Baden

«Täglich ein Kaufangebot»: Trotzdem ist «Speedy Food» noch in Familienhand

Im Familienbetrieb «Speedy Food»: Robert, Georg und Verdi Baydar (v.l.).

Im Familienbetrieb «Speedy Food»: Robert, Georg und Verdi Baydar (v.l.).

Trotz Verkaufsabsicht gehört die Badener Gastro-Institution noch immer der Familie Baydar.

Der «Speedy Food» ist eine Institution. Seit nunmehr 15 Jahren gibt es das Restaurant mit Take-away und Lieferdienst an der Badener Haselstrasse. Der Familienbetrieb ist weit über die Region hinaus bekannt. Im zurückliegenden Sommer dann die Überraschung: Auf einem Online-Gratisportal stand das Lokal der Baydars zum Verkauf ausgeschrieben. Für einen Franken notabene.

Schnell war aber klar, dass dieser Preis nicht ernst gemeint ist. «Der Kaufpreis ist Verhandlungssache», klärte Sohn Robert Baydar damals auf. Und hat das Lokal inzwischen einen neuen Besitzer? «Speedy Food» gehört nach wie vor Mutter Verdi (68) und Vater Georg Baydar (59) aus Gebenstorf. Nachdem Georg am Meniskus und am Kreuzband operiert werden musste, ist er immer noch arbeitsunfähig.

Das Lokal ist eine Herzensangelegenheit

Die Gesundheit und das Alter waren mitunter Gründe, welche den Wunsch nach einem Verkauf wachsen liessen. Sohn Robert hat nun die Geschäftsführung übernommen, sein Bruder Philipp hilft bei Bedarf aus. Die junge Baydar-Generation steht einer internen Nachfolge-Lösung im Familienbetrieb aber eher skeptisch gegenüber. Robert wohnt in Basel, Philipp ist in der Versicherungsbranche tätig.

Angebote für den Schnellimbiss gab es jede Menge. «Noch heute meldet sich praktisch täglich jemand, der sich für das Lokal interessiert», sagt Sohn Philipp. «Aber die meisten Interessenten können es sich nicht leisten. Allerdings waren auch gute Angebote dabei.» Klar ist aber auch, dass ein Abschied den Baydars äusserst schwer fallen würde.

«Es ist eine Herzensangelegenheit», sagt Mutter Verdi, während sie vor dem Ansturm am Mittag Pizzen mit ihrem Geheimrezept vorbereitet. Philipp Baydar sagt: «Wenn ein Angebot kommt, bei dem alles stimmt, würde das am Familientisch beraten und wir müssten schauen, ob wir es übers Herz bringen. Ob wir das könnten, steht in den Sternen.»

Trotz wachsender Konkurrenz erfolgreich

Ein Nachfolger dürfte nicht nur das Lokal und das Geheimrezept, sondern wenn gewünscht auch den Namen übernehmen. Denn dieser habe einen gewissen Wert, ist die Familie mit aramäischen Wurzeln aus dem Südosten der Türkei überzeugt. Dass das Lokal nun seit 15 Jahren bestehe, sei ein Qualitätsbeweis, zumal die Konkurrenz durch Take-aways von grossen Ladenketten immer grösser wurde.

Vor über 40 Jahren haben Georg und Verdi Baydar ihre Heimatstadt Idil verlassen. Ende der 70er-Jahre kam das Paar aus dem Bündnerland in den Aargau. Beide arbeiteten damals in der ehemaligen Spinnerei Kunz in Windisch. Als es in den 90er-Jahren mit dem Unternehmen langsam bergab ging, fand Verdi Baydar eine Nachtdienst-Stelle im Kantonsspital Baden. Ihr Mann indes wurde arbeitslos.

Nichts zu tun, kam aber nicht infrage. Aus der Not machte sich Georg Baydar selbstständig und eröffnete an der Zürcher Langstrasse einen kleinen Kebabstand. Als die Söhne vor 15 Jahren den leer stehenden Teppichladen an der Badener Haselstrasse entdeckten, zögerte die Familie nicht und eröffnete das Lokal «Speedy Food».

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