Ennetbaden
Todesfahrer muss nur nachts ins Gefängnis

Giuseppe L. fuhr einen Familienvater zu Tode. Für das Bezirksgericht war klar: 5 Jahre Gefängnis! Doch jetzt siegte der Todesfahrer vor Obergericht. az-Leser und Roadcross sind empört.

Silvan Hartmann
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Der Alfa Romeo von Todesfahrer Giuseppe L. nach dem Unfall.

Der Alfa Romeo von Todesfahrer Giuseppe L. nach dem Unfall.

Toni Widmer

Statt einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren muss Giuseppe L. nur noch ein Jahr ins Gefängnis – und dies nur in Halbgefangenschaft. Denn der Todesfahrer darf tagsüber normal seiner Arbeit nachgehen. Das hat am Mittwoch das Obergericht entschieden, nachdem Giuseppe L. vor einem Jahr vom Bezirksgericht Baden zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden war und er das Urteil weiterzog.

Der schwere Unfall spielte sich im Juni 2009 ab. Giuseppe L. fuhr mit drei Kollegen von Bad Zurzach Richtung Ennetbaden. In einer unübersichtlichen Rechtskurve, kurz vor dem Ortsschild, überholte er mit übersetzter Geschwindigkeit trotz Sicherheitslinie ein Auto. Darauf prallte er mit voller Wucht in einen korrekt fahrenden Töfflenker. Der zweifache Familienvater starb auf der Unfallstelle.

Laut Obergericht hat der Raser beim Überholen nicht «vorsätzlich», sondern nur «fahrlässig» gehandelt, weshalb das milde Urteil «angemessen» sei. Das berichtet Tele M1. Bei der Schweizer Strassenopfer-Stiftung Roadcross kann man nicht verstehen, dass man einem Raser, der ein Menschenleben auf dem Gewissen hat, sogar noch entgegenkommt: «Das ist einmal mehr ein mutloser Entscheid des Gerichts, ein Schlag ins Gesicht jedes Opfers», sagt Roadcross-Sprecher Silvan Granig.

«Tötungsdelikt auf der Strasse»

Auch az-Leser sind über das Urteil empört: «So ein Raser gehört für Jahre weggesperrt und er sollte auf Lebzeiten nie mehr Autofahren dürfen. Ich frage mich schon, wann unsere Richter endlich lernen, harte Strafen auszusprechen. Wie viele unschuldige Tote braucht es denn noch?», schreibt ein Leser. In weiteren Kommentaren wird von einem «Tötungsdelikt auf der Strasse» gesprochen, andere hoffen auf einen Prozess vor Bundesgericht: «Ich zähle auf den Staatsanwalt, dass er das Ganze weiterzieht», so ein weiterer Leser. Staatsanwalt Christoph Rüedi dazu: «Ich werde das schriftlich begründete Urteil abwarten und werde mir einen Weiterzug ans Bundesgericht vorbehalten.»