Würenlos
Teuflisches Theaterstück spielt Defizit von 150000 Franken ein – wer zahlts?

Sämtliche Vorstellungen von «Die Teufelsuhr» im Steinbruch in Würenlos waren bis auf den letzten Platz besetzt. Trotzdem steht die Theater Gemeinschaft vor einem Problem: Die Kosten überwiegen die Einnahmen bei weitem.

Dieter Minder
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2013 war die Würenloser Theaterwelt noch in Ordnung: Auf der Bühne im Steinbruch probten die Schauspieler.

2013 war die Würenloser Theaterwelt noch in Ordnung: Auf der Bühne im Steinbruch probten die Schauspieler.

AZ Archiv

Die zehn Vorstellungen des Theaterstücks «Die Teufelsuhr», im Steinbruch Würenlos, waren ein Erfolg. «Alle Vorstellungen im Sommer 2013 waren ausverkauft, die Besucherzahlen lagen über den Erwartungen», sagt Sigi Zihlmann, Präsident der Theater Gemeinschaft Würenlos (TGW). Doch damit enden die positiven Nachrichten: In der Kasse der TGW klaffte Ende 2013 ein Loch von rund 150 000 Franken und dies bei einem Umsatz von rund 600 000 Franken.

Ursprünglich sollte die «Teufelsuhr» im Spätsommer 2012 aufgeführt werden. Weil aber im selben Jahr das Stadtfest Baden und das Dorffest Würenlos stattfanden, verschob die TGW ihre Aufführung um ein Jahr. «Das kostete uns rund 70 000 Franken», sagt Zihlmann. So mussten den fünf vertraglich gebundenen Profi-Schauspielern Ausfallhonorare bezahlt werden.

«Die Teufelsuhr»

Das Stück «Die Teufelsuhr» hat die Würenloser Ehrenbürgerin Silja Walter geschrieben. Es nimmt die Zeit der Glaubensspaltung auf, als die Würenloser in Reformierte und Katholiken getrennt waren und das Kloster Wettingen noch grossen Einfluss auf die Dorfgemeinschaft nahm. Erstmals wurde es an der 1100-Jahr-Feier im Jahr 1970 aufgeführt. Die Musik stammt von George Gruntz. (DM)

Der Vorstand passte die Organisation an – trotzdem stieg das Defizit weiter. Wieder lagen die Personalkosten über dem Budget. Die Schauspieler benötigten 50 statt der vorgesehenen 25 Proben und das Orchester wurde um fünf Profi-Musiker verstärkt. Die Kostüme konnten nicht, wie erhofft, von der Theatergesellschaft Stein am Rhein übernommen werden: «Wir mussten eigene schneidern lassen.» Teuer waren auch die technischen Anlagen, wie die Bühne und die Beleuchtung.

Zudem musste der Regisseur ausgewechselt werden. «Das war ein Glück. Jean Grädel hat das Stück sehr gut inszeniert.» Die verschiedenen Posten summierten sich bis Ende 2013 zum Defizit von 150 000 Franken. «Inzwischen konnten wir dank der Defizitgarantie der Gemeinde und dem Swisslos-Beitrag Rechnungen in der Höhe von 50 000 Franken bezahlen», sagt Zihlmann. Jetzt seien noch fast 100 000 Franken offen.

Gemeinde soll Bank spielen

Die TGW will das Defizit mit Sponsorenbeiträgen, Spenden und einem Darlehen tilgen. «Wir verhandeln mit der Gemeinde über ein Darlehnen», sagt Zihlmann. Er ist sich aber bewusst, dass momentan kein idealer Zeitpunkt dafür ist. So arbeiten der Gemeinderat und die Finanzkommission an einem Sparpaket, mit dem die Ausgaben der Gemeinde über 300 000 Franken pro Jahr reduziert werden sollen. Es soll in den nächsten Wochen vorgestellt werden, teilt Gemeindeammann Hans Ulrich Reber mit. Zum Fall TGW kann er sich noch nicht äussern.

Von der Situation hat inzwischen auch die Generalversammlung der TGW Kenntnis genommen. Der Mitgliederbeitrag wurde auf 50 Franken festgelegt, früher war er Null Franken. «Damit haben wir ein Zeichen gegenüber den Gläubigern gesetzt.» Ein Risiko für die Vereinsmitglieder bestehe nicht. Die TGW hafte nur mit dem Vereinsvermögen, ergänzt Zihlmann: «Ich habe dies juristisch abgeklärt, nachdem ein Gläubiger mich persönlich belangen wollte.»

Für Peter Früh, den Präsidenten des Kulturkreises Würenlos war das Unternehmen von Anfang an zu gross angelegt: «Die TGW hat Strukturen, die diesem Vorhaben nicht angemessen waren.» Trotzdem stellt er fest: «Letztlich ist der Vorstand schuld an der Situation.» Er habe zu wenig reagiert, als sich der Verlust abzeichnete. «Deshalb wollen wir alles wieder gut machen», verspricht Zihlmann.

Konzert mit Freschta geplant

Er ist überzeugt, dass der Verein die Schulden bezahlen kann. Der Vorstand denke an eine Frist von drei bis fünf Jahren. Als positiv betrachtet er, dass einige Unternehmen kleinere Rechnungen als Spenden verbucht hätten. Zudem plant die TGW ein Benefizkonzert mit der Würenloser Sängerin Freschta. Sie war an der Show «The Voice of Switzerland» des Schweizer Fernsehens aufgetreten.

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