Wettingen
Teppichhändler auf Abwegen - als Trickbetrüger unterwegs

Mit erfundenen Geschichten hat ein Aargauer Teppichhändler einen Senior und ein betagtes Ehepaar um rund 100 000 Franken betrogen. Dank Geständnis und Einsicht kam der Täter mit einer bedingten Freiheitsstrafe davon.

Attila Szenogrady
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Keystone

Der 43-jährige Angeklagte aus Wettingen hatte sich vor dem Bezirksgericht Zürich zu verantworten. Er habe gezielt ältere Menschen ausgenommen, erklärte der Gerichtsvorsitzende Philippe Ernst. Der Beschuldigte arbeitete über mehrere Jahre hinweg als Teppichhändler, bis er sich Ende 2006 den berüchtigten Enkeltrickbetrügern anschloss.

Der Angeklagte suchte sich im Frühling 2007 zuerst einen 77-jährigen Zürcher als Opfer aus. So baute er zunächst ein Vertrauensverhältnis zu ihm auf. Bis er eines Tages den Senior um einen grossen Geldbetrag bat und erklärte, dass sein Vater und sein Grossvater im Iran in einem Gefängnis inhaftiert seien. Mit einem Lösegeld könnte man seine Verwandten freikaufen, erzählte er.

Die Mitleidsmasche war erfolgreich: Der Geschädigte übergab dem Beschuldigten in mehreren Tranchen insgesamt 70000 Franken. Darauf tauchte der Angeklagte unter und konzentrierte sich auf ein betagtes Ehepaar aus Birrhard. Diesmal führte er seine angeblich schwangere Tochter als in Teheran inhaftierte Person an. Die Eheleute glaubten die schreckliche Geschichte und überwiesen über 25000 Franken.

Beute für den Hausbau verwendet

Fest steht, dass der Angeklagte einen Grossteil seiner Beute für einen Hausbau in Wettingen verwendete. Im August 2009 war es aber vorbei. Ein Versuch, den ersten Geschädigten um weitere 45000 Franken zu prellen, misslang gründlich. So fiel den Angestellten einer UBS-Filiale auf, dass etwas mit dem von einer Roma-Frau bedrängten Rentner nicht stimmen konnte. Sie verständigten die Polizei, welche den Aargauer und seine Komplizin festnahm.

Milde dank Reue und Einsicht

Vor Gericht hinterliess der Angeschuldigte einen verhältnismässig guten Eindruck. So zeigte er nicht nur Reue und Einsicht, sondern entschuldigte sich auch bei seinen Opfern. Hinzu kam, dass er seit der Tat regelmässig Geldbeträge zurückzahlt. So soll er bereits 14000 Franken als Wiedergutmachung überwiesen haben.

Der Staatsanwalt verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Der Verteidiger setzte sich für zwölf Monate bedingt ein. Das Gericht setzte zum Schluss 20 Monate bedingt fest und hielt dem Angeschuldigten seine Rückzahlungen zugute. Was bei Wirtschaftsdelikten eher selten vorkomme, sagte der Vorsitzende.

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