Baden

«Tanzverbot passt nicht in unsere moderne Zeit»

Marc Huber, Jorin Schmitz und Renato Binder (v.l.) mit ihrem «Kiste»-Bier. E. Freudiger

Marc Huber, Jorin Schmitz und Renato Binder (v.l.) mit ihrem «Kiste»-Bier. E. Freudiger

Elektronische Klänge und wummernde Bässe in Baden: Die «Kiste»–Chefs über die Anfänge, Lärmbeschwerden, was ihren Club ausmacht und wieso die Sperrstunde veraltet ist.

Nicht nur Musiker aus der Region stehen im Badener Club «Kiste» an den Plattentellern – sie reisen auch aus Berlin, London, Los Angeles oder Belgrad an. Unter den Künstlern sind einige illustre Namen: So brachte Michi Beck von der Hip-Hop-Band «Die Fantastischen Vier» vor zwei Jahren den Club zum Kochen.

Im Januar hatte es ihm DJ Robin Schulz gleichgetan, bevor er diesen Sommer die Charts stürmte. Und unter den Gästen tummelte sich mit Eva Padberg auch schon ein Supermodel. Seit drei Jahren lädt die «Kiste» nun schon zum Tanzen ein. Dass Jorin Schmitz, Marc Huber und Renato Binder mit ihrem Club Erfolg haben könnten, daran hat am Anfang noch so mancher gezweifelt.

Damals munkelte man in Baden, die Szene für elektronische Musik sei in der Stadt zu klein, um an allen Wochenenden einen Club füllen zu können. «Im Nachhinein müssen wir sagen, es war ein mutiger Schritt», sagt Schmitz. «Für uns war es positiv, dass wir ohne grosses Vorwissen und unverbraucht in die Club-Szene eingestiegen sind», meint er. «Wir machten einfach – ohne gross zu überlegen», ergänzt Huber.

«Da wir ganz auf elektronische Musik setzen, bilden wir auch keine direkte Konkurrenz zu den anderen Clubs in der Stadt.» Unterdessen bestehe das Stammpublikum nicht nur aus Badener, auch Stadtzürcher würden regelmässig in der «Kiste» abtanzen.

Lärmbeschwerden im Griff

Unterdessen sind die drei Jungs ein eingespieltes Team, und auch die Lärmbeschwerden haben sie im Griff. «In der ersten Saison gab es vereinzelt Reklamationen», sagt Binder. «Deshalb haben wir beispielsweise die Fenster zugemauert und Schallisolationen eingebaut.» Die lärmtechnischen Optimierungen zeigten Wirkung: «Seit über zwei Jahren hat sich niemand mehr beschwert.»

Bei den zugemauerten Fenstern ist es nicht geblieben: Die untere Tanzfläche, auf der die härteren Bässe dominieren, ist in diesem Jahr wieder ganz verändert worden: «Wir haben auf dem Main Floor neue Wände reingezogen. Der Raum wirkt so wie ein Labyrinth», sagt Schmitz. «Wir stecken viel Herzblut in die Dekoration und ändern sie alle paar Wochen. So können die Gäste immer wieder Neues entdecken.»

Im Moment stehen im Fumoir, in dem die DJs vor allem melodiösere Musik spielen, beispielsweise kleine Schirmlampen neben den Plattentellern. Darüber hängen glitzernde Ketten, alte Reisekisten dienen als Abstellflächen für Getränke und alle drei Monate muss ein neuer Orientteppich aus dem Brocki her. Die einzige Konstante: das Wandbild des Badener Künstlers Jan Eichenberger. «Kunst ist ein wichtiger Teil des Clubs – sie macht ihn einzigartig.»

Bald auch Konzerte im Club

Wie die Deko wird auch das Programm laufend angepasst. Neu in dieser Saison: die eigene Party-Reihe «Kistenschlacht» oder die Kinderdisco am Samstagnachmittag, an der die Jüngeren mit ihren Eltern zu etwas leiserer Musik als normal tanzen können. Zudem wollen die «Kiste»-Chefs das Live-Programm ausbauen. Neben den «Metronom Live»-Abenden, an denen die Künstler ihre Beats zum Teil mit Instrumenten unterlegen, sind mehrere Konzertabende in Planung.

Auch ausserhalb des Clubs setzen sie sich für Veränderungen ein: So sammelten sie Unterschriften für die Tanzverbot-Initiative, welche die frühe Polizeistunde an hohen Feiertagen abschaffen will. «Das Tanzverbot passt nicht in unsere moderne Zeit», sagt Schmitz. «Auch die Sperrstunde ist veraltet. In Zürich können die jungen Menschen so lange in guter Gesellschaft tanzen, wie sie wollen. Das Bedürfnis ist da.» Und Huber ergänzt: «Im Aargau sind um 4 Uhr auf einen Schlag 300 Menschen auf der Strasse, wenn die Clubs schliessen.»

Da sie um diese Zeit noch keinen Bus nach Hause hätten, seien all diese Partygäste nachher in den Städten unterwegs. «Und das wegen einer beziehungsweise zwei Sperrstunden. Das ist doch unsinnig.» Wären die Clubs unbeschränkt offen, würden die Gäste in kleinen Gruppen nach und nach den Club verlassen, ist Binder überzeugt.

Metronom Live

Heute ab 23 Uhr, Patrick Chardronnet (Höfen, DE), Pasci (Zürich), Michal Ho (Zürich), Schnauz (Baden), «Kiste», Baden.

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