Vor 30 Jahren
Teamsitzungen im «Metropol»: Als der FC Baden in der Nati A spielte

Der 19. Juni 1985 ging als grösster Erfolg in die Vereinsgeschichte ein: Der FC Baden stieg in die Nati A auf. Zwar spielte der FC Baden 1985/86 nur eine Saison in der Nationalliga A. Trotzdem erinnert sich der damalige Präsident Roland Wunderli gerne zurück – vor allem an die Derbys gegen Wettingen.

Martin Rupf
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Roland Wunderli (l.) überreicht Stadtammann Sepp Bürge einen Wimpel.Archiv
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Nati-A-Team des FC Baden 1985/86 Hintere Reihe (von links): Roberto Di Muro, Peter Humbel, Rafael Benz, Martin Rauber, Armin Rindlisbacher und Vittorio Allegretti. Mittlere Reihe: Präsident Roland Wunderli, André Wahrenberger, Horst Aubrun, Andi Keller, Andi Meier, Mike Van Der Horst, Bruno Misteli, René Müller, Herbert Skok (Betreuer) und Masseur Kari Küng. Vordere Reihe: Sergio Bettin, Andi Egli, Francesco Delvecchio, Trainer Oldrich Svab, Paul Camenzind, Fritz Siegrist, Urs Tillessen.
Berichterstattung über den Aufstieg des FC Baden
Berichterstattung über den Aufstieg des FC Baden
Berichterstattung über den Aufstieg des FC Baden

Roland Wunderli (l.) überreicht Stadtammann Sepp Bürge einen Wimpel.Archiv

Genau heute vor 30 Jahren machte der FC Baden mit einem 4:1-Sieg gegen den FC Martigny-Sports den Aufstieg in die Nationalliga A und somit den grössten Erfolg seiner Vereinsgeschichte perfekt. Am Folgetag widmete das «Badener Tagblatt» diesem Erfolg gleich eine Sonderbeilage. Und auf der Front würdigte der heutige Verleger Peter Wanner den Aufstieg und schrieb in seinem Kommentar unter anderem: «Gelingt es, im Rahmen eines vorgegebenen vernünftigen Budgets die Mannschaft für die nächste Saison mit zwei, drei zugkräftigen Spielern (bitte keine verwöhnten Stars!) zu verstärken, dann scheinen die Chancen gar nicht so hoffnungslos, den Verbleib in der obersten Spielklasse zu sichern.»

Hautnah dabei war auch Roland Wunderli, der den FC Baden von 1983 bis 1988 präsidierte. Die Erinnerung an damals ist noch ganz frisch: «Am 19. Juni 1985 schafften wir den Aufstieg mit einem 4:1-Sieg gegen Martigny auf dem ‹Scharten› vor 2400 Zuschauern klar.» Die Anspannung sei schon sehr gross gewesen, «weil wir wussten, dass wir nur mit einem Sieg aufsteigen», so Wunderli. Nach dem Spiel sei auf dem Cordulaplatz und in der Tunnelgarage ein grosses Fest gestiegen – inklusive Freinacht.

Sieg gegen den späteren Meister

Bald danach begannen die Vorbereitungen auf die Nationalliga-A-Saison. Und dies mit fast unveränderter Mannschaft. «Das Jahresbudget betrug in der Nationalliga A rund 800 000 Franken. Als sich der Aufstieg langsam abzeichnete, sagten wir den Spielern: Ihr könnt in der Nationalliga A spielen, aber zum gleichen Lohn», so Wunderli. Fast alle Spieler seien auf das Angebot eingestiegen. «Unser Ziel war es natürlich schon, möglichst lange oben zu bleiben. Vor allem aber wollten wir keine finanziellen Eskapaden eingehen», erinnert sich Wunderli. Aus dem Ligaerhalt wurde jedoch nichts. Nach nur einer Saison stieg der FC Baden wieder in die Nationalliga B ab. Und doch gelang ein kleiner Coup: «Wir gewannen zwar nur ein Spiel. Dafür ausgerechnet gegen den späteren Meister YB, auswärts im legendären Wankdorf – es war die einzige Heimniederlage für YB.» Und auf noch eine Tatsache ist Wunderli stolz. Auch Mitaufsteiger Grenchen spielte nur eine Saison oben und musste dann wieder absteigen. Badens Bilanz: 8 Punkte, 60 000 Franken Gewinn. Grenchens Bilanz: 16 Punkte, 1 Million Franken Schulden.

