Ennetbaden
Töfffahrer kritisieren: «Die neuen Leitplanken sind lebensgefährlich»

Die Ehrendingerstrasse von Ennetbaden nach Ehrendingen wurde renoviert. Doch seither würden die Leitplanken keinen Schutz mehr bieten. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier ein schwerer Unfall passiert», kritisiert der Präsident des Moto-Club Baden.

PIrmin Kramer
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Motorradfahrer könnten nach einem Sturz unter der Leitplanke durchrutschen, so die Befürchtung.

Motorradfahrer könnten nach einem Sturz unter der Leitplanke durchrutschen, so die Befürchtung.

Alex Spichale

Peter Schmid (70) fährt seit bald vier Jahrzehnten Motorrad, rollte über Strassen in Dutzenden europäischen Ländern. Als der Tourenchef des Moto-Clubs Baden diese Woche auf der kürzlich renovierten Ehrendingerstrasse von Ennetbaden in Richtung Ehrendingen unterwegs war, traute er seinen Augen kaum.

«Die neuen Leitplanken sind lebensgefährlich, die gefährlichsten, die mir in meiner langen Zeit als Töfffahrer je zu Augen gekommen sind. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier ein schwerer Unfall passiert», befürchtet Schmid.

Grosse Lücke und Eisenpfosten

Erstens sei «absolut unverständlich», weshalb zwischen Strassenbelag und der ersten Querstange eine derart hohe Lücke klaffe. «Wer stürzt und auf der Strasse weiterrutscht, wird nicht davor geschützt, unter der Leitplanke hindurch den Abhang hinunterzufallen.»

Die Strecke zum Höhtal sei sehr kurvig, die Sturzgefahr für Motorrad-, Roller- oder Velofahrer darum höher als anderswo. Es gäbe eine einfache Möglichkeit, um die Verletzungsgefahr massiv zu reduzieren: «Ein Unterfahrschutz, also eine Abdeckung entlang der unteren Seite der Leitplanke, könnte das Durchrutschen verhindern.»

Zweitens bestehe die Gefahr, dass man an einem der senkrechten Eisenpfosten hängenbleibt. «Dabei kann es zu sehr schweren Verletzungen kommen, im schlimmsten Fall sogar zu einer Enthauptung», sagt Schmid.

Auf der Höhtal-Strecke bestehe eine dritte Gefahr: «Die Leitplanken sind viel zu hoch, befinden sich fast auf Kopfhöhe von Motorrad-, Roller- und Velofahrern. Sogar für Cabrio-Fahrer kann der obere Eisenbalken gefährlich werden.» Es sei nicht auszuschliessen, dass Kopfverletzungen erleide, wer die Herrschaft über sein Fahrzeug verliere und mit hohem Tempo in das Eisengerüst pralle, so Schmid.

Der Moto-Club Baden hat mehr als hundert Mitglieder, und bei der Versammlung Anfang Woche seien die neuen Schutzplanken auf der Ehrendingerstrasse das Hauptgesprächsthema gewesen. «Wer auch immer diese Leitplanken hier aufstellen liess – er hat diese Strecke nie mit dem Velo, Roller oder Motorrad abgefahren. Für alle, die auf zwei Rädern unterwegs sind, birgt die Ehrendingerstrasse unnötige Gefahren.»

Kanton: «Keine ideale Situation»

Verantwortlich für die Sicherheit auf der Strasse ist der Kanton Aargau. Kai Schnetzler, Leiter der Sektion Verkehrssicherheit, erklärt auf Anfrage: «Ich habe volles Verständnis für die Befürchtungen der Motorradfahrer. Bis letzten Winter war auf der Ehrendingerstrasse ein Unterfahrschutz montiert.» Das habe aber den Winterdienst vor Probleme gestellt. Es gab keine Möglichkeit, den Schnee ganz von der Strasse wegzuräumen. Viele Autos fuhren darum näher an der Strassenmitte als üblich, was die Kollisionsgefahr erhöht habe. «Darum haben wir den Unterfahrschutz entfernt», erklärt Kai Schnetzler.

Die aktuelle Leitplanken-Lösung sei tatsächlich nicht ideal, der Kanton sei auf der Suche nach einem System, das die Schnee-Räumung und gleichzeitig beste Sicherheit ermögliche, sagt der Leiter der Sektion Verkehrssicherheit.

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