Es war an einem Winterabend 1972 im Untergrund der Schulanlage Margeläcker, im Wettinger Jugendhaus. Mit meinen 17 Jahren ging ich mit Kollegen zur Premiere einer Blues-Band. Damals gab es unter Jungen zwei Stil-Richtungen: Beatles oder Stones. Und da die Rolling Stones doch auch dem Blues gefrönt hatten, vermochte dieser Stil, der ansonsten mit schwarzen Musikern in den USA verbunden wurde, auch Stones-Fans zu fesseln. Da war auch noch der Brite John Mayall als echter Blueser, doch in der Schweiz gab es kaum Bluesmusiker. Ausser die Band Freeway 75, die im Spinnerei-Areal probte, mit den drei Wettingern Röbi «Goofy» Egloff (Sänger), Felix «Stix» Steiger (Keyboard), Philipp Winiger (Schlagzeug) sowie den drei Zürchern Dinu Logoz (Gitarre, Blues Harp), Bernie Wenger (Blockflöte, Gitarre) und Andy Casagrande (Bass).

Eine Riesenstimmung herrschte, und «der kleine Goofy» – der den Übernamen von seinem grossen Bruder «erbte» – beeindruckte nicht nur mit seiner Grösse und seiner Afro-Look-Frisur, wie sie damals auch Bob Dylan oder Jimi Hendrix hatten, sondern vor allem mit seiner rauen Stimme. «Ja, die Bluesmusik verfolgt mich nach wie vor», sagt Röbi Goofy Egloff rund 45 Jahre später. So ist es inzwischen auch zu mehreren Comebacks gekommen, das letzte an der Badenfahrt auf der Bluesbühne unter dem Titel «Swiss Blues Legends». Die Comebacks hat Egloff jeweils mit Dinu Logoz, welcher der Musik treu blieb, aufgezogen.

Noch lieber Coach als Akteur

Wenige Jahre später – die Band löste sich 1975 wieder auf – sah ich Egloff erneut auf der Bühne, und zwar 1977 beim Badenfahrt-Festspiel «Siegawyn und Ethelfrieda», in seiner Rolle als Weisser im Team der Badener Maske, die eine Art Vorbühne bespielte. Kurze Zeit später zog es ihn beruflich ein erstes Mal in die USA, wo er als europäischer Leadsänger gar in eine 15-Mann-Bluesband berufen wurde. Zweimal insgesamt weilte Egloff für mehrere Jahre in den Staaten.

Die Bühne hatte es ihm schon immer angetan. Egloff erinnert sich an seine erste Rolle als Schauspieler in der 4. Bez. In Dürrenmatts «Prozess um des Esels Schatten» spielte er den Richter. «Ich hatte nie Mühe mit Bühnenpräsenz und bin gerne vor Publikum», gesteht Röbi Egloff. Schon sehr bald habe er gespürt, dass er lieber Menschen coache, darum habe er den Platz auf der Bühne mit dem Regiepult getauscht. «Es gibt viele bessere Schauspieler», fügt er lachend an, zum Beispiel seine Tochter Isabelle (27), erklärt er mit Stolz, die ebenfalls schon in Stücken spielte, bei denen der Vater Regie führte.

Und dann sogar ein Musical

Röbi Egloff hat mit der eigenen Truppe wie auch als Gastregisseur – kürzlich für das Festspiel «777 Jahre Scherz» – schon viele Stücke inszeniert. Er erinnert sich gerne an die Zusammenarbeit mit dem Badener Buchhändler und Stadtpoeten Franz Doppler, der zahlreiche Texte für sein Theater schrieb. «Das waren Stücke von Oscar Wilde oder von Goldoni, die kaum ein anderer wie Franz so treffend ins Deutsche oder Schweizerdeutsche übertragen konnte», sagt Egloff. Da war die Aufführung «Campiello» in der Niklausstiege, gewachsen aus einer spontanen Idee, oder an der Badenfahrt 2007 «Weisch wie heiss!», womit sich Egloff sogar an ein Musical heranwagte mit Musik von Eros Ramazzotti. «Musik und Theater zusammenzubringen, war schon immer mein Traum.» Nachdem er mit Marco Squarise an der Badenfahrt 1987 auf einer Bühne über der Limmat den «Humphrey Bogart» inszeniert hatte, wollte er an einer späteren Badenfahrt nochmals ein Musical auf die Limmat bringen, kam jedoch mit seiner Idee beim Komitee nicht durch.

