Baden

Tiefgläubig mit Wahnsinnsstimme: Dieses Musical begeisterte das Publikum

Das Musical über das Leben von Mahalia Jackson ergriff das Publikum im Kurtheater.

«Eine Stimme wie diese gibt es nur einmal in einem Jahrtausend», sagte Martin Luther King über Mahalia Jackson. Im Kurtheater wurde das Leben der «Queen of Gospel» (1911 bis 1972) nochmals aufgerollt. Die Frau, die an der von Seite Martin Luther King so viel für die Bürgerrechtsbewegung geleistet hat, wird auch 44 Jahre nach ihrem Tod weltweit mit den grössten Gospelsongs in Verbindung gebracht. In den Weihnachtstagen gibt es zudem keine schönere Interpretation von «Silent Night» (Stille Nacht) als diejenige von Jackson.

Joan Orleans, selber Gospelsängerin und wie Jackson aus Louisiana, schrieb zusammen mit Emanuel Clark Porter das Musical «Mahalia», in dem sie auch die Hauptrolle innehat. «Ich will ihren Charakter lebendig werden lassen», sagte die Wahlmünchnerin im Foyer des Kurtheaters ganz entspannt und fügte neckisch lächelnd hinzu: «Mahalia und ich haben denselben Gott. Er hat mir das Talent gegeben, und ich werde sie gut vertreten.» Als sie dann mit ihrer dunklen, mächtigen Altstimme gefühlvoll zu singen begann, war es beinahe so, als wäre Mahalia Jackson wieder lebendig geworden. Besonders die reiferen Semester in den Zuschauerreihen schwelgten in Erinnerungen und hatten Tränen in den Augen, wenn die Bühnen-Mahalia zusammen mit dem stimmgewaltigen Chor «Amazing Grace», «Swing low sweet chariot» oder «We shall overcome» interpretierte.

In einem gelungenen Mix aus Erzählungen, Schauspiel und Gesang erlebte das Publikum die wichtigsten Etappen aus der Vita der Künstlerin. Angefangen bei den ersten Gottesdiensten in der Mount Moriah Baptist Church, wo Mahalia als Kind ihre grösste Inspiration fand. «Ich habe einfach laut losgesungen, und mithilfe des Herrn haben es auch die Menschen in der letzten Reihe gehört», soll die Tiefgläubige einmal gesagt haben. Später dann sogar: «Ich singe nicht, er singt!» Ihr berühmtes Konzert in der Carnegie-Hall im Jahr 1950 durfte natürlich nicht fehlen. Mahalia Jackson war die zweite Schwarze, die dort auftrat.

Aber mit dem zunehmenden Erfolg gingen auch rassistische Anfeindungen und Drohungen einher. 1963 sang sie vor dem Lincoln Memorial in Washington, als Martin Luther King seine berühmte Rede hielt: «Ich habe einen Traum.» Der Schuss, der den Prediger 1968 ermordete, fiel auch auf der Bühne. Für einen Moment wurde es totenstill im Theatersaal. Doch am Schluss spendete das Publikum tosenden Applaus. Elvis-Imitator und Gospelchorleiter Nigel Kingsley hat das Musical «Mahalia» schon zehn Mal gesehen. «Ich bin immer wieder von Neuem ergriffen», gestand er nach der Show. Und Martin Langenbach, alt Stadtrat aus Baden, meinte: «Wenn man heute Richtung Amerika schaut, ist das Stück inhaltlich aktueller denn je.»

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