Baden
Thermalbad: Nach 50 Jahren ist die Badetechnik am Ende

In einer Woche wird das öffentliche Thermalbad im Bäderquartier für immer geschlossen. Nach knapp 50 Jahren ist die Technik des Thermalbades völlig am Ende. Ein Rundgang durch das technische Untergeschoss zeigt: Es wird Zeit.

Roman HUber (Text)und Alex Spichale (Fotos)
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Noch räkeln sich die Badegäste entlang dem Becken, wo durch die Düsen der heisse Thermalwasserstrahl wohltuend auf den Körper schiesst. Doch der Schein trügt.

Ein Rundgang durch das technische Untergeschoss zeigt, dass hier wirklich alles auf dem letzten Zacken läuft. «Es wäre wirtschaftlich am vernünftigsten gewesen, wenn ich das Bad bereits bei der Übernahme vor sechs Jahren geschlossen hätte», sagt Benno Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Verenahof AG. Der vorherige Geschäftsführer habe ihm sogar garantiert, dass dieses Bad nicht mehr länger als ein Jahr betrieben werden könne. Den Badebetrieb aufrechtzuerhalten, habe ihm jährlich Verluste zwischen 500000 und 700000 Franken beschert.

Mit der sofortigen Schliessung hätte Zehnder den vielen Stammgästen, aber auch sich selbst und der Bäderzukunft einen schlechten Dienst erwiesen. Heute würden sich die Gäste mit dem nahenden Ende besser zurechtfinden, so Zehnder. Den Ausschlag zur Schliessung gab der Ausbau der Parkstrasse.

Kampf um gute Wasserqualität

«Die Badewasserqualität ist nach wie vor sehr gut, und das wird sie bis zum letzten Betriebstag sein», sagt Pius Huber, verantwortlich für die Technik. Er erinnert an den Bericht im Kassensturz über Thermalbäder und die Wasserqualität. Das Thermalbad Baden habe gegenüber andern Bädern keineswegs schlechter abgeschnitten. «Bei diesem technischen Stand ist das eine Leistung, die mich stolz machte», fügt Huber an. Die Hygiene sei aus seiner Sicht das Wichtigste für die Badegäste.

Der gelernte Sanitär war der ideale Mann für den schlechten technischen Zustand der Anlage. Huber kam vor drei Jahren hierher und brachte die ganze Technik auf Vordermann. «Die Vorgabe lautete, die Kosten im Griff zu halten. Dazu musste ich einiges revidieren», erzählt Huber. Über Jahrzehnte sei nur das Notwendigste getan worden, weiss der Allrounder, der in seiner Freizeit gerne Häuser umbaut.

Pannenfrei bis zum Schluss

Laut Huber wird das Thermalbad bis in einer Woche pannenfrei funktionieren. «Ich kenne inzwischen die Anlage bis ins Detail. Weil ich weiss, dass alles in Ordnung ist, brauche ich auch in der letzten Woche nicht nervös zu sein.» Neuralgische Stellen der Anlage seien doppelt ausgerüstet. «Wenn eine Pumpe ausfällt, dann kann ich die zweite zuschalten.» Lange liesse sich dieser Zustand nicht mehr verlängern. «Für viele Bestandteile gibt es keinen Ersatz mehr, oder die Lieferfirmen gibt es nicht mehr». Das sei gerade die Herausforderung an diesem Job gewesen, sagt Huber.

Zum Glück müsse er keinen weiteren Winter bewältigen. Denn es sei kaum mehr möglich, die Temperatur im Aussenbad zu halten. «Die Stammgäste merken schon ein Grad Temperaturunterschied», weiss Huber. Er wird nach Bad Zurzach wechseln und hofft, in drei Jahren das Botta-Bad betreuen zu dürfen.