Baden

«Tango ist die erotischste und emotionalste Musik aller Zeiten»

Pure Leidenschaft - Bandoneonist Luciano Jungman.

Pure Leidenschaft - Bandoneonist Luciano Jungman.

Das Publikum war begeistert: Der Verein LiberTango brachte den Star-Bandoneonisten Luciano Jungman für das erste Konzert dieser Saison in die Stanzerei. Mit seinem Quintett zog er die Zuschauer sofort in seinen Bann. Die Musiker überzeugten mit ihrem Können.

Die Bühne ist in ein feuriges, rotgelbes Licht getüncht, als das Luciano Jungman-Quintett zu spielen beginnt. Nach und nach ertönen Klavier, Kontrabass, Geige, Klarinette und Bandoneon. Der Funke springt sofort. Virtuose und trotzdem sehr gefühlvolle Klangkaskaden ziehen die Zuschauer von der ersten Minute an in den Bann. Jungman lässt sein Bandoneon schmeicheln, flehen, aufbegehren. Dann sind wieder die Tango-typischen abgehackten Staccati zu hören.

Bald ist er schweissüberströmt und bei einer besonders wehmütigen Passage fliessen sogar ein paar Tränen. Er und seine Musik sind eins. Tango, Valses und Milongas kommen zu Gehör, die mitten ins Herz treffen, aufwühlen und eine unbändige Lebensenergie versprühen. Die Musikerinnen und Musiker brillieren im homogenen Zusammenspiel, zeigen aber auch in Solopassagen ihr verblüffendes Können. Viele Besucher sind sich nach dem Konzert einig: «Tango ist die erotischste und emotionalste Musik aller Zeiten.»

Tango-Erneuerer wurde bedroht

Dass es dem Verein LiberTango gelang, für das erste Konzert der Saison einen Star wie Luciano Jungman nach Baden zu holen, ist bezeichnend. Seit der Vereinsgründung 2007 sorgen die Mitglieder jede Saison mit vier Konzerten dafür, dass die besten und bekanntesten Tangoformationen in der Limmatstadt konzertieren. Zudem werden Milongas (Tangotanzveranstaltungen) und Tangokurse durchgeführt. LiberTango heisst soviel wie «Befreie den Tango» und ist auch Titel eines Stücks von Astor Piazzolla (1921 – 1992). Der argentinische Begründer des Tango Nuevo revolutionierte den Musikstil, indem er ihn mit klassischer Musik und Jazz verband. Damit machte er sich viele Feinde – und erhielt sogar Morddrohungen.

Es ist vor allem Piazzollas Verdienst, dass der Tango nach seiner Hochblüte in den 40er- und 50er-Jahren nicht in der Versenkung verschwand, sondern bis heute eine lebendige und sehr aktive Szene hat. Daniel Gautschi, musikalischer Leiter und Mitbegründer von LiberTango, ist seit frühster Kindheit vom Tango fasziniert. «Mich interessiert nur Musik, die mich im Innersten berührt», meint der Ennetbadener Berufsmusiker. «Das ist beim Tango der Fall.» Gautschi wollte die regionale Musikszene mit etwas noch nie Dagewesenem aufmischen, womit er sich 100 prozentig identifizieren kann: LiberTango war geboren. An den Konzerten ist Tango mit alten und neuen Einflüssen zu hören.

Der nächste Event: 9./10. November, Tango- und Milonga-Workshop mit Ricardo Viqueira aus Buenos Aires, Mehrzweckraum Schadenmühleplatz Baden, Anmeldung: 044 363 83 19 oder 079 779 90 49. Weitere Infos unter www.libertango-baden.ch

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