Würenlos
Tausende Unterschriften gegen geplante Aushub-Deponie – «So ein Vorgehen ist verwerflich»

Massiver Widerstand gegen die Aushub-Deponie Steindler/Teufermoos: Das Aargauer Baudepartement wird geflutet mit Tausenden von kritischen Eingaben zur Vernehmlassung. Die Gegner kritisieren nicht nur den Gemeinderat von Würenlos massiv.

Philipp Zimmermann
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Reto Dürler (Gemeinderat Otelfingen), Martin Schlatter (IG, Otelfingen), Roger Moser (IG, Otelfingen), Robert Blarer (IG, Würenlos), Simone Weyermann (IG, Otelfingen) und alt SVP-Nationalrat Ernst Schibli (IG, Otelfingen) übergeben 1837 Unterschriften gegen die Aushub-Deponie Steindler in Würenlos einem Vertreter der Abteilung Raumentwicklung des Departement Bau, Verkehr und Umwelt in Aarau.

Reto Dürler (Gemeinderat Otelfingen), Martin Schlatter (IG, Otelfingen), Roger Moser (IG, Otelfingen), Robert Blarer (IG, Würenlos), Simone Weyermann (IG, Otelfingen) und alt SVP-Nationalrat Ernst Schibli (IG, Otelfingen) übergeben 1837 Unterschriften gegen die Aushub-Deponie Steindler in Würenlos einem Vertreter der Abteilung Raumentwicklung des Departement Bau, Verkehr und Umwelt in Aarau.

Britta Gut

Ernst Schibli (SVP) war von 1982 bis 2010 Gemeindepräsident von Otelfingen und rund zwölf Jahre lang, bis Ende 2015, Nationalrat. Wegen der geplanten Deponie Steindler ist er zurück auf der politischen Bühne. Der Zürcher führte die Delegation einer Interessengemeinschaft an, welche am Mittwochmorgen beim Aargauer Baudepartement in Aarau 1837 ablehnende Eingaben zur Vernehmlassung einreichte.

Die Frist für die Eingabe läuft am Freitag ab. "Bis dann werden es 2000 Eingaben sein", sagte Schibli. Nicht mitgezählt sind all jene, die per Post oder Online eingereicht werden. Christoph Bürgi von der zuständigen Abteilung Raumentwicklung, der die Eingaben entgegennahm, konnte noch keine Zahlen nennen. Die Exponenten der "IG Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos" gehen von mehreren Tausend aus. Sie haben in den vergangenen Wochen stark mobilisiert. In Würenlos (6500 Einwohner) und im benachbarten Otelfingen (3000 Einwohner) stehen an den wichtigsten Verkehrspunkten unübersehbare Blachen, die vom Widerstand künden:

zvg

Wildschutzkorridor gefährdet

"Der Widerstand von der Bevölkerung ist sehr gross, im ganzen Furttal sowie in Würenlos selbst", sagte Schibli. Die IG wisse aber auch von vielen Leuten in Wettingen, welche die Deponiepläne nicht verstehen würden. Es sind mehrere Punkte, welche die Deponie-Gegner nicht nur ablehnen, sondern auch verärgern. Das Deponie-Gebiet im Steindler/Teufermoos sei landschaftlich sehr wertvoll und werde viel genutzt. Die Deponie würde die Senke vom Teufermoos in einen 20 Meter hohen, weitherum sichtbaren Hügel verwandeln, der den Blick vom Gebiet Steindler nach Otelfingen sowie in umgekehrter Richtung versperre.

Betroffen sei auch ein Schutzgebiet mit einem Wildschutzkorridor. Dieser sei zwar nur im Kanton Zürich eingetragen, führe aber auch durch Aargauer Gebiet. "Wer eine solche Deponie vor der Haustüre einer Gemeinde plant, der ist weiss Gott kein Fachmann", sagt Schibli.

Gross ist der Ärger im Otelfingen über den Gemeinderat von Würenlos, den Planungsverband Baden Regio sowie die Dereba AG, welche die Deponie betreiben würde. "Sie wollten die Bevölkerung umgehen, indem sie die Deponie erst im Richtplan festsetzen und erst danach öffentlich informieren", sagt Schibli. Das widerspreche einem Leitfaden des Kantons zur Evaluation von Deponien.

Ärger auch über Zürcher Regierungsrat

Der Otelfinger Gemeinderat Reto Dürler ergänzt: "Wir haben von den Deponieplänen nicht von offizieller Seite erfahren, sondern erst durch die IG. So ein Vorgehen ist verwerflich. So geht man nicht mit guten Nachbarn um." Zumal die nächsten Gebäude nur zirka 250 Meter von der geplanten Deponie entfernt seien und die Otelfinger Bevölkerung auch mit Lärm und Staub eingedeckt werde.

Dürler spricht auch von einem Eigeninteresse, das im Spiel sei. Der Betreiber der geplanten Deponie sei Mitglied der Planungsgruppe. "In der Privatwirtschaft wäre so etwas undenkbar." Doch Otelfingen vermisst auch die Unterstützung vom Zürcher Baudepartement mit Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) an der Spitze. "Wir als Gemeinde werden vom Kanton allein gelassen. Das ist nicht akzeptabel."

"Irreführender Projektname"

Robert Blarer gehört der IG als Würenloser an. Er verweist auf den "irreführenden Projektnamen". Ein grosser Teil der Deponie liege im Teufermoos und nicht im Gebiet Steindler. "Ein Moos wollte man wohl nicht im Namen, um die Leute aufzuschrecken", sagt er. Blarer verweist auf den Wildtierbetand im angrenzenden Birchwäldli. Dieser würde durch die massiven Landaufschüttungen der Deponie, die während neun Jahren geplant sind, verschwinden - und nicht mehr zurückkehren. "Das ist eine Utopie."

Als Würenloser Einwohner nennt Blarer auch die Verkehrssituation als wesentlichen Punkt für seine Ablehnung. "Wir haben schon heute eine extreme Verkehrsbelastung. Wenn der Gubrist verstopft ist, fährt alles durch unser Dorf. Der Stau im Furttal reiche dann von Otelfingen bis nach Buchs." Für ihn sei klar, dass ein Teil der 144 Lastwagenfahrten, welche die Deponie täglich anfallen würden, durch das Dorf verkehren würden. "Würenlos trägt mit einer Kiesgrube schon genug Emissionen. Das reicht."

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