Von der Bierfront werden zwar steigende Absätze gemeldet. Gestiegen ist jedoch der Absatz von importiertem Bier. Beim Schweizer Bier verzeichnet man leicht rückläufige Zahlen. Anders bei den Bierbrauereien der Region: Die mittelgrosse Brauerei Müller, die kleinere Lägerebräu und Brauerei Erusbacher, Villmergen, die das Badener Falkenbräu herstellt, haben zugelegt.

Die Swissness-Vorlage kommt bei ihnen nicht gut an. Sie soll per Gesetz regeln, was sich «Made in Switzerland» nennen darf und was nicht. Das könnte die lokalen Brauereien treffen. «Niemand, auch nicht in Bern, hat so etwas Abstruses gewollt», kommentiert Felix Meier, Geschäftsführer der Brauerei Müller, diese Vorlage.

Ist Müller Bräu jetzt nicht mehr «swiss»? Geschäftsführer Felix Meier im Video-Kurzinterview.

Ist Müller Bräu jetzt nicht mehr «swiss»? Geschäftsführer Felix Meier im Video-Kurzinterview.

Müllerbräu hat eigene Quelle

Würde das neue Markenschutzgesetz in der Entwurfsform in Kraft gesetzt, hätte die Brauerei Müller gute Karten in der Hand: Das Brauwasser stammt nämlich aus der eigenen Quelle auf dem Müserenplateau nahe der Baldegg. «Ob diese aber per definitionem vor dem Gesetz als eigene Quelle standhalten würde, müsste noch geklärt werden», sagt Meier.

Für das Urweizen-Bier bezieht Müllerbräu das Getreide sogar aus dem Schenkenbergertal. Malz, das aus Getreide, unter anderem Gerste, Weizen und Roggen, hergestellt wird, bezieht Müllerbräu wie die meisten andern Brauereien aus dem Ausland.

«Braugerste wird zwar in der Schweiz angebaut. Verarbeitet wird sie aber in Deutschland, weil das Verfahren in der Schweiz nicht mehr praktiziert wird», erklärt Marco Wipfli, Geschäftsleiter der Lägerebräu. Aus diesem Grund würden Malz sowie Hopfen aus Deutschland oder Tschechien importiert. «Das hängt jeweils vom Händlervertrag ab», sagt Meier und vergleicht dies mit Warentermingeschäften.

Beim Hopfen ist es wiederum anders. Doch: «So viel ich weiss, werden lediglich drei Prozent vom Jahresverbrauch an Hopfen in der Schweiz angebaut», erklärt Otto Sorg, Braumeister bei Erusbacher in Villmergen. In der Brauerei Erusbacher wurden dieses Jahr bisher insgesamt 450 000 Liter Bier verkauft. Das sei eine schöne Steigerung gegenüber dem Vorjahr, freut sich Sorg.

Brauen mit Gemeindewasser

Hopfen und Malz bezieht die Brauerei aus Deutschland. «Wir verwenden Villmerger Gemeindewasser – eine Mischung aus Grund- und Quellwasser.» Für Sorg ist die Swissness-Vorlage «eine Katastrophe» und «nicht durchgedacht».

Auch wenn die Kleinbrauerei nicht mit einem Schweizer Kreuz werbe und das Bier keinen lokalen Namen trage, hätte die Inkraftsetzung der Vorlage dennoch einen Imageschaden. «Und wenn das Wasser nicht mehr schweizerisch ist, läuft auf der Gesetzesebene etwas falsch», fügt Sorg an.

Lägerebräu müsste Namen ändern

Ebenso ungehalten ist Marco Wipfli. Bei der Lägerebräu handelt es sich um ein junges Bier, da es erst seit 2008 gebraut wird. Für «Lägerbräu» wird Hopfen aus Stammheim verwendet, das Malz stammt aus Deutschland, beim Wasser handelt es sich um «Hahnenburger».

«Wir konnten unseren Umsatz um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern, sagt Wipfli. Unser Bier wird auch in Richtung Zürich immer bekannter. Wir wollen die grösste Kleinbrauerei des Kantons werden.» Mit der Annahme der Swissness-Vorlage wäre das Label aufgrund des lokalen Namens gefährdet – das Bier müsste umbenannt werden.

Grosse Sorgen macht er sich trotzdem noch nicht. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Vorlage zur Realität wird.» Wipfli wie auch Meier sind überzeugt, dass sich der Schweizer Brauerei-Verband dagegen wehrt.

«Ich bin überzeugt, dass noch eine gangbare Lösung gefunden wird», sagt Meier. Der Schweizer Brauerei-Verband ist bereits aktiv. Er wird diese Vorlage laut Meier nicht so im Raum stehen lassen.