Wettingen
Tägi gibts nur «mithilfe allfälliger Investoren»

Gemeindeammann Markus Dieth will 2011 die Planung des Tägi vorantreiben. Für ihn ist klar: Diese zusätzlichen Kosten kann Wettingen nicht alleine tragen sondern braucht die Hilfe der Region und des Kantons.

Martin Rupf
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Herr Dieth, haben Sie die Festtage gut überstanden?

Markus Dieth: Ja, es hat gutgetan, im Kreise der Familie ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Ich habe die Zeit aber auch genutzt, im Büro wieder ein bisschen aufzuräumen und die Neujahrsansprachen vorzubereiten.

Schreiben Sie die selber oder haben Sie einen Ghostwriter?

Nein, ich schreibe alles selber. Sobald das nicht mehr der Fall ist, ist eine Rede nicht mehr authentisch.

Ganz kurz: War 2010 ein gutes Jahr für Wettingen?

Unter dem Strich ja. Wir konnten Projekte anstossen und weitertreiben; so etwa die Neugestaltung des Bahnhofareals und die zweite Etappe Zentrumsplatz. Zurzeit läuft unglaublich viel – in der Gemeinde, aber auch in der Region. Ein Highlight war sicher auch die Zielankunft der Tour de Suisse.

Worüber haben Sie sich geärgert?

Geärgert ist vielleicht übertrieben. Manchmal habe ich aber schon gestaunt, wie gewisse Leute in Leserbriefen wider besseres Wissen versuchen, zu verwirren und von Tatsachen abzulenken, die sie eigentlich kennen.

Das neue Jahr ist wenige Tage alt. Es wird für Wettingen ganz im Zeichen der Tägi-Planung stehen. Wie optimistisch sind Sie, dass der Einwohnerrat und dann auch das Stimmvolk mitziehen?

Das 40-jährige Sportzentrum muss saniert werden. Das kostet rund 25 Millionen. Zudem hat der Einwohnerrat entschieden, den Bau einer multifunktionalen Halle zu prüfen, was nochmals mit rund 40 Millionen Franken zu Buche schlagen würde. Eines ist klar. Diese zusätzlichen Kosten kann Wettingen nicht alleine tragen. Diese Investitionen können nur mit regionaler und kantonaler Beteiligung und mit allfälliger Hilfe von Investoren getätigt werden.

Gibt es Signale für eine solche Unterstützung?

Ja. So hat etwa Baden 5 Millionen Franken in den Finanzplan hineingenommen. Wir haben den gleichen Betrag für das Kurtheater in Baden im Finanzplan eingestellt. Zudem haben alle 19 «Baden Regio»-Gemeinden das Tägi als regionales Projekt klassifiziert. Vom Kanton wird es hoffentlich einen Betrag im üblichen Rahmen geben.

Wie sieht der weitere Fahrplan in der Tägi-Planung aus?

Im März 2011 wird die Jury entscheiden, welches der momentan noch vier Projekte zum Handkuss kommt. Parallel dazu werden auch ein Betreibermodell und ein Businessplan ausgearbeitet. Mit dieser Vorlage gehen wir im Sommer vor den Einwohnerrat, der entscheiden kann, welche zusätzlichen Optionen er will. Im Herbst/Winter 2011 wird dem Einwohnerrat dann der Projektierungskredit vorgelegt.

Mit anderen Worten: Im Herbst weiss man, wie viel das neue Tägi kosten wird.

Ja, bis dann müssen wir vom Kanton, von den Gemeinden und von allfälligen Investoren die Finanzierungszusagen einholen und das Finanzierungsmodell haben, damit der Einwohnerrat sieht, welche Kosten der Gemeinde verbleiben.

Ein weiteres wichtiges Geschäft wird die Einführung umfassender Blockzeiten an den Wettinger Unterstufenschulen sein. Kritische Stimmen bezweifeln, dass diese tatsächlich auf das Schuljahr 2012/ 2013 eingeführt werden.

Der Gemeinderat hat immer gesagt, dass wir die Initiative Blockzeiten entgegennehmen und ernsthaft prüfen. Um den Raumbedarf seriös abklären zu können, muss für nächstes Jahr zuerst ein Parallel-Stundenplan ausgearbeitet werden.

Die CVP verlangt vom Gemeinderat gleichzeitig auch ein geändertes Konzept zur Randstundenbetreuung. Droht jetzt eine Verzögerung?

Nein. Den CVP-Antrag verstärkt nur die Tatsache, dass die Randstunden bei Einführung umfassender Blockzeiten automatisch angepasst werden müssen. Wenn schon, droht eine Verzögerung wegen der Stimmrechtsbeschwerde, die Leo Scherer beim Kanton eingereicht hat.

Man hört immer wieder den Vorwurf, Wettingen betreibe eine Politik des «knappen Geldes». Was sagen Sie dazu?

Das höre ich nun schon seit Jahren, der Vorwurf wird dadurch aber nicht wahrer. Fakt ist, dass wir jährlich ein Investitionsvolumen zwischen 10 und 12 Millionen Franken anstreben, das vom kantonalen Gemeindeinspektorat so übrigens auch empfohlen wird. Man darf nicht vergessen: Wettingen musste in den letzten Jahren sehr viel in den Erhalt der Strassen und Werkleitungen investieren. Dadurch blieb für andere Projekte natürlich weniger übrig. Gleichwohl werden wir in den nächsten Jahren etwa beim Bahnhofareal oder bei der Verlegung des Elektrizitätswerks viel Geld investieren.

2010 hat Wettingen die 20000er-Marke bei der Einwohnerzahl zum zweiten Mal nach 1966 geknackt. Wo liegt die Grenze?

In den 1970er-Jahren sprach der Gemeinderat noch von 40000 Einwohnern. Diese Zahl ist in der heutigen Zeit nicht mehr realistisch. Im visionären Zeitraum bis 2040 liegt die Obergrenze wohl bei rund 25000 Einwohnern, wenn wir weiterhin qualitativ hoch stehendes Wohnen anbieten wollen.

Wie sieht es aus in Sachen Gemeindefusion. Steht für Wettingen eine solche zur Diskussion?

Zurzeit besteht dazu keine Notwendigkeit. Zusammen mit der Mehrheit der 19 Gemeinden von Baden Regio sind wir der Auffassung: Was eine Gemeinde alleine, kostengünstig und bürgernah lösen kann, soll auf Gemeindestufe erledigt werden. An-statt Fusionen voranzutreiben, soll vielmehr die regionale Zusammenarbeit gefördert werden.

Zum Schluss: Welche persönlichen Vorsätze haben Sie sich für 2011 gefasst?

Ich fasse eigentlich keine Vorsätze. Ich hoffe aber, dass ich es schaffe, mehr Zeit für Familie und Freunde freizuschaufeln. Toll wäre es auch, wenn ich etwas mehr Sport treiben kann. Denn wie heisst es doch: gesunder Geist in gesundem Körper.