Baden

Tempo 30 auf Kantonsstrassen wird zum Thema

Der Verkehr auf den Kantonsstrassen (hier die Mellingerstrasse) belastet die Lebensqualität.

Der Verkehr auf den Kantonsstrassen (hier die Mellingerstrasse) belastet die Lebensqualität.

Die Grünen sehen die limitierte Geschwindigkeit als kostengünstigste Massnahme im Kampf gegen Strassenlärm. Tempo 30 soll den Lärm in den Quartieren entlang der Innerortsabschnitte der Kantonsstrassen reduzieren.

Noch geht es nur um eine Anfrage, mit der Beatrice Schilling, Einwohnerrätin und Präsidentin der Grünen Baden, an den Stadtrat gelangt. Der Vorschlag ist dennoch deutlich hörbar: Mit Tempo 30 möchten die Grünen den Lärm in den Quartieren entlang der Innerortsabschnitte der Kantonsstrassen reduzieren. Das sei erst noch kostengünstiger.

Motorisierter Verkehr macht Lärm

«An den Kantonsstrassen in Baden werden sowohl die Immissionsgrenzwerte als auch die Alarmwerte überschritten», zitiert Beatrice Schilling aus dem städtischen Umweltbericht 2010, der ein ganzes Kapitel der Lärmsituation widmet. Da in Baden der motorisierte Verkehr die bedeutendste Lärmquelle ist, müssten laut Schilling insbesondere zwei Leitsätze des Umweltberichts beachtet werden: Der Verkehr soll gelenkt und wo nötig beschränkt werden; dabei ist er auf die Hauptachsen zu leiten. Oder man beruhigt den Verkehr. Und falls diese Massnahmen nicht ausreichen, kommen entlang der Strassen Schallschutzfenster zum Einsatz.

Der Kanton ist verpflichtet, bis ins Jahr 2018 entlang der Kantonsstrassen die Lärmsituation zu verbessern. Dabei fallen auch für die Stadt Baden laut Umweltbericht an den Innerortsstrecken namhafte Kosten an. Schilling weist darauf hin, dass vom «gebundenen Beitrag» von 200000 Franken für Lärmschutzmassnahmen an Kantonsstrassen, den der Einwohnerrat im Oktober 2009 genehmigte hatte, im Jahr 2010 nur 72000 Franken verwendet worden seien. Grund: Es müssen erst noch die Lärmgutachten erstellt werden.

Wie hoch sind die Kosten?

Schilling will vom Stadtrat wissen, mit welchen Kosten die Stadt Baden für die gesamte Lärmsanierung an den Kantonsstrassen zu rechnen habe, welche Massnahmen geplant seien und ob diese bereits in den Verkehrsprojekten von «Baden Zentrum» (Neugestaltung Schulhausplatz plus Teilprojekte) berücksichtigt würden. Tempo 30 sei wirksam und kostengünstig, um den Lärm zu reduzieren, auch auf Kantonsstrassen, ist Schilling überzeugt. Das möchte sie vom Stadtrat gern bestätigt haben.

Das Thema Tempo 30 polarisiert. In Wohnquartieren hat sich die Massnahme etabliert, auf Kantonsstrassen hingegen ist sie noch nicht ganz salonfähig, selbst auf Innerortsstrecken nicht. In Baden fährt man zwar zu Spitzenzeiten mit dem Auto auf der Brugger- wie auf der Mellingerstrasse, der meistbefahrenen aargauischen Kantonsstrasse, ohnehin kaum schneller als mit 30 Stundenkilometern. Dennoch: Tempo 30 auf Kantonsstrassen mit allen Konsequenzen ist in jüngster Vergangenheit immer umstritten gewesen und dürfte auch in Baden Widerstand auslösen.

Bundesgerichtsurteil wegweisend

Seit 2004 hat Köniz im Stadtzentrum Tempo 30 auf der Kantonsstrasse. Der Erfolg sei da, die Diskussionen seien längst verstummt, heisst es. Spätestens seit dem Bundesgerichtsurteil vom vergangenen Jahr im Fall Münsingen (TCS-Beschwerde abgewiesen) ist Tempo 30 auf Kantonsstrassen ohnehin kein Tabu mehr.

Lukas Fischer, Projektleiter für Strassenraumgestaltungen bei der Metron, bestätigt, dass Tempo 30 bei der Gestaltung von Ortsdurchfahrten fast immer aufs Tapet komme. Es entspreche dem Bedürfnis eines grossen Teils der Bevölkerung. Ebenso würden Untersuchungen zeigen, dass damit nicht nur die Zahl der Unfälle und Verletzten reduziert werden kann, sondern auch der Lärm.

«Mit der Umsetzung ist man bei uns noch nicht so weit», sagt Fischer. Beim Kanton gebe es bei den Verkehrsplanern und der Polizei noch zu viele Vorbehalte. Darum weiche man vielfach auf bauliche Massnahmen aus, mit denen man die gefahrene Geschwindigkeit ohne Tempo-Signalisation reduzieren könne.

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