Tomaten, Milch, Eier – und dazu ein paar beruhigende Worte

Dank der Stadt Baden und der Stiftung Elsa Benz-von Arx entstand mit «Elsa hilft» ein regionaler Einkaufsdienst.

Larissa Gassmann
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In der Telefonzentrale von «Elsa hilft» kümmern sich Meret Suter (links) und Simone Matter täglich um die Einkaufswünsche.

In der Telefonzentrale von «Elsa hilft» kümmern sich Meret Suter (links) und Simone Matter täglich um die Einkaufswünsche.

Bild: zvg

Mit einem Summen kündigt sich eine neue Nachricht an. Flink öffnet Alessia Gasparini die Nachrichtenapp Telegram. Genaustens wird die empfangene Einkaufsliste studiert. Tomaten, Milch, Eier – alles prägt sich die 24-Jährige genaustens ein. Schon geht es los, auf ihrem roten Velo düst sie in Richtung Supermarkt. Zeitnah und exakt muss der Auftrag erfüllt werden, Gasparini befindet sich auf einer wichtigen Mission.

Bereits zum dritten Mal ist die Studentin für «Elsa hilft» unterwegs. Der Einkaufsdienst der Stiftung Elsa Benz-von Arx wurde Ende März in Zusammenarbeit mit der Stadt Baden ins Leben gerufen und soll in Zeiten des Coronavirus Angehörigen der Risikogruppe unter die Arme greifen. Initiiert haben den Dienst Hildegard Hochstrasser, Leiterin des Regionalen Sozialdienst Baden und Regula Dell’Anno-Doppler, Vizeammann und Stadträtin. Mit Meret Suter und Simone Matter rekrutierte Dell’Anno-Doppler zwei junge Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, die bereit waren, sich dem Ganzen anzunehmen und die Anfragen telefonisch entgegenzunehmen. Profitieren konnten die beiden 27-jährigen Frauen von den bereits bestehenden Angeboten. «Die anderen Hilfsdienste leisten ebenfalls eine gute Arbeit. Wir stehen noch immer in Kontakt mit ihnen. Es ist uns wichtig, dass wir sie nicht konkurrieren», sagt Simone Matter. Dass eine Zusammenarbeit wichtiger denn je ist, unterstreicht auch Dell’Anno-Doppler: «Ich bin davon überzeugt, dass wir einen langen Atem brauchen werden. Wir müssen so viele Menschen wie möglich erreichen und so viele Angebote wie möglich bereitstellen», sagt sie.

Überall ist Hilfsbereitschaft zu spüren

Aus Wettingen, Ennetbaden, Turgi und Baden trudeln Anrufe herein, mittlerweile werden durchschnittlich dreissig Aufträge pro Tag erledigt. Doch auch die Zahl der Freiwilligen nimmt stets zu. Das Projekt heisst zwar «Elsa hilft», aber eigentlich ist Elsa nie alleine. An ihrer Seite sind Alessia, Meret und Simona. Und mit ihnen unzählige weitere anonyme Rädchen im System. Überall ist die Hilfsbereitschaft zu spüren. Wo alles in sich zusammenbrechen könnte, werden Alltagshelden geboren. «Es ist eine grosse Solidarität zu spüren, auf allen Ebenen. Das tut wahnsinnig gut, auch den Menschen, die anrufen», sagt Stadträtin Dell’Anno-Doppler.

Tomaten, Milch, Eier. Dazwischen beruhigende Worte. Spaghetti, Cola, Knäckebrot. Und ein lieb gemeinter Ratschlag. In der Telefonzentrale drehen sich die Gespräche längst nicht mehr nur um die Einkaufswünsche. «Das Bedürfnis, sich auszutauschen ist gross. Wir probieren, wann immer wie möglicheinen Schwatz abzuhalten», sagt Simone Matter. Geliefert wird so ziemlich alles, was im Supermarkt verfügbar ist. Die Produktvielfalt widerspiegelt sich in den Einkaufslisten. Nichts überlassen die Bestellenden dabei dem Zufall. «Oft können sie die Farbe der Verpackung genau beschreiben, wissen den exakten Preis. Man spürt die jahrelange Einkaufserfahrung», sagt Matter.

Dennoch müssen ab und an Kompromisse eingegangen werden. Das musste auch Alessia Gasparini erfahren. «Ich habe beim Einkaufen schon ein bisschen länger als sonst. Oft weiss ich nicht auf Anhieb, wo sich die Waren befinden», sagt sie und erzählt von einem speziellen Salat, den sie nirgends entdecken konnte. Im ersten Moment sorgte dies für Überforderung. In solchen Situationen ist das Team aus der Zentrale schnell zur Stelle, um Alternativen vorzuschlagen. Letztlich wird keiner alleine gelassen. Die Professionalität des Lieferdienstes wird geschätzt. Ein weiterer Vorteil des Projekts ist die Anonymität. Elsa urteilt nicht. Weder über die Einkaufswünsche noch über die Personen dahinter. «Es gibt viele ältere Menschen, die Hemmungen haben, Hilfe anzunehmen. Gerade, wenn sie von einer ihnen vertrauten Person angeboten wird. Oft wird die Annahme der Hilfe dann als eine Art Schwäche angesehen», sagt Dell’Anno-Doppler. Weil das Angebot durch die Stiftung finanziert wird, ist man niemandem etwas schuldig.

Dass die Aktion nicht nur deswegen gut ankommt, bekommt auch Gasparini zu spüren. Bereits zum zweiten Mal ist sie nun im Auftrag der gleichen Frau unterwegs. Nach knapp einer Stunde ist ihr Einkauf erledigt. Weil ein direkter Kontakt zwischen helfender und bestellender Person untersagt ist, werden aus sicherer Entfernung ein paar Worte ausgetauscht. Aus dem Fenster lehnend bedankt sich die alte Dame bei Gasparini, danach wird der Einkauf vorsichtig vor der Haustüre deponiert. Gasparinis Auftrag ist für heute erfüllt. Erneute musste eine gefährdete Person das Haus nicht verlassen. Erneut wurde eine potenzielle Ansteckung verhindert.

«Elsa hilft» 0562008185, Mo-Sa, 8 bis 16 Uhr

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