Oberrohrdorf
Therapie zu gewinnen: Warum ein Aargauer Bub (7) an Wettbewerb einer slowakischen Klinik teilnimmt

Der herzkranke Nael (7) aus Oberrohrdorf macht an einer fragwürdigen Foto-Challenge einer slowakischen Klinik mit, die Therapie-Gutscheine unter Beeinträchtigten verlost. Warum seine Mutter ihn angemeldet hat – und wie die Klinik auf Vorwürfe reagiert.

Drucken
Teilen

Stefanie Steiners Sohn Nael ist herzkrank. Seine linke Herzkammer ist funktionsunfähig. Ausserdem wurde der Siebenjährige aus Oberrohrdorf mit einer verzögerten geistigen und körperlichen Entwicklung geboren. Im Alter von drei Jahren hatte Nael bereits drei Operationen über sich ergehen lassen müssen. «Seine Herzfunktion ist zwar nicht optimal, aber es geht ihm gut und er ist stabil», sagte seine Mutter Mitte Februar zur AZ.

Letztes Jahr reiste Nael für eine Therapie in die Slowakei. Die dortige Klinik verlost nun 15 Therapie-Gutscheine unter den ehemaligen Patienten. Anlass ist das 15-Jahre-Jubiläum. Auch Steiners machen mit. Nael sammelt Likes in einer Foto-Challenge. Wer die meisten Likes erhält, gewinnt einen Gutschein für einen Klinik-Aufenthalt. Nael liegt mit fast 5900 Stimmen (Stand Mittwochnachmittag) auf den vorderen Plätzen.

Seine Mutter überlegte sich lange, ob sie ihren Sohn anmelden soll. Sie entschied sich dafür, weil die Therapie ihm so viel brachte – und weil Krankenkasse und Invalidenversicherung seine Reha nicht bezahlen. Von dem Wettbewerb ist sie aber kein Fan, wie sie gegenüber dem Regional-TV-Sender Tele M1 sagt: «Wenn die Versicherungen zahlen würden, bräuchte es keine solchen Wettbewerbe.» Laut Steiner ist es sehr schwierig, in der Schweiz an eine geeignete Therapie zu kommen. Es heisse oft, man könne auch hierzulande Physio- oder Ergotherapie machen. Diese hätten aber nicht die gleiche Intensität, sagt Steiner.

Die Aargauer Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel lehnt Therapie-Verlosungen in dieser Form ab. Die CVP-Nationalrätin sagt: «Ich finde das ethisch sehr grenzwertig. Wenn eine Klinik mit ihren Therapien wirklich so gut ist, könnte sie die Familien bestimmt motivieren zu zeigen, wie die Therapieerfolge sind.»

Die Klinik weist die Vorwürfe gegenüber Tele M1 zurück: «Warum soll ein Kind mit besonderen Bedürfnissen keine Klicks für sein Foto bekommen? Genau dieses Denken stigmatisiert Menschen mit Behinderungen», schreibt das «ADELI Medical Center». Der Wettbewerb läuft noch eine Woche lang. (mwa)