Der gebürtige Wettinger mit Niederrohrdorfer Wurzeln, der mit Ruth eine waschechte Badenerin geheiratet hat und seit langem mit der Familie in Ennetbaden wohnt, engagiert sich leidenschaftlich gerne als Coach. Das war schon damals beim Landhockey so. «Ich war wohl als Spieler zu wenig talentiert, darum suchte ich meine Rolle am Spielfeldrand», sagt Egloff. Er trainierte früher Juniorenmannschaften, und unlängst nahm er für Rotweiss Wettingen Einsitz als Finanzchef im Landesverband der Hockeyaner.

Auch in seiner beruflichen Tätigkeit im Bereich der Berufsbildung begleitete er junge Menschen auf ihrem Weg. Daraus ist eine Familien-GmbH entstanden, die sich für mehrere Bildungsinstitute engagiert und in der auch etwa Isabelle und Sohn Lukas (20) aushelfen konnten. Zusammen mit seiner Frau baute Röbi Egloff die «Schule für Förderkurse» in Zürich auf. Er führte den pädagogischen Bereich, während seine Frau Ruth in der Administration dafür sorgte, dass alles funktionierte. «Das ist auch in der Theatertätigkeit so und in unserem gemeinsamen Leben genau gleich», sagt Egloff und fügt lachend hinzu, dass er wohl ohne seine Ruth nicht funktionieren würde. Seit über 15 Jahren ist Egloff künstlerischer Leiter vom «Theater in Baden», das Anfang 2018 einen weiteren «Wachtmeister Studer»-Roman von Friedrich Glauser auf die Bühne bringt, diesmal im Saal des Limmathofs.

Wer ein Theater aufführen möchte, der ist bei Röbi Egloff an der richtigen Adresse, zumal er sich eben leicht für eine weitere Regiearbeit überreden lasse, «nicht immer zur grossen Freude meiner Frau», fügt er mit einem Augenzwinkern an. Und letztlich ist da noch Ogna, die Berner Sennenhündin, die Hunderasse, die seit Jahren ebenfalls zur Familie Egloff gehört. Sie hält Röbi manchmal dazu an, es ebenfalls etwas gemütlicher zu nehmen.

Zurückschalten – nur mit Mühe

Einen Gang zurückschalten, das fällt Egloff nicht leicht, und doch versucht er es seit einiger Zeit. Das war früher doch anders. Wenn ein interessantes Engagement auf ihn wartete, packte er an. So wurde er als Wettinger in den Brödlirat der Spanischbrödlizunft Baden berufen. Erst schlüpfte er einige Mal in die Rolle des Torwächters Silbereysen an der Cordulafeier. Dann übernahm er in der Not für zwei Jahre das Amt des Brödlimeisters. In seiner Ära begannen Zunft und Vereinigte Fasnachts-Gruppen, Baden an der Fasnacht zu kooperieren.

Baden blieb für ihn wie seine Frau Ruth das Zentrum des kulturellen und überhaupt des Geschehens in der Region. «Der Stadtturm war für mich immer auch das Zentrum von Wettingen und Ennetbaden», sagt Egloff. Das sei an der Badenfahrt so, an der Fasnacht sowie beim Ausgehen in der Region. Trotz Wettinger Ursprungs und Ennetbadener Wohnsitz würde er den Zusammenschluss zur Regionalstadt begrüssen. «Darum bin ich Mitglied des Vereins Traktandum 1», so Egloff.

Inzwischen ist Egloff 67 Jahre. Zurücklehnen indes ist für ihn eher ein Fremdwort. Dennoch gönne man sich etwas mehr Ferien, sei es auf einer griechischen Insel oder im Engadin. «Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Ferien etwas länger werden», meint Egloff. Und wenn wieder einmal eine Theateranfrage ins Haus stehe, dann werde er das sicher mit seiner Frau Ruth (60) besprechen. «Es ist schön, wenn man langsam beginnen kann, seine Freizeit besser zu planen», sagt Röbi Egloff und schmunzelt dabei. Denn die nächste spannende Anfrage für eine Bühnenaufführung dürfte ihm gewiss sein.