Baden
Surreal, irrwitzig undmesserscharf gezeichnet

Im Kurtheater war die im Oktober uraufgeführte Komödie «Der Bären wilde Wohnung» des Schweizer Autors Lukas Linder zu Gast. Linder zeichnet die vier Figuren komödiantisch bis irrwitzig, überhöht, aber messerscharf.

Rosmarie Mehlin
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Die Schauspieler des Stücks «Der Bären wilde Wohnung».

Die Schauspieler des Stücks «Der Bären wilde Wohnung».

Zur Verfügung gestellt

Ein Conferencier kündet, mit plakativ grossen Worten und Gesten, vor dem geschlossenen Vorhang das kommende Geschehen an. Das tönt ebenso skurril, wie verheissungsvoll. Was anschliessend 90 Minuten lang zu sehen und hören ist, enttäuscht nicht.

Die, von einem Regenguss platschnasse, Frau Hamann besichtigt das zum Verkauf stehende Haus des angepasst-naiv-gutmütigen Herrn Bär. Das Haus steht in der Schweiz, sie kommt aus Deutschland und bald stellt sich heraus, dass Herr Bär von seiner Frau verlassen ist und das Haus deshalb zu Geld gemacht werden soll. Eine ganz alltägliche Situation, die allerdings spätestens, nachdem Herr Hamann und Frau Bär sich dazu gesellen, immer mehr ins Surreale abdriftet.

Das Theaterstück als «Traum»

«Der Bären wilde Wohnung» war eine Auftragsarbeit der Theater Schaffhausen und Konstanz an den aus Uhwiesen gebürtigen Autoren Lukas Linder. Ein erstes Stück des 28-Jährigen, «Trägheit», war im Juni 2010 im Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt worden; sein fünftes Stück wird im Februar in Wien zum ersten Mal gespielt. Das Kurtheater Baden hatte «Des Bären wilde Wohnung» als Komödie angekündigt, der Autor selbst bezeichnet es in einem Interview als «Traum».

Als was auch immer man es betrachtet – es ist ein gelungenes, tempo- und facettenreiches Stück über menschliche Befindlichkeiten, zwischenmenschliche Missverständnisse, Beziehungslügen und -abgründe. Das Fundament dazu bilden – topaktuell – die Animositäten und Ressentiments zwischen Deutschen und Schweizern.

Blitzschnell verwandeln sich philosophische Betrachtungen in verbale Giftpfeile, lustige Situationen in bitterböse; die Dialoge sind ebenso pfiffig, wie absurd. Linder zeichnet die vier Figuren komödiantisch bis irrwitzig, überhöht, aber messerscharf und die vier ausgezeichneten Schauspieler setzen die Intentionen des Autors überzeugend und mit Bravour um. So wurde dem Badener Publikum ein sehr erfreulicher Theaterabend beschert.

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