Trotz des direkten Wiederabstiegs denkt Wunderli gerne an die einzige Nationalliga-A-Saison zurück. «Das waren noch Zeiten. So fanden etwa die Teamsitzungen vor den Spielen jeweils in der Kegelbahn im Restaurant Metropol statt.» Als Highlights erwähnt Wunderli die Derbys gegen den FC Wettingen auf dem «Scharten». «Rund 5000 Zuschauer verfolgten jeweils die beiden Spiele, das war eine unglaubliche Stimmung.» Damals sei die Rivalität sehr gross gewesen, die beiden Vereine hätten sich nichts gegönnt. Das allerletzte Spiel in der Nationalliga A – der Abstieg war längst Tatsache – verpasste der Präsident hingegen, weil er geschäftlich in England weilte. «Als mir mein damaliger Vize Alfred Isch per Telefon mitteilte, dass man noch ein 1:1-Unentschieden gegen Servette herausgeholt habe, war mein erster Gedanke: Nein, jetzt müssen wir noch Punkteprämie zahlen», sagt Wunderli und lacht. Nebst den sportlichen Highlights ist Wunderli vor allem ein Erlebnis in guter Erinnerung geblieben: Ende Oktober wurde die ganze Mannschaft vom Badener Stadtrat im Tagsatzungssaal empfangen. Wunderli: «Das war für uns natürlich eine grosse Ehre und Wertschätzung für unsere sportlichen Erfolge.»

Berichterstattung: «Vorne ist in dieser Elf zu wenig drin»

Die Sportredaktion des «Badener Tagblatts» hatte vor 30 Jahren viel zu schreiben, spielten doch gleich drei Aargauer Mannschaften in der Nationalliga A. «Vito Allegrettis Supertreffer waren so schön, dass man am liebsten von einem Hattrick spräche.» Mit diesen Zeilen begann der Matchbericht von Sportredaktor Alfred Staubesand einen Tag nach dem Aufstieg in die Nationalliga A. Man werde mit diesem Team in der obersten Liga nicht auf verlorenem Posten stehen, prophezeite der Journalist. Am 8. August 1985 berichtete das «BT» auch über das erste Nationalliga-A-Spiel des FC Baden gegen den amtierenden Schweizer Meister Servette Genf, das zu Hause 1:4 verloren ging. «Der Meister liess sich vor 4000 Zuschauern auf dem ‹Scharten› durch taktische Tricks nicht beirren. Im Gegenteil: Nach elf Minuten war Baden praktisch schon geschlagen.» Am 21. August dann die Berichterstattung über das Spiel gegen den Kantonsrivalen FC Aarau, das Baden auswärts mit 0:4 verlor. «Baden machte moralisch einen gesunden Eindruck, doch spielerisch, technisch und taktisch war es klar unterlegen und zeitweise fast amateurhaft», stand wenig schmeichelhaft geschrieben. Ende August dann das Spiel gegen den Mitaufsteiger FC Grenchen, das in einer 1:6-Pleite endete: «Badener wie am Bäderfest – wirkungslos – geschröpft», lautete denn auch der Titel. Und weiter: «Ja, die Solothurner erteilten den Badenern im wahrsten Sinne eine Lektion.» Dann Anfang September das erste Lokalderby gegen den FC Wettingen, das 0:5 endete. «Die siebte Niederlage des NLA-Neuling Baden kündigte sich gestern Abend auf dem ‹Scharten› früh an. Den Badenern fehlt es gewiss nicht am guten Willen und am Eifer . . . und dass vorne zu wenig drin ist in dieser Badener Elf, das weiss man nun wahrlich nach sieben Spielen.» (mru)