Mit der Preisverleihung des Grünschnabels 2018 ging am Sonntag das sechstägige Figura Theaterfestival in der Alten Schmiede in Baden zu Ende. Der mit 10'000 Franken dotierte Aargauer Förderpreis für junges Figurentheater ging in diesem Jahr an die Produktion Victoria 2.0 des slowenischen Ensembles Moment Association & GT22. Die Jury war überzeugt von der energiegeladenen Inszenierung über den Umgang mit Leistungsansprüchen in unserer Gesellschaft: «Die Produktion überzeugte durch Witz, darstellerische Vielseitigkeit und den intelligenten Einsatz technischer Mittel.»

Bereits zum 13. Mal stand die Region Baden ganz im Zeichen des Figuren- und Objekttheaters. Vom 12. bis zum 17. Juni verzauberten 36 Produktionen, davon 21 Schweizer Erstaufführungen aus 11 Nationen, die Besucher des Festivals. Eveline Gfeller, die Künstlerische Leiterin, zeigte sich erfreut, wie aufgeschlossen das Publikum für die Darbietungen war. «Das macht auch uns Freude», sagte die Bernerin, «ich darf den Badenern ein Kränzli winden.»

Leute fortschicken müssen

Gfellers Bilanz fällt entsprechend positiv aus. «Die Veranstaltungen waren sehr gut besucht.» Weil vieles Open-Air auf den Plätzen und Strassen der Stadt vorgeführt wurde, liegen noch keine genauen Zahlen vor. «Die Indoor-Produktionen waren grösstenteils ausverkauft», sagt Gfeller, «es kam sogar vor, dass wir Leute wieder fortschicken mussten, weil kein Platz mehr vorhanden war.» Auf der einen Seite sei dies eine Auszeichnung, andererseits löse dieser Vorgang auch immer wieder Bedauern aus.

Viele internationale Branchenkenner lobten Gfeller und ihr Team: Es sei schwer, ein Theaterfestival zu finden, das mit so hoher Dichte und Qualität überzeugen könne. Einige der Produktionen gefielen der breiten Masse, andere sorgten wiederum für viel Gesprächsstoff. «Stücke, die zu Diskussionen anregen, zeigen, dass Interesse am Dargebotenen vorhanden ist», sagt Gfeller. Das Niveau sei generell hoch gewesen, «auch im Wettbewerb», betont die Künstlerische Leiterin. Für den Grünschnabel 2018 waren fünf Teilnehmer aus fünf verschiedenen Ländern nominiert. «So unterschiedlich wie die Länder, so unterschiedlich waren auch diese Produktionen», sagt Gfeller.

In diesem Jahr war das Figura Theaterfestival erstmals Träger des Labels «Kultur inklusiv» von Pro Infirmis. Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen profitierten von den inklusiven Massnahmen. Mehrere Produktionen wurden für Gäste mit Hörbehinderungen in Gebärdensprache übersetzt oder auf Deutsch übertitelt. «Wir wissen zwar noch nicht, wie viele Leute davon profitiert haben, aber wir wollen das in Zukunft ausbauen», sagt Gfeller. Die nächste Ausgabe des Figura Theaterfestivals geht vom 17. bis 21. Juni 2020 über die Bühne.