Baden

Tiefsinnige Kunst gegen das Diktat — ihre Freiheit geht dieser Künstlerin über alles

Künstlerin Maria Kägi in ihrer Pop-up-Galerie am Schlossbergplatz in Baden.

Künstlerin Maria Kägi in ihrer Pop-up-Galerie am Schlossbergplatz in Baden.

Künstlerin Maria Kaegi bespielt das Ladenlokal am Badener Schlossbergplatz, bevor die neue Mieterschaft einzieht.

Es gibt viel Bewegung am Schlossbergplatz in Baden. Nach dem Umzug von McDonald’s ins neue Cachet-Haus eröffnete vorgestern dort auch das Restaurant «Cai Sushi». Direkt daneben, in den ehemaligen Räumen von «Office World» am Schlossbergplatz 4, hat sich die Kunstschaffende Maria Kaegi eingemietet.

Sie kann das 200 Quadratmeter grosse Ladenlokal, das sich zurzeit in der Vermarktung befindet, bis Ende Jahr zu günstigen Konditionen zwischennutzen. Gemäss Stadt finden aktuell Gespräche mit verschiedenen Interessenten statt. Der neue Mieter soll mit seinem Angebot ins bestehende Umfeld passen.

Damit erhält Kaegi nach diversen Ausstellungen als «Artist in Residence» die Möglichkeit, alte und neue Werke erstmals in einem grossen Rahmen auszustellen. Am 1. November, 18 Uhr, feiert sie Vernissage und zeigt dem Publikum Exponate aus verschiedenen Schaffensperioden.

Den Badenerinnen und Badenern ist die ehemalige Dozentin der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK vor allem durch ihre Galerie Unterführung bekannt, die sie bis zum Umbau des Schulhausplatzes knapp fünf Jahre führte. Sie bestand lediglich aus einem Schaufenster. Für eine grössere Galerie fehlte der heute 69-Jährigen das Geld.

Der Körper zerschleisst, die Seele reift

Die persönliche Freiheit geht der Frau mit den raspelkurzen Haaren über alles. So unangepasst und eigenwillig wie Kaegi als Person ist, erweist sich auch ihre Kunst. Mit Lippenstift, Eyeliner und Nagellack gestaltete sie beispielsweise auf Plexiglas die Mutation eines Frauenkörpers zum Skelett. «Abspecken heisst sich selber auffressen» steht daneben. Das Thema Schlankheits- und Schönheitswahn bringt die Künstlerin in zahlreichen Werken zum Ausdruck.

«Ich wehre mich gegen jegliches Diktat», bekundet die gebürtige Wettingerin. Davon zeugt auch ein zweigeschlechtlicher Torso aus Kunststoff und Goldfolie. Zum Thema Älterwerden gestaltete sie drei ineinanderliegende Kuben. Der äusserste ist aus Rost, der zweite aus Silber und der innerste aus Gold. Ein Symbol für den Lebensprozess eines Menschen: Während der Körper mit dem Alter zerschleisst, verbraucht sich die Seele nie und wird mit zunehmenden Jahren immer reifer und reicher.

Typisch für Kaegi: Fast jedes Exponat ist mit ein paar tiefsinnigen kurzen Zitaten versehen, die dem Betrachter Denkanstösse geben. Zu den Blickfängern der Ausstellung gehört eine Installation, die aus knallfarbigen gefalteten Stelen aus Plexiglasplatten besteht und lange Zeit im Schaufenster der Regionalwerke Baden stand.

Kaegi lässt sich an keinem Stil festmachen; das zeigt ein Blick durch den Raum, dessen Wände teilweise noch verputzt werden müssen. Eine Serie von Acrylmalereien, die Baden zu allen Jahreszeiten von verschiedenen Standorten aus zeigt, gehört genauso zu ihrem Œuvre wie eine moderne Krippenfigur von Maria, Josef und dem Jesuskind aus einem einzigen Stück goldgefärbtem Aluminiumdraht. Wie es nach der Ausstellung am Schlossbergplatz weitergeht, weiss Kaegi noch nicht. «Mich interessiert nur, was jetzt ist», sagt sie.

Die Vernissage von Maria Kaegis Werken in der Ad-hoc- Galerie am Schlossbergplatz 4 in Baden (vis-à-vis Manor) findet am 1. November um 18 Uhr statt.

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