Wahlkampf

SVP bi de Lüüt: Bratwurst und Rösti in Baden

Sitzverluste in Luzern, Baselland und Zürich: Die SVP ist angeschlagen. Anstatt die Wunden zu lecken, mischen sich Glarner, Burgherr und Co. unters Volk. In Baden zeigt sich: Es gibt sie noch, die SVP-Fans.

Mehr als fünf Prozent in Zürich. Je sieben Sitze weniger in Baselland und Luzern. Statt über Flüchtlinge wird über das Klima diskutiert. Es sind schwierige Zeiten für die SVP. Wenn sie verhindern will, dass sich der Abwärtstrend in den Kantonen bei den nationalen Wahlen im Herbst fortsetzt, muss sie ihre Wählerinnen und Wähler besser mobilisieren. Sie davon überzeugen, dass die Volkspartei ihre Anliegen in Bern immer noch am besten vertritt.

Um überhaupt zu spüren, was die Bürgerinnen und Bürger bewegt, müssen Politikerinnen und Politiker mit ihnen in Kontakt kommen. So wie am Freitagabend auf dem Schlossbergplatz in Baden. Albert Rösti, der Präsident der SVP Schweiz, ist da. Und natürlich Nationalrat Andreas Glarner. «Ich kenne Sie aus der Zeitung», sagt einer und fragt Glarner, ob er mit ihm für ein Selfie posiere. Wie noch oft an diesem Abend willigt der Nationalrat ein, lächelt in die Handykamera und verabschiedet sich mit einem Händedruck.

Klimahype und Frauenpower

In unmittelbarer Nähe zum SVP-Pavillon verteilen ein paar junge Leute Flyer für die nächste Klimademo. Angesprochen auf die aktuelle Klimadiskussion, haben die Besucherinnen und Besucher eine klare Meinung: «Klimahype». Die SVP mache da nicht mit, sagt auch der Aargauer Wahlkampfleiter Werner Laube. Er blickt den Wahlen im Herbst zuversichtlich entgegen. Laube hofft dabei auf die «Frauen-Power». Die Nationalratsliste der Aargauer SVP ist dieses Jahr so weiblich wie noch nie. Auch die vier Nationalratskandidatinnen Michaela Huser, Stefanie Heimgartner, Martina Bircher und Nicole Müller-Boder nutzen den Anlass «SVP bi de Lüüt», um sich in Baden die Anliegen der Bevölkerung anzuhören.

Support aus Ennetbaden

Eine Gruppe aus dem «grauenhaft linken» Ennetbaden ist wegen der Persönlichkeiten gekommen. Wo denn Herr Amstutz sei, wollen sie vom Zürcher Nationalrat Thomas Matter wissen. «Wir müssen uns ein bisschen aufteilen», antwortet dieser. Sie erzählen Matter, sie seien zwar keine Parteimitglieder. «Aber wir wählen immer und mobilisieren in unserem Umfeld.» Das sei gut, findet Matter. «Aber man darf nicht vergessen, dass die Partei auch Geld braucht.» – «Ah, das kostet auch noch?», fragen sie ungläubig. «Nicht viel», beruhigt Matter. In Ennetbaden gebe es ohnehin keine SVP-Ortspartei, klären sie ihn auf.

Dann tritt der Aargauer Parteipräsident Thomas Burgherr ans Mikrofon. Die Wahlen in Luzern, Zürich und Baselland seien nicht so gut ausgefallen. «Für uns im Kanton Aargau sind sie ein Schuss vor den Bug.» Es sei wichtig, dass die Aargauer Vertretung im Ständerat wieder bürgerlich werde. «Wir wollen den Sitz, den wir vor acht Jahren verloren haben, zurückholen», sagt Burgherr.

Werbung in eigener Sache

SVP-Ständeratskandidat und Nationalrat Hansjörg Knecht nutzt die Aufmerksamkeit, um etwas Werbung in eigener Sache zu machen. Er bringe «Erfahrung, Kompetenz und Bodenhaftung» mit. Das brauche es in Bern. «Machen Sie Werbung für mich! Ich brauche Sie», sagt der Müllerei-Unternehmer und verspricht, er werde alles geben. Auch von Parteipräsident Rösti gibt es eine Wahlempfehlung. Er kenne Knecht bestens, sei im Nationalrat vier Jahre neben ihm gesessen. «Einen Besseren bringt ihr nicht nach Bern.»

Die anwesenden Kandidierenden reihen sich neben Rösti ein und stellen sich den Anwesenden kurz vor. Glarner sagt, er ziehe in den Wahlkampf, in der Hoffnung, «dass ein warmer Sommer und eine schwedische Göre nicht reichen, dass wir die Wahlen verlieren». Die Flyer verteilenden Klimademonstranten hören ihn nicht mehr. Sie sind bereits weg. Der Applaus verstummt und Ländler tönt aus den Boxen. Für die Anwesenden gibt Bratwurst ohne Rösti, dafür mit Brot und Albert Rösti.

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