Die Galerie Alte Mühle in Würenlos platze fast aus den Nähten. Über hundert Besucherinnen und Besucher aus allen Ecken der Schweiz fanden sich zur Ausstellung der in Fislisbach wohnenden Künstlerin Simone Bonzon ein.

Klein und zierlich ist die Frau, gross aber ihre Kunst. Viel Poesie und Humor findet man in ihren farbintensiven Malereien, deren kubistische und bisweilen surrealistische Bildsprache entfernt an Chagall und Picasso erinnert; und trotzdem immer die ganz und gar typische Handschrift von Bonzon trägt. «Je veux faire du Bonzon», hat sie einmal gesagt und ist ihrem Stil ein Leben lang treu geblieben.

Skurrile Fabelwesen und Figuren aus der Mythologie sind wichtige Motive für die gebürtige Genferin. Zu «Canto Amor», einer Interpretation des Orpheusmythos von Flamencos en route, kreierte sie gleich zwei Werke. Kosmische Themen über das Entstehen der Erde und das grosse Geheimnis des Lebens sind in ihren Exponaten genauso wiederzufinden wie Stillleben und Tiere, die sie schablonenartig reduziert und damit Farben und Formen umso mehr Ausdruckskraft und Magie verleiht. Eine Szene aus der «commedia dell’arte» gilt als kleiner Seitenhieb auf den ganzen modernen Kunstbetrieb, der für sie zur Komödie verkommen und viel zu oberflächlich geworden ist.

Ästhetik und Ethik gehen vergessen

«Heute wird alles zur billigen Ware, die überall unkritische Aufnahme findet», zitierte Roy Oppenheim in seiner Rede zur Vernissage der Künstlerin, «weshalb, warum? Wahrscheinlich aus Angst, man verpasse irgendeine Neuigkeit oder Innovation. Ästhetik und Ethik gehen vergessen. Sie sind aber die Wirbelsäule der Kunst.»

Für die Absolventin der Ecole des Beaux Arts in Genf hat Kunst mit Können zu tun und ist nicht einfach subjektiv, sondern folgt gewissen nachvollziehbaren Gesetzesmässigkeiten. «Bevor sich jemand Künstler nennt, muss er ein guter Handwerker sein. Wer einfach in den Laden geht, Farben kauft, einige Malkurse besucht und nachher irgendetwas hinschmiert, ist noch lange nicht so weit», meint sie.

«Um die 100 Ausstellungen sind es»

Bonzon ist Trägerin zahlreicher Kunstpreise, schuf Mosaikreliefs an den Schulhäusern von Stetten und Reitnau, gestaltete ein Fenster der reformierten Kirche Turgi («4 Evangelisten») und den Platz des Kindergarten Breitacher in Baden. Unzählige Male hat sie in ihrer umfassenden Künstlerkarriere ihre Bilder in der Öffentlichkeit präsentiert.

«So um die 100 Ausstellungen dürften es im Aargau sicher gewesen sein», erinnert sich die 90-Jährige. Ihre Kreativität hält sie jung, sie ist aktiv und hat bis heute Schüler, die sie unterrichtet.

Die Ausstellung in der Galerie Alte Mühle, Mühlestrasse 15, 5436 Würenlos dauert noch bis zum 6. Mai 2012. Öffnungszeiten Mi 15 bis 18 Uhr, Sa 14 bis 17 Uhr und So 11 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter www.galerie-alte-muehle.ch