Baden

Tiefe Wahlbeteiligung: Stadtrat will mehr Junge an die Urnen locken

Nur rund ein Drittel der Jungen geht wählen.

Nur rund ein Drittel der Jungen geht wählen.

Junge Erwachsene sollen einen besseren Zugang zu politischen Themen bekommen. Dazu will der Badener Stadtrat unter anderem eine Broschüre lancieren. Experten sehen aber auch Handlungsbedarf am Familientisch.

Am 18. Oktober werden voraussichtlich gerade mal 30 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahre an den nationalen und den Stadtrat-Wahlen in Baden teilnehmen. Das kommt keineswegs daher, dass sie Wahl- und Abstimmungsmuffel sind. Fast 70 Prozent der 15 bis 21-Jährigen sehen es als ihre Bürgerpflicht, sich an Wahlen und Abstimmungen zu beteiligen. Doch sie tun es kaum.

Die Zahlen stammen aus einer 2014 veröffentlichten Studie des Dachverbands der Schweizer Jugendparlamente. Die befragten Jugendlichen sagen auch, dass eine einfache, verständliche Broschüre, helfen würde, Junge für politische Themen und Wahlen zu motivieren. Die Studie bezieht sich zwar hauptsächlich auf Wahlen, «sie ist aber auch für das Abstimmungsverhalten repräsentativ», sagt Studienleiter Lukas Golder von «gfs.bern», dem Institut für Politik- und Sozialforschung.

Wecker zum Wählen

Der Stadtrat will nun für die 18 bis 25 Jährigen die «Easyvote»-Broschüre abonnieren. Sie soll den Jungen den Zugang zu Abstimmungsthemen erleichtern, indem sie jede Abstimmungsvorlage auf zwei A5 Seiten in leicht verständlicher Sprache zusammenfasst. Dabei enthält sie nationale und kantonale Vorlagen. Eine dazugehörige Internetseite mit Online-Videos und einem Abstimmungswecker soll zusätzlich motivieren, an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen.

Die Absicht des Stadtrats geht auf ein Postulat von Jonas Fricker (Team Baden) zurück. Er verlangte vom Stadtrat, die Einführung der Easyvote-Abstimmungshilfe zu prüfen. Damals wollte der Stadtrat die Broschüre schon beerdigen, als die Einwohnerräte mit 27 zu 20 Stimmen entschieden, er solle nochmals über die Bücher gehen.

Das hat der Stadtrat gemacht und zitiert in seinem neuerlichen Bericht Studien, Theorien und eine Dissertation. Diese besagen: zwischen 18 und 25 Jahren beginne die aktive Beschäftigung mit Politik und Demokratie. Die jungen Erwachsenen entwickeln in dieser Zeit ihr Bewusstsein für politisches Handeln. Zudem würden sich Jugendliche eher über gedruckte Medien als über Online-Medien informieren.

Studienleiter Lukas Golder spricht der Broschüre zwar nicht die Wirkung ab, er relativiert aber: «Eine Broschüre alleine genügt nicht.» Es brauche eine politisch interessierte Gesellschaft, «und die beginnt in der Familie beim gemeinsamen Diskutieren.» Weil das gemeinsame Mittagessen heute aber in vielen Familien wegfalle oder manche Eltern selten politische Diskussionen führen, sei auch die Schule in der Pflicht. «Das kann ohne weiteres schon in der Primarschule beginnen, indem die Kinder eine von drei möglichen Schulreisen ‹wählen› können.» Dieser Abstimmung könne beispielsweise eine Diskussion mit Pro- und Kontraargumenten vorausgehen, sagt Golder. Sind Teenager in einem solchen Umfeld aufgewachsen, kann die Broschüre einen guten Übergang in die politische Realität schaffen.

Dass es mit einer Broschüre nicht getan ist auch den Stadträten klar. Politische Erziehung und Sensibilisierung ist denn auch ein erklärtes Anliegen der Kinder- und Jugendförderung der Stadt.

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