Baden
Theater im Kornhaus: Abstruses um eine gescheiterte Ehe

Lukas Bärfuss’ Stück «Malaga» wird heute als Gastspiel im ThiK aufgeführt. Portraitiert wird ein getrenntes Elternpaar, das sich mit den Schwierigkeiten einer gescheiterten Ehe herumschlägt.

Rosmarie Mehlin
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Zu klischeehaft gespielt: Hanna Scheuring und Alexandre Pelichet.

Zu klischeehaft gespielt: Hanna Scheuring und Alexandre Pelichet.

Simon Egli

Michael und Vera sind getrennt; die siebenjährige Tochter Rebekka lebt bei der Mutter und an zwei Wochenenden pro Monat beim Vater – wie das halt gemeinhin so zu sein pflegt.

Es läuft gut, bis Vera mit ihrem neuen Freund ein Wochenende in Malaga gebucht hat und Michael einen für ihn beruflich wichtigen Kongress in Innsbruck besuchen will – am selben Wochenende, ausgerechnet «seinem» Rebekka-Wochenende.

Vera engagiert Alex, einen jungen Mann aus der Nachbarschaft als Babysitter, und damit wird der banale Alltag einer gescheiterten Ehe zu einem Theaterstück des 43-jährigen Berner Autors Lukas Bärfuss.

2010 hatte er «Malaga» als Auftragsarbeit vom Zürcher Schauspielhaus, wo Bärfuss damals Dramaturg war, geschrieben. In einer Produktion der Kellerbühne St. Gallen ist es, noch heute Abend im ThiK zu sehen. Das Stück, das sich aus einem sumpfigen Boden von Klischees über abstruse Wege aufschwingt in Höhen schräger Absurditäten, hinterlässt den Zuschauer ziemlich ratlos.

Bärfuss’ knappe Dialoge fliegen in wechselnder Formation zwischen Michael, Vera und Alex hin und her wie Pingpongbälle – temporeich und hohl. Der Plot ist weniger überraschend, als bemühend. Die Tragödie um Rebekka, die sich bis zum bitteren Ende mit Pippi Langstrumpf identifiziert, ist reichlich an den Haaren herbei gezogen.

Ganz klar wandelt Bärfuss mit «Malaga» auf den Spuren der französischen Erfolgsautorin Yasemine Reza (u. a. «Der Gott des Gemetzels»). Er bleibt aber weit entfernt von deren packender Dramaturgie und messerscharfen Dialogen. Vor allem die Figuren des Berners sind im Vergleich ohne Charakter, blutleer und konturenlos.

Auch die Aufführung der Kellerbühne St. Gallen vermag nicht zu überzeugen. Matthias Peters Regie erschöpft sich darin, dass er das Klischeehafte der Figuren unterstreicht. Die drei Schauspieler folgen ihm getreu.

Am besten gelingt es Alexandre Pelichet noch, sich etwas zu lösen und dem, zwischen gescheitertem Ehemann, Vater und beruflichen Ambitionen hin- und hergerissenen Michael, ein gewisses Profil zu verleihen. Hanna Scheuring als Vera und Daniel Bühler als Alex hingegen agieren mimisch und gestisch arg schablonenhaft, enttäuschen zudem auch sprachlich.

«Malaga» noch heute 20.15 Uhr im ThiK

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