Baden

Szene-Bar Rossini wird rauchfrei: «Wir stossen sicherlich gewisse Leute vor den Kopf»

Stefan Bütikofer in der renovierten Rossini-Bar.

Stefan Bütikofer in der renovierten Rossini-Bar.

Nach 17 Jahren wird die Badener Szene-Bar Rossini rauchfrei. Die einschneidende und lange durchdachte Entscheidung soll dafür sorgen, dass auch das jüngere und nichtrauchende Publikum angelockt wird. Dieses blieb dem Lokal bisher fern.

Fast zwei Jahrzehnte lang wurde im Badener Kultlokal Rossini geraucht. Während immer mehr Raucherlokale von der Bildfläche verschwanden oder sich in Zufluchtsorte für Nichtraucher verwandelten, blieb das «Rossini» eine Bastion für die Badener Zigaretten- und Zigarrenliebhaber. Mit den seit Ende März vorgenommenen Renovierungsarbeiten wird dieser Grundsatz nun aber gekippt. Nach 17 Jahren wird das «Rossini» erstmals rauchfrei. «Das Rauchen wird immer verpönter. Das heutige Zielpublikum ist an gar nichts anderes mehr gewöhnt, als rauchfreie Lokale», sagt der Barbetreiber Stefan Bütikofer.

Reaktion auf den starken Besucherschwund

Schon länger geisterte die Vision eines rauchfreien «Rossinis» durch die Szene-Bar. Seitdem in der Schweiz seit Mai 2010 das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen gilt, müssen sämtliche geschlossenen Räume, die öffentlich zugänglich sind, rauchfrei sein. Genehmigt bleibt das Rauchen in Rauchbetrieben mit maximal 80 m2 Fläche. Abgetrennte Fumoirs, auf die mittlerweile immer mehr Lokale zurückgreifen, sind ebenfalls erlaubt. Auch in der Rossini-Bar machte man sich nach dem fortschreitenden Besucherschwund Gedanken über einen separaten Raucherbereich oder rauchfreie Zeitfenster. «Unsere Stammgäste sind gerne bei uns, aber in den letzten zwei Jahren wurden es doch immer weniger. Wir wollen wieder jüngeres Publikum anziehen», sagt Bütikofer.

Die Rückmeldungen anderer Gastronomen zwangen ihn schliesslich zum endgültigen Umdenken. Weil die Rossini-Bar das einzige Lokal im Einzugsgebiet ist, welches bis nach Mitternacht geöffnet hat, schicken viele andere Barinhaber ihre Gäste jeweils nach Lokalschluss gerne weiter in Richtung Haselstrasse. Immer wieder habe man aber in anderen Bars die Auskunft bekommen, dass das «Rossini» keine Option sei, weil man nach dem dortigen Besuch nach Rauch rieche. «Dieses Feedback aus der Gastroszene war ein ausschlaggebender Punkt. Dass gerade Frauen nicht nach Rauch stinken möchten, ist verständlich», so Bütikofer.

Auch ehemalige Gäste, die mittlerweile nicht mehr oder nur selten rauchen, seien mit dem Wunsch nach Veränderung an das «Rossini» herangetreten. Somit war die Anpassung an den Zeitgeist beschlossene Sache. Bedenken, dass er damit Stammgäste vergrault, hat Bütikofer durchaus. «Veränderungen tun immer weh. Wir stossen sicherlich gewisse Leute vor den Kopf. Aber letztendlich kann man es nicht immer allen recht machen», so Bütikofer.

Bald erstrahlt das «Rossini» in neuem Glanz

Immerhin habe sich in Gespräch mit Barbesuchern herauskristallisiert, dass viele dazu bereit seien, für das Vergnügen mit dem Glimmstängel kurz das Lokal zu verlassen. Wer überhaupt nicht auf das Rauchen verzichten möchte, könne ausserdem auf seine für Zigarrengenuss bekannte Casa Colonial Bar & Avo Lounge in Neuenhof ausweichen, sagt Bütikofer. Sowieso bleibt er zuversichtlich: «Ich habe das Gefühl, dass wir mit diesem Entscheid mehr gewinnen als verlieren werden.»

Wie die Entscheidung tatsächlich beim Publikum ankommt, wird sich bald zeigen. Am Dienstag, 2. Juni, wird das «Rossini» im frisch erstrahlten Glanz wieder seine Tore öffnen. Bei der Wiedereröffnung ist auch Toni Culjak zurück an Bord. Der stadtbekannte Gastronom war schon bei der Eröffnung 2003 mit von der Partie und prägte die Anfangszeit des Rossini. Bütikofer zeigt sich begeistert über die Rückkehr von Culjak. «Er wird mit seiner fröhlichen Art, das professionelle Team unterstützen und das neue Konzept mit Sicherheit zum Erfolg führen», sagt er

Ein Wermutstropfen in Form der Corona-Einschränkungen bleibt allerdings. «Wir haben gehofft, dass wir schon von Anfang an bis zwei Uhr offen haben können. Wichtig ist aber, dass wir mehr als vier Personen empfangen dürfen und so mehr Bereiche des Lokals nutzen können.»

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