sieht auch er in den Kosten. Denn bei jedem Ausbauschritt der Nationalstrassen — die alle vier Jahre beschlossen werden —, müssten alle Regionen berücksichtigt werden. «Wenn nun ein einzelnes Projekt wie dieser Tunnel das Gros der Mittel eines Ausbauschrittes benötigt, so kann sich die Realisierung trotz bestem Kosten-Nutzenverhältnis verzögern.

Denn auch andere Regionen wollen etwas vom Kuchen abhaben», sagt Guhl. Das sei auch mit dem vom Bund angedachten Bahntunnel zwischen Zürich Altstetten und Rupperswil passiert, der im aktuellen Bahn-Ausbauschritt nicht enthalten ist. Guhl fordert, dass für den Bau grosser Projekte eine Lösung gefunden wird: «Man darf nicht nur den Vier-Jahres-Zyklus sehen, sondern muss in grösseren Massstäben denken.»

Thierry Burkart, FDP-Nationalrat aus Baden und Vizepräsident des Touring Club Schweiz (TCS), sagt, das Nationalstrassen-Ausbauprogramm «STEP», mit dem der Bund die Autobahnen gezielt ausbauen will, sei unabdingbar. Dies, weil die Engpässe auf dem Autobahnnetz bereits heute zahlreich sind und der Verkehr allen Prognosen nach weiter zunehmen werde.

Stau verursacht Kosten in Milliardenhöhe

«Da es nicht mehr überall möglich ist, die bestehenden Autobahnen mit zusätzlichen Flächen zu versehen, müssen je nach Raum auch alternative Lösungen gesucht werden», so Burkart. «Zumal mit diesen eventuell auch zusätzliche Funktionalitäten — wie etwa die Erschliessung neuer Räume — erreicht werden könnten.» Das könne gerade im hier diskutierten Gebiet raumplanerisch wertvoll sein.

Im Rahmen der Beratungen zum Nationalstrassen-Ausbau werde man sich bezüglich der Kosten orientieren lassen. Burkart sagt: «Klar ist, dass bereits die heutige Stausituation auf dem Nationalstrassennetz volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe verursacht. Diesen Umstand gilt es bei der Variantenwahl ebenfalls zu berücksichtigen.»

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