Todesdrama Fislisbach
Todesdrama: Notrufzentrale räumt Fehler ein, nun wollen Angehörige klagen

Eine Frau starb beim Kreisel Fislisbach – die Ambulanz war erst nach 23 Minuten vor Ort. Erst teilten Kantonsspital Baden und Notrufzentrale mit, ein Bedienfehler in einer Ambulanz sei schuld. Nun - Monate später - zeigt sich: Das stimmt doch nicht.

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Die Ambulanz des Kantonsspitals Baden kam aus Aarau: 23 statt 3 Minuten nach Fislisbach. (Symbolbild)

Die Ambulanz des Kantonsspitals Baden kam aus Aarau: 23 statt 3 Minuten nach Fislisbach. (Symbolbild)

Schwager

Eine 71-jährige Frau erlitt Mitte Dezember beim Kreisel in Fislisbach einen Herzstillstand und starb. Eine Passantin hatte zwar sofort Alarm geschlagen, vom nahe gelegenen Kantonsspital Baden aus hätte eine Ambulanz in wenigen Minuten vor Ort sein können. Dass es aber 23 Minuten dauerte, bis ein Rettungsfahrzeug eintraf, löste bei der Ersthelferin und in der Öffentlichkeit Unverständnis aus. Die Erklärung: Der Krankenwagen, der zum Einsatzort fuhr, kam aus Aarau.

Man gehe von einem Versehen aus, teilten Einsatzleitzentrale und Kantonsspital Baden (KSB) wenige Tage später mit. Ambulanzbesatzungen müssen der Zentrale über ein Datenfunkgerät ihren Status melden. Im vorliegenden Fall sei der nach Fislisbach aufgebotene Wagen als stationiert in Baden gemeldet gewesen: Status 6. Der Rettungssanitäter hätte nach der Einlieferung eines Patienten in Aarau Status 5 eingeben müssen: Einsatz beendet, auf dem Rückweg.

Am Montagnachmittag hat die Einsatzzentrale Aargau nun ein Communiqué verschickt - und rudert zurück: Der Rettungssanitäter habe den korrekten Status übermittelt, heisst es darin. «Im Rahmen der Aufarbeitung des Einsatzes vom 17. Dezember 2013 in Fislisbach stellte sich heraus, dass das Team des Rettungsdienstes KSB keine Bedienfehler gemacht hatte. Der Rettungssanitäter hatte korrekt Status 5 (= Einsatz klar) gedrückt.»

Damit wäre für die Einsatzleitstelle Aargau ersichtlich gewesen, dass der Rettungswagen den Einsatz in Aarau abgeschlossen hatte und sich nicht in Baden befinden konnte, heisst es in der Mitteilung weiter. «Aufgrund einer Fehleinschätzung ging die Einsatzleitzentrale jedoch davon aus, dass sich der KSB-Rettungswagen am nächsten beim Einsatzort befand.»

Marco Bellafiore, Mediensprecher des KSB, sagte gegenüber Tele M1: «Die Situation war für das Rettungsteam und den betroffenen Rettungssanitäter sehr belastend.» Nun seien alle Beteiligten erleichtert, dass der Mann keinen Fehler gemacht habe. Laut Tele M1 wollen die Angehörigen der verstorbenen Frau rechtlich gegen die Einsatzleitstelle vorgehen.

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