ÖV-Angebot
Tageskarten fallen in der Region Baden dem Sparhammer zum Opfer ‒ aber nicht bei allen Gemeinden

Die Auslastung der Gemeindetageskarten ist im Bezirk Baden im letzten Jahr teils massiv zurückgegangen ‒ nicht zuletzt wegen der Coronakrise. Zwei Gemeinden stellen das Angebot nun ein.

Cristina Wenzinger
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Mit den Gemeindetageskarten können ÖV-Angebote der zweiten Klasse zu vergünstigtem Tarif genutzt werden.

Mit den Gemeindetageskarten können ÖV-Angebote der zweiten Klasse zu vergünstigtem Tarif genutzt werden.

zvg

Von Baden bis Würenlos verkaufen die Gemeinden der Region Baden Tageskarten für den öffentlichen Verkehr zu einem vergünstigten Tarif. Die Tageskarten sind unpersönliche Generalabonnemente der zweiten Klasse. Käufer können Züge, Schiffe und Postautos sowie Tram/Bus in den meisten Schweizer Städten einen Tag lang nutzen.

Das Angebot, das einst als Werbung für den ÖV ins Leben gerufen wurde, steht nun aber auf dem Prüfstand. Lag die Auslastung der verkauften Tickets in den vergangenen Jahren meist jenseits von 90 Prozent, hat sich das im vergangenen Jahr massiv verändert: Die Auslastung betrug im Durchschnitt noch 62 Prozent. Wie so viele Rückgänge im Jahr 2020 liegt auch dieser laut den Gemeinden an der Coronapandemie.

Reaktionen der Gemeinden sind verschieden.

Mehrere Gemeinden haben bereits die Abschaffung des Angebots beschlossen. Turgi reduzierte es bereits im Jahr 2020 von vier auf zwei Tageskarten. Im Zuge der Budgetberatung für das Jahr 2021 hat der Gemeinderat beschlossen, den Verkauf der Tageskarten per 7. Dezember 2020 einzustellen. «Aufgrund der Coronakrise wird das Defizit in diesem Jahr in fünfstellige Höhe ansteigen. Besonders im April, Mai und Juni brach der Verkauf fast komplett ein», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Yasmin Pfändler. «Zudem bieten die SBB mittlerweile bereits ab 29 Franken Spartageskarten an, mit welchen man einen Tag lang in der ganzen Schweiz auf sämtlichen GA-Bereichsstrecken, unterwegs sein kann», fährt Pfändler fort.

Auch die Gemeinde Mellingen wird die Karten nicht mehr anbieten. Der Gemeinderat hat die Abschaffung schon an der Budgetberatung 2021 im Sommer 2020 beschlossen. Somit hat die Gemeinde Mellingen nur noch bis zum 31. Januar zwei Karten pro Tag im Angebot.

Auch in Ehrendingen gingen die Verkaufszahlen der Tageskarten stark zurück, von 879 Karten auf 591. Trotzdem sieht die Gemeinde davon ab, das Angebot zu streichen. Im Mai 2020 entschied sie sich aber, das Angebot von drei auf zwei Tageskarten zu kürzen.

In mindestens zwei weiteren Gemeinden könnte das Angebot auch dem Sparhammer zum Opfer fallen. Fislisbach verbuchte im Jahr 2020 einen Verlust von 28'000 Franken. Auch eine Kürzung steht im Raum. Neuenhof verfügt bis zum 31. Mai über zwei Tageskarten. Ob dies auch danach der Fall sein wird, ist noch unklar: Die Gemeinde will in rund zwei Monaten entscheiden.

Nicht alle Gemeinden reagieren auf den Rückgang

Trotz der Verluste und der tiefen Auslastung: Es gibt auch Gemeinden, die an den Tageskarten festhalten. Niederrohrdorf bietet vier Tageskarten an, wobei das Angebot auch für Bellikon, Künten, Oberrohrdorf, Remetschwil und Stetten gilt. Und daran soll sich nichts ändern. «Die tiefe Auslastung hat vor allem mit dem Lockdown zu tun», sagt Gemeindeschreiber Claudio Stierli. «Wir hoffen, dass sich die Situation dieses Jahr stabilisiert. Wir halten das Angebot immer noch für eine gute Sache und wollen es daher auch weiterhin aufrechterhalten.»

Auch die Gemeinde Obersiggenthal hat trotz niedriger Auslastung von 54 Prozent ihre fünf Tageskarten für dieses Jahr im Budget eingeplant. «Der endgültige Entscheid, ob es die Tageskarten weiterhin gibt, wird jedoch erst Mitte März gefällt», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Romana Hächler.

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