Startup
Tipps von den Promis: Bei Badener Onlinekursen lernt man Kochen, Singen und "Träume verwirklichen"

Zwei Badener Brüder haben das Start-up «We Master» gegründet. In Videokursen sollen erfolgreiche Schweizer ihr Wissen vermitteln. Mit dabei sind bereits Musiker Trauffer, Food-Bloggerin Nadia Damaso, 77-Bombay-Street-Sänger Matt Buchli und Spitzenkoch Sven Wassmer.

David Rutschmann
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Die Brüder Kevin (31) und Manuel Benz (36) haben das Start-up «We Master» gegründet.

Die Brüder Kevin (31) und Manuel Benz (36) haben das Start-up «We Master» gegründet.

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Was ist das Rezept zum Erfolg? Meistens mehr als nur eine ordentliche Dosis Glück und das nötige Kleingeld, sondern auch Talent, Übung, Hartnäckigkeit. Und die richtigen Tipps von den richtigen Leuten. Wer nötiges Kleingeld hat, nämlich 99 Franken, kann sich solche Tipps nun kaufen: In Videokursen werden Schweizer Persönlichkeiten zu Masters und erzählen, was sie erfolgreich gemacht hat. Da wird Matt Buchli, Sänger von 77-Bombay-Street, zum Popmusik-Dozenten. Da kann man von der jungen Bündner Kochbuch-Autorin und Food-Bloggerin Nadia Damaso einfaches und gesundes Kochen lernen, aber sich auch gemeinsam mit dem Fricktaler Star-Küchenchef Sven Wassmer an moderner Spitzenküche für zu Hause versuchen. Und von Trauffer, Mundart-Sänger und Holzspielwaren-Unternehmer, erfährt man, wie man «Träume verwirklicht».

Diese vier Kurse liegen bisher dem Start-up «We Master» zugrunde. Die beiden Badener Brüder Kevin und Manuel Benz haben sich im vergangenen Jahr im Oederlin-Areal in Rieden eingerichtet und dort die Pläne für «We Master» entwickelt. Die Idee stammt aus den USA und ist dort höchst erfolgreich: Beim amerikanischen Pendant «Masterclass» kann man das Tennisspielen von Serena Williams lernen, Schauspielen von den Oscar-Preisträgerinnen Natalie Portman und Jodie Foster, Skateboarden von Tony Hawk oder Singen von Christina Aguilera. «Wir sind überzeugt, dass es in der Schweiz auch Personen mit grossem Erfolg in ihren Branchen gibt, die bereit wären, ihr Wissen mit anderen zu teilen», sagt Kevin Benz.

Der Entschluss geht auf ein Schlüsselereignis zurück

Wie überzeugt sie davon sind, bewiesen die beiden in Fislisbach aufgewachsen Brüder, indem sie ihre gut bezahlten Jobs im Coronajahr 2020 an den Nagel hängten, um ein Start-up zu gründen. Manuel, 36, war Abteilungsleiter bei Digitec Galaxus, und Kevin, 31, arbeitete bisher bei der Zürcher Designagentur Hinderling Volkart. Der Entschluss, «We Master» zu gründen, geht auf ein Schlüsselereignis zurück: Manuel hatte angefangen, ein Buch zu schreiben, und Kevin zufällig den Schriftsteller Martin Suter kennen gelernt. Kevin fragte also den erfolgreichen Autor, ob er ihm die Arbeit seines Bruders schicken dürfe, um Feedback zu bekommen. «Ich fand es toll, dass eines meiner Vorbilder sich die Zeit nahm, Teile meines Manuskripts durchzulesen und mir konkrete und wertvolle Tipps geben konnte. So eine Möglichkeit hat man selten», erzählt Manuel stolz.

Die Brüder bemerkten, wie sehr man von den Tipps eines Genies vom Fach profitieren kann. So entstand die Idee, dieses enorme Wissen nach amerikanischem Vorbild zu institu- tionalisieren, digitalisieren und einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Sie begannen, Persönlichkeiten anzufragen, ob sie Interesse an einem solchen Projekt hätten. «Die grösste Schwierigkeit bestand anfangs darin, die richtigen Kontakte zu knüpfen und das Konzept so zu verkaufen, dass wir eine gewisse Begeisterung auslösen, um die ersten Master an Bord zu holen. Dieser Prozess hat mehr als ein halbes Jahr gedauert. Sobald man aber ein Produkt zeigen kann, das die Qualitätsversprechen hält und zwei, drei namhafte Leute an Bord hat, wird es einfacher, Leute für die Plattform zu gewinnen», erzählt Manuel − der Marketing-Fachmann spricht aus ihm.

Viktor Röthlin ist neu mit an Bord

Mit den vier bisherigen Namen sind die Brüder sehr zufrieden, auch das Feedback der Teilnehmer auf die Kurse sei erfreulich, «genau wie wir gewünscht haben». Noch in diesem Monat wollen sie einen neuen Kurs mit Ex-Marathonläufer Viktor Röthlin drehen. Wie bei den bisherigen Masters wird auch Röthlins Kurs mehrere hundert Minuten Videomaterial in kompakten Kursen und ein «Workbook» umfassen. Kursteilnehmer sollen von ihm Grundlagen des Ausdauerlaufs lernen − nicht, um gleich einen Marathon zu laufen, sondern auch, um sich zum Joggen zu überwinden.

Somit wollen die Brüder das Angebot «We Master» vielfältig gestalten, damit für jeden etwas dabei ist. «Wir haben gemerkt, dass wir das Kursangebot sehr breit fächern müssen, um ein grosses Publikum anzusprechen. Andererseits muss der jeweilige Inhalt ganz klar definiert sein, damit man weiss, was man daraus lernen könnte», erklärt Kevin. Er ist zuversichtlich, dass dieses Angebot auf dem Markt gut ankommt − auch bei den Masters, die Spass daran haben, nach dem «each one, teach one»-Prinzip ihr Wissen weiterzugeben. Und welchen Master würden sich die Brüder für einen Kurs wünschen? «Ganz klar: Roger Federer», sagt Kevin, «es wäre unglaublich toll, wenn er sein Können und Wissen zukünftigen Tennis-Talenten weitergeben würde